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Sex

Mein kurzer Ausflug in die Welt des lesbischen Speed-Datings

Ich hatte noch nie ein Date mit einer Frau, ich hasse Menschen und ich hasse es, mit Menschen zu reden—was könnte schon schiefgehen?
12.2.15

Foto: Leslie Sachs | Flickr | CC BY 2.0

Ich bin eine 31 Jahre alte Frau, die noch nie ein Date hatte. Na ja, zumindest kein richtiges. Ich kam der Sache in der High School am nächsten, als ich einen Plattenverkäufer mit zusammengewachsenen Augenbrauen um eine Verabredung bat, einfach nur, weil er unheimlich altmodische Kleidung trug und weil ich gerade die Cheap Suit Serenaders LP gehört hatte. Unser „Date" war wenig mehr als das öffentliche Konsumieren von Whiskey; es gipfelte darin, dass wir beide betrunken auf seiner Doppelbettmatratze einschliefen.

Mein zweites Fast-Date war mit einem Mann, den ich früher an jenem Abend kennengelernt hatte. Um ein Uhr nachts brachte er mich an den Wasserfall, den man im Vorspann von Twin Peaks sieht. Als wir von unserem dunklen Aussichtspunkt auf die beleuchteten, wogenden Wasser hinunterblickten, scherzte er, dass er mich jetzt in diesem Moment mit Leichtigkeit töten und damit davonkommen könnte. Ich ging mit ihm nach Hause und blieb zwei Jahre lang dort.

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Was Dating mit Frauen angeht, habe ich noch weniger Erfahrung. Und mit „weniger Erfahrung" meine ich „absolut gar keine Erfahrung". Aber ich will welche, verdammt. Ich bin jetzt, mehr als 30 Jahre nach dem Startschuss, bereit, die Bisexualität zu erforschen, die mir bei der Geburt geschenkt wurde. Als mir eine Freundin dann vorschlug, ich solle lesbisches Speed-Dating ausprobieren, dachte ich mir also „Scheiß drauf, OK." Zumindest war es eine Chance, verlorene Zeit aufzuholen.

Klägliche Konfusion war von Anfang an die Norm. Eine vor Ausrufezeichen strotzende E-Mail von den Veranstaltern informierte mich, die empfohlene Kleidung sei „leger-elegant", auch bekannt als totales Oxymoron. Ich hatte keine Ahnung, wie ich mich angemessen anziehen sollte—ich wollte so aussehen, als gehörte ich dorthin, aber auch nicht so sehr, dass ich aussah wie eine Drogenfahnderin. Ich entschied mich für ein Oxfordhemd, das ich bis oben hin zuknöpfte, und eine unvernünftige Menge an Make-up. Ich wollte mich in alle Richtungen absichern.

Der Abend fand in einer schummrigen Bar in Hollywood statt, also die Art Lokal, in die ich unter normalen Umständen niemals einen Fuß setzen würde. Eine meiner Mitteilnehmerinnen teilte mir später mit, dass die Bar angeblich der Schauspielerin Eva Longoria gehörte. (Ich sage „angeblich" weil ich zu faul bin, es zu googlen, weil es mir egal ist.)

Nach meiner Ankunft schweifte ich umher und landete versehentlich oben, wo ich auf einmal von aufgedunsenen weißen Männern umgeben war, die vermutlich darüber sprachen, wie toll es ist, die verdammte Welt zu regieren, und dabei Häppchen aßen. Ich hörte, wie einer zum anderen sagte: „Weißt du, Dienstags ist unten lesbisches Speed-Dating." Sein Kumpel brach ob dieser Information in schallendes Gelächter aus. Ich konnte fühlen, wie mein Gesicht tomatenrot anlief, wie in einem Teenie-Film, als ich zurück nach unten und in die zärtlichen Arme meines neuen Hexenzirkels lief.

