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Vögel werden high, indem sie sich mit Ameisen einreiben

Es nennt sich "Einemsen" und sehr viele Vögel tun es.
09 Juli 2015, 4:20am

Dieser Königsdrongo ist gerade dermaßen high. Foto: J.M. Garg | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0

Ich habe kürzlich herausgefunden, dass manche Vogelarten Drogen nehmen. Bevor du jetzt einnickst und von Vögeln träumst, die sich in der Clubtoilette Lines ziehen, lass mich erklären.

Vor eine Weile stieß ich auf eine 65 Jahre alte wissenschaftliche Arbeit des amerikanischen Insekten- und Vogelforschers Horace Groskin. In dieser Abhandlung gab es einen Satz, der mir ganz besonders auffiel: „Vögel nutzen die Ameisen, um sich selbst mit der ausgeschiedenen Ameisensäure einzureiben, was ihren Muskeltonus erhöht und auch ein allgemeines Wohlgefühl auslöst."

Soso, ein Wohlgefühl, ja? Anscheinend heißt dieses Verhalten „Einemsen". Vögel greifen sich einen Haufen Ameisen und reiben sie unter ihre Flügel. Um sich zu verteidigen, scheiden die Ameisen Ameisensäure, ein organisches Insektizid, aus, das dann wiederum vom Körper des Vogels aufgenommen wird. Es haben Leute schon berichtet, sie hätten Vögel gesehen, die mit ausgebreiteten Flügeln und aufgerissenem Schnabel herumtänzelten, gleich nachdem sie sich mit der ekligen Ameisenausscheidung eingerieben hatten. Die ornithologische Entsprechung des Kiefermahlens, wenn man so will. Das hat einige kluge Wissenschaftlerköpfe zu der Vermutung verleitet, dass das Einemsen ein Laster ist und Vögel es tun, um sich total abzuschießen.

Ich beschloss, einen Experten der rumänischen Gesellschaft für Ornithologie zu dem Phänomen zu befragen. Der Ornithologe Stefan Emanuel Baltag hat mir erklärt, dass Einemsen bei einigen Vogelarten sehr verbreitet ist, vor allem beim Wiedehopf, dem gemeinen Star, dem Spotttölpel, dem Turmfalken, dem Raben, der Krähe und dem Buchfink.

Diese Sundkrähe hat tief in den Ameisenhaufen geblickt. Foto: Ursus sapien | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0

„Manche Vögel fliegen auf einen Ameisenhügel, setzen sich still hin und warten geduldig darauf, dass die Ameisen in ihr Gefieder krabbeln. Das nennt man ‚passives Einemsen'. Andere Spezies nehmen die Ameisen mit ihrem Schnabel auf und reiben sich gezielt mit den Ausscheidungen ein. Das nennt man dann ‚aktives Einemsen'. Eine Erklärung dafür ist, dass Vögel die Ameisensäure als Aufputschmittel verwenden, ganz so, wie Menschen rauchen oder Drogen nehmen", erklärte er mir.

Vögel auf Drogen sind nicht nur lustig: Motherboard weiß, wie unsere ausgeschiedenen Antidepressiva Tieren schaden.

Die Ameisen speichern die Säure in einer Drüse, um sie auf ein Raubtier sprühen zu können, wenn sie sich bedroht fühlen. Beim aktiven Emsen schlagen die Vögel mit den Flügeln, um dafür zu sorgen, dass die Säure sich bis ins Untergefieder verteilt.

Es ist ziemlich einfach, Ameisensäure zu untersuchen: Man muss lediglich eine Hand auf einen Ameisenhügel legen und schon ist die Handfläche mit dem stinkenden Insektensaft bedeckt.

Baltag ergänzte, dass es Fälle gegeben hat, in denen Vögel sich auch mit den Ausscheidungen anderer Spezies wie Tausendfüßler, Schnecken, Raupen und Wespen eingerieben haben. Wir können nur spekulieren, was die Vögel davon haben.

Auch wenn es weithin als akzeptiert gilt, dass Vögel sich einemsen, um high zu werden, gibt es auch noch einen Haufen alternativer Theorien. „Es gibt keine endgültige Erklärung dafür, warum Vögel sich so verhalten. Je nach Spezies setzen Vögel das Einemsen ein, um Parasiten und Hautreizungen loszuwerden oder um sich in einen euphorischen Zustand zu versetzen", erklärte Baltag.

Bisher ist nicht geklärt, ob es irgendwelche Auswirkungen auf Menschen hat, sich Ameisen in die Achselhöhlen zu reiben.