Wasser

Ich habe eine Woche lang nur Wasser getrunken

Sieben Tage ohne Kaffee, Cola und Co.? Geht nicht, denkst du? Oh doch.
3.2.17

Präsentiert von Gerolsteiner. Anzeige

Tag 1

Ich muss mein Leben ändern. Das beschließe ich wenige Sekunden, nachdem ich am heutigen Neujahrstag nach wie vor betrunken aus meinem äußerst unruhigen Schlaf aufwache. Gestern habe ich—aus gegebenem Anlass—mal wieder Alkohol konsumiert und zahle heute den Preis dafür. Mit dem Tempo und der joie de vivre einer Katze in ihrem letzten Lebensjahr torkle ich in die Küche und hole mir ein gigantisches Glas Mineralwasser, welches ich ob meines dehydrierten Körpers ähnlich intensiv genieße, wie diese Frauen in Shampoo-Werbungen ihr Shampoo genießen.

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Ich halte grundsätzlich nichts von guten Vorsätzen. Das Einzige, was am Beginn eines neuen Jahres für mich „anders" wird, ist die Tatsache, dass ich nun ohne Ausnahme überall drei Monate lang die falsche Jahreszahl eintragen werde. Ich habe kurz überlegt, was ich 2017 besser machen könnte, und mir ist nur „exotischere Käsesorten essen" eingefallen. Deshalb bin ich völlig überrascht, als mir plötzlich eine zweite, völlig grandiose Selbstverbesserungsidee kommt: Was, wenn ich eine Woche lang nur Wasser trinke? Alkohol, Kaffee, Säfte und andere Getränke lasse ich weg.

Anstrengende Leute behaupten doch immer, dass der Konsum von drei Litern Mineralwasser am Tag unzählige Vorteile hat! Zugegeben: Meistens habe ich mich gedanklich bereits völlig ausgeklinkt, wenn sie mir erklären, um welche Vorteile es sich genau handelt, aber ich kann mir nur ausmalen, dass ich schöner, energiegeladener und fröhlicher sein werde. Eines muss man mir lassen: Wenn ich betrunken bin, habe ich immer die besten Ideen.

Tag 2

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Pah, von wegen fröhlicher! Gestern ist es mir nicht schwergefallen, nur Wasser zu trinken, da es mir schon beim Gedanken, irgendetwas anderes zu konsumieren, schlecht ging. Heute aber sieht die Sache schon ganz anders aus: Ganz ohne Kaffee oder Softdrinks bin ich in etwa so umgänglich wie Mariah Carey.

„Psst. Pssst! Hast du Säfte?", frage ich meinen Freund Dominik, als ich bei ihm zu Besuch bin, und flüstere dabei, obwohl wir nur zu zweit sind. „Welche Säfte?", möchte er wissen. Ich werde ungeduldig. „Ich weiß nicht: Orange, Mango, Pfirsich. Säfte eben!" Doch er weiß von meinem Experiment und reicht mir stattdessen ein Glas Wasser. Ich bin sauer: Mir fehlt der Zucker, den ich sonst nur durch Süßgetränke aufnehme.

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„Drei Liter! Wer hat Zeit, drei Liter Wasser zu trinken? Ich habe ein Leben!", nuschle ich auf meinem Weg nach Hause in meinen Bart und habe mich bereits am zweiten Tag des neuen Jahres offiziell in einen dieser Menschen verwandelt, die mit sich selbst sprechen. Zuhause angekommen trinke ich noch einen Liter Wasser, lege mich schlafen und träume von einem Glas Saft. Ich glaube, diese Woche wird anstrengender, als ich dachte.

Tag 3

Nach zehn Stunden Schlaf geht es mir plötzlich um einiges besser. Ich habe einen klaren Kopf und fühle mich viel fröhlicher als am ersten Tag meines Experiments, an dem ich in etwa so beschwingt war, wie Tine Wittler bei der Inspektion einer Messie-Wohnung. Ich bin daher gewillt, meinen Vorsatz die ganze Woche lang durchzuziehen und dafür ist es wichtig, über den Tag verteilt Wasser zu trinken, damit die Menge nicht so unfassbar viel wirkt.

Ich nehme mein Wasser überall mit und nippe immer wieder daran, egal ob beim Einkaufen, im Bus oder in dem Club, in dem am Abend die Geburtstagsparty eines Freundes steigt. Ohne Kontrolle schaffe ich es am Türsteher vorbei und kann es kaum fassen. „Seht mal, was ich mitreingeschmuggelt habe!", sage ich also enthusiastisch zu meinem Freunden und ihre Augen weiten sich. Triumphal gewähre ich ihnen einen Blick in meinen Rucksack. „Wasser!" Sie werfen mir einen Blick zu, als wäre unsere Freundschaft genau in diesem Moment zu Ende gegangen. Ab sofort stellt niemand mehr infrage, warum ich nicht mein eigenes Gewicht in Alkohol trinke, sondern nur an meinem selbst mitgebrachten Wasser nippe und ich komme schon bald zu der Erkenntnis, dass betrunkene Menschen absolute Idioten sind.