Nachdem ich eingecheckt hatte, gab man mir ein Namensschild, eine Nummer (Daterin Nr. 10, Baby!) und ein Blatt Papier, auf dem ich meine Entscheidungen festhalten konnte. Wenn ich mich zu einer Frau auf romantische Weise hingezogen fühlte, sollte ich das Wort „Date" einkreisen. Wenn das nicht der Fall war, aber ich ihre Existenz dennoch erträglich fand, sollte ich „Freundin" einkreisen. Keins von beidem zu tun war das analoge Pendant zum Nach-Links-Wischen.

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Es gab eine eindeutige Trennlinie zwischen Butch- und Femme-Teilnehmerinnen; alle Frauen gruppierten sich ganz organisch mit ihresgleichen. Ich war mehr butch als femme gekleidet, aber gesellte mich nicht zu meiner Gruppe—ehrlich gesagt wusste ich nicht, zu welcher ich gehörte, oder ob ich überhaupt zu einer gehörte. Stattdessen sah ich verlegen auf mein Handy. Ich fühlte mich in die High-School-Zeit zurückversetzt.

Alleine in einer Ecke schrieb ich eine E-Mail an einen Typen, in den ich idiotischer- und unmöglicherweise verknallt bin. Ich stellte mir vor, wie ich seinen Absolventenring trage und mit ihm am Knutschhügel Trockenübungen mache und all den anderen Scheiß, von dem blauäugige Teenagermädchen mit Rüschensöckchen träumen sollen. Aber wie sollte ich jemals bei einer Frau landen, wo ich doch so verdammt verrückt nach Jungs war? Es war Zeit, mich reinzuhängen.

Zwei Frauen zu meiner Rechten unterhielten sich über den Super Bowl. Eine hatte ihn verpasst weil sie „so viel Spaß auf der Piste" hatte. Die andere liebte Sport—„zuschauen, selber spielen". Ich erkannte schnell, dass ich mit ihnen so wenig gemeinsam hatte wie mit Vertretern des aggressiveren Geschlechts. Das hier würde eine Herausforderung sein.

Der Sportfan beendete ihre Unterhaltung mit der Ski-Gammlerin und schenkte ihre Aufmerksamkeit stattdessen mir. Ihr Name war … nennen wir sie Diane. Sie arbeitete in der Buchhaltung, aber sie hasste es—sie sagte, sie sei im Herzen eine „Businessperson". Sie hörte mitten im Satz auf, mich anzureden, um einer besser gekleideten und lebhafteren Frau nachzugehen. „San Diego ist total entspannt", erzählte sie ihrer neuen Begleiterin. „Ich liebe es da unten." Dann verkündete sie, sie sei der Meinung, dass Long Beach „die heißesten Clubs" habe. Ich war froh, dass sie sich gegen mich entschieden hatte.

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Um mich herum fanden ohne jegliches System Unterhaltungen statt. Zehn Minuten nachdem die Veranstaltung offiziell angefangen hatte, unterhielten sich Frauen noch immer untereinander. Falls das bisher noch nicht durchscheint: Ich bin von Natur aus nicht extrovertiert. Ich hatte nicht vor, mich diesen Fremden einfach an den Hals zu werden. Ich hatte für einen Eisbrecher bezahlt, verflucht!

Endlich fing der Abend an. Meine erste, Sandra, erzählte mir, sie sei schon mal beim Speed-Dating gewesen, allerdings „ein Hetero-Event". Ihr Verhalten war steif und militärisch; sie erinnerte an eine butch-haftere Ellen Degeneres. In der „Notizen"-Spalte auf meinem Zettel schrieb ich „k.A.". Ich erinnere mich an nichts von dem, worüber wir uns unterhielten, außer das Speed-Dating selbst.

Was folgte, war eine schwindelerregende Prozession von Perlen—Eleanor, eine persönlichkeitsarme Krankenschwester von den Philippinen; Jenny, die aus Columbus, Ohio kam (und das sah man ihr auch an); Jessica, die in „umwälzender Technologie" arbeitet. Ich hatte vor unserer Unterhaltung noch nie von umwälzender Technologie gehört—glücklicherweise referierte sie umfassend darüber, während sie die meiste Zeit den Augenkontakt vermied. Sie sah durchaus annehmbar aus, aber sie war unausstehlich. Ich verspürte keine Lust, ihre Paradigmen zu wechseln.

Jessica 2 (mir gehen schon die Pseudonyme aus) war Ernährungsberaterin und hatte zwei ihrer Zähne spitz feilen lassen, sodass sie an Vampirzähne erinnerten. Rebecca war Satellitentechnikerin und hatte ein Drehbuch übers Daten geschrieben. Mindy war Bankerin und schrieb in ihrer Freizeit „extrem düstere Gedichte". Maggie war Finanzdirektorin (ich befürchte, das war ihr einziges definierendes Merkmal).

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Jessica 3 war Sozialarbeiterin, und als ich ihr sagte, dass ich schreibe, nahm sie an, dass ich etwas Abfälliges über unseren Abend schreiben würde (Sorry, Süße). Wenn sie in einem Paralleluniversum jeden beliebigen Beruf haben könnte, so erzählte sie mir, dann wäre sie Rabbinerin oder Wissenschaftlerin. Ich sagte, ich wäre immer noch Autorin, aber dafür eine erfolgreichere.

Und so weiter und so fort. Zwei Stunden später waren wir fertig. Mein Mund tat weh. Mein Kopf tat weh. Und dennoch waren alle um mich herum immer noch heiß auf Gesellschaft. Besessen von dem Gedanken, irgendwo etwas zu essen zu finden, hörten sie einfach nicht mehr auf, von dem Thema zu reden. Sie hörten einfach allgemein nicht auf zu reden. Ich war außerhalb meines Elements; nachdem ich den Großteil des Vortages in totaler, geistloser Stille verbracht hatte, war mein Mund die viele Beanspruchung nicht gewöhnt. Ich ging während sie noch darüber diskutierten, wo sie essen sollten, der Liebe oder dem Cunnilingus keinen Schritt näher als bei meiner Ankunft.

Ich hatte allerdings eine wertvolle Lektion gelernt: Die eine Sache, die uns alle als Menschen vereint—ob schwul, lesbisch, hetero, trans oder etwas anderes—ist die Nichtigkeit der Unterhaltungen, die wir mit potentiellen Sexpartnern haben. Es interessierte mich kein bisschen, womit diese Frauen ihr Geld verdienten. Dennoch stellte ich allen 20 die Frage.

Ich bin zu sehr Misanthropin, um eine Finanzdirektorin zu daten; bei der Vorstellung, mir ihre Arbeitsanekdoten anhören zu müssen, will ich mir eine Knarre in den Mund stecken. Ich bin zu verklemmt, zu schwierig, zu wertend—das sind die Hauptkritikpunkte, mit denen mich meine „Hater" bombardieren. Diese Kritiken meiner Kritiken sind absolut berechtigt. An einer Finanzdirektorin gibt es so gesehen nichts Verkehrtes. Es ist allerdings schon etwas Verkehrtes daran, eine Finanzdirektorin unnötig zu verurteilen. Die Gruppe um mich herum fand aneinander nichts zu bemäkeln. Ich meine, sie unterhielten sich ja noch weiter, nachdem sie schon längst nicht mehr dazu verpflichtet waren. Das Problem, das ich mit ihnen hatte, lag einzig und allein bei mir.

Als ich mit der U-Bahn nach Hause fuhr, nahm ich meine Umgebung in Augenschein. Alle—männlich, weiblich—sahen scheiße aus. Ein erwachsener Mann stand mit einem Rucksack, auf den er mit Edding die Worte „Killer Disco" geschrieben hatte, vor mir. Als ich daraufstarrte, wurde mir klar, dass ich, wenn ich nicht aufhörte, so ein hart urteilendes Arschloch zu sein, gefickt sein würde, egal nach was für Sex mir der Sinn stand. Natürlich im übertragenen Sinne. Nicht buchstäblich.