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Unterhaltungen mit ihnen zu führen ist ein bisschen so, als würde man einer Gruppe Rentner erklären, wie man E-Mails verschickt: In ihren Augen ist man ein Genie. Meine angetrunkenen Freunde finden mich interessant, sympathisch und selbst meine langweiligsten Witze lösen ausnahmslos jedes Mal ungeheuerliches Gelächter aus. „Du bist so geistreich, Michael!", lallen sie und das nur, weil ich statt „zum Beispiel" „zum Bleistift" gesagt habe. Es freut mich zwar, dass sie mich so toll finden, aber ich kann das Kompliment nicht erwidern und so begebe ich mich nach meiner dritten Flasche Wasser nach Hause. Ich habe angefangen, Zeit in Wasserflaschen zu messen.

Tag 4

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Ich kann euch nicht sagen, wie gut es sich anfühlt, nach einer Nacht im Club nüchtern aufzuwachen. Klar: Ich war ob meiner Wassergier gestern Abend so oft am Klo, dass ich jetzt alle Kinder der Klofrau namentlich kenne, aber heute fühle ich mich einfach unheimlich energiegeladen. Mit dem Wind des Wasserkonsums in meinen Flügeln beschließe ich also, ein richtiger Idiot zu sein und joggen zu gehen. Obwohl ich gute Vorsätze immerzu verteufelt habe, muss ich gestehen, dass es schön ist, bei meinem kleinen Lauf so viele andere Jogger zu sehen, die ebenfalls nach einem besseren Leben streben. Endlich verstehe ich, wovon immer alle schwärmen. Ein neues Jahr kommt einer frisch aufgeräumten Wohnung gleich: frei von dem störenden Krempel der Vergangenheit und voll von erfrischenden Möglichkeiten für die Zukunft. Sämtliche Jogger, denen ich begegne, haben ein ambitioniertes Funkeln in den Augen und ich nicke ihnen brüderlich zu.

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Tag 5

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Hochmut kommt vor dem Fall: Ich erwache aus meinem Schlaf und plötzlich ist er da: ein Pickel von der Größe des Tempelhofer Felds. Mein Wasser-Experiment hatte bis jetzt einige positive Auswirkungen: Ich fühle mich stets präsent, snacke weniger und springe morgens aus dem Bett, als würde neben meinem Frühstück ein Koffer voll Geld auf mich warten. Doch dieser Pickel ist definitiv kein positiver Nebeneffekt: Ich wollte doch schöner werden. Zuerst versuche ich noch, diese Monstrosität meiner guten Freundin Barbara, die ich heute zum Mittagessen treffe, als „Schönheitsfleck" à la Sophia Loren zu verkaufen, doch sie lässt meinen Bullshit keine Sekunde lang gelten: „Michi, das ist ein Pickel", belehrt sie mich. Das heißt, ich muss mich für ein paar Tage in einen hässlichen Oger verwandeln, bevor ich als wunderschöner Schmetterling in die Welt treten kann? Pah! Vielleicht hätte ich doch lieber einfach ein „Exotisches Käse-Probierpaket für Entdecker" kaufen und es dann mit den Vorsätzen bleiben lassen sollen.

Tag 6

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Ein zweiter Pickel ist nun auf meinem Nacken zu sehen und ich werde wütend. Die Nachbarskinder können mittlerweile Punkte-Verbinden auf meinem Körper spielen. First World Problems. Dabei fühle ich mich eigentlich recht gut mit meinem Mineralwasser-Experiment. Aber es macht mich aggressiv, zwanzig Mal am Tag auf die Toilette zu müssen, ich kann nicht mal meinem neuen liebsten Hobby—dem Joggen!—nachgehen, da es heute minus acht Grad draußen hat und ich möchte einfach nur eine brühwarme Tasse Kaffee, um meine Sorgen zu lindern.

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Also mache ich etwas, auf das ich rückblickend betrachtet nicht sonderlich stolz bin: Ich nehme meine Flasche Wasser, kippe den Inhalt in einen Topf und erhitze ihn. Ja, ich komme mir ein bisschen blöd vor, als ich in drei Schichten gehüllt auf dem Sofa sitze, Golden Girls schaue und heißes Mineralwasser aus einer Tasse trinke. Dennoch kann ich nicht anders, als zu lächeln. Noch 24 Stunden.

Tag 7

Ich habe tatsächlich mein Leben geändert! Für eine Woche. Ich erhebe mein (Wasser-)Glas an dieser Stelle auf mich selbst und mein Durchhaltevermögen!

Ausgeruht steige ich aus dem Bett, nehme mir gleich mein erstes Gerolsteiner und schaffe es, ohne zu jammern, über den Tag verteilt drei Liter zu trinken. Ein Blick in den Spiegel verrät, dass auch meine beiden Pickel sich langsam verabschieden. Ich kann nicht anders, als ein bisschen stolz auf mich zu sein: Noch vor einer Woche war es unvorstellbar schwer für mich, auf andere Getränke zu verzichten und heute tue ich es, als wäre es meine geheime Superkraft. Nicht nur fühle ich mich nach einer Woche des Mineralwasserkonsums sehr energiegeladen, verspüre weniger Heißhunger und würde mittlerweile niemanden anpöbeln, um Orangensaft zu bekommen—nein, ich denke, ich habe auch endlich den eigentlichen Reiz von guten Vorsätzen verstanden: Man fühlt sich wahnsinnig gut und überlegen, wenn man sie tatsächlich durchzieht.

Wenn es mir jetzt noch gelingt, mehr exotische Käsesorten zu essen, bin ich wirklich nicht mehr zu stoppen!