Food

Ich habe einen Whopper in der Burger-King-Sauna gegessen

Spa-Erlebnis trifft Fast Food. Inklusive Bier und PS4.

von Jelisa Castrodale
21 Februar 2017, 12:00pm
Photo by Jelisa Castrodale.

Ich bin nackt und schwitze ordentlich, mein Make-up rinnt langsam an meinen Wangen herunter. Ich wische mein Gesicht mit dem Handtuch ab, Mascaraschlieren kleben auf dem aufgedruckten Logo, und lehne mich gegen die kalten Fliesen und denke mir: „Das ist definitiv der beste Burger King, in dem ich je war."

Das wäre der Moment, wo die Musik kurz aufhört und das Bild eingefroren wird: In ein Burger-King-Badehandtuch gehüllt sage ich direkt in die Kamera: „Ja, das bin ich. Du fragst dich vielleicht, wie ich hier gelandet bin." Ich bin gerade in Helsinki in einem gut ausgestatteten Burger King mit einer voll funktionsfähigen Sauna unter dem geschmackvoll in Holz und Stein designten Gastraum. Die Sauna hat letztes Jahr im Frühjahr eröffnet und wurde schon zu einer Weltberühmtheit, noch bevor überhaupt irgendjemand auf den Holzbänken schwitzen konnte.

Warum eine Sauna in einem Burger King? Na ja, einfach gesagt: Das hier ist halt Finnland – das ist wohl die beste Erklärung. „Sauna gehört das ganze Jahr zu unserem Leben", meinte Eve Turunen, die bei Burger King arbeitet und mich durchs Restaurant führt. „Wir gehen mit Freunden und Familie in die Sauna, zu Weihnachten, zum Mittsommerfest, das ganze Jahr über."

Sie hat Recht. In Finnland leben 5,5 Millionen Menschen und es gibt schätzungsweise 2 Millionen Saunas im ganzen Land verteilt. Ob wirklich die Finnen die Sauna erfunden haben, ist umstritten, aber die Sauna gehört zur finnischen Indentität dazu, gleich neben ihrer gelassenen Art und der Tatsache, dass sie Augenkontakt mit Fremden vermeiden. Die meisten Finnen gehen mindestens einmal in der Woche in die Sauna, wenn nicht öfter. Danach folgt am besten ein Sprung in die kühle Ostsee. Wenn das nicht möglich ist, zum Beispiel weil du in einem Burger King mitten in der Stadt feststeckst, dann musst du dich mit einer kalten Dusche zufrieden geben. Doch vorher wird dein Burger-Menü in deinem eigenen Schweiß mariniert.

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Und genau das habe ich gemacht: Es gab einen Whopper, Pommes, eine Cola und einen Milchshake während ich mich fühlte, als wäre ich gerade einem Drachen in den Hintern gekrabbelt. Die brütende Hitze in der Sauna auszuhalten – geschweige denn zu genießen – ist ziemlich anstrengend, auch ohne Ketchupflecken auf der nackten Haut. In einer anderen Sauna habe ich ein paar Tage vorher ein Plakat gesehen, auf dem stand, dass man sich nach einem Saunagang wie neugeboren fühlen würde. Nach der Hälfte meines Whoppers fühlte ich mich, als wäre ich mindestens zwei Mal gestorben.

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Eve Turunen erzählte mir, dass die Burger-King-Sauna eine Idee von Mikael Backman war, dem CEO von Restel. Dieses Gastronomieunternehmen verwaltet Hunderte finnische Filialen diverser Ketten, darunter auch Burger King. „Er dachte sich einfach: Why not?", erzählte sie. Gerade auch weil es in dem Gebäude bereits eine Sauna im Untergeschoss gab – typisch finnisch hatte ein Vormieter sie einbauen lassen.

„Seit der Eröffnung ist die Sauna sehr beliebt, gerade bei Finnen und Japanern. Hier feierte das finnische Hockey-Team, nachdem sie 2016 Gold bei der Eishockey-WM der Junioren geholt hatten, die Sauna war voll mit großen, verschwitzten Männern", erzählte Turunen und deutete auf ein Foto des Teams, das über dem Essbereich in der Sauna hängt. Finnische Sportler scheinen dafür bekannt zu sein, ihre Trophäen mit in die Sauna zu nehmen: 2007 hat sich Teemu Selänne, damals Flügelspieler bei den Anaheim Ducks, einen denkwürdigen schweißtreibenden Nachmittag mit dem Stanley Cup gegönnt.

Die perfekt sauberen Tische und Sitzecken sind nur ein paar Schritte von der Sauna entfernt, gegenüber stehen Kühlschränke gefüllt mit Bier und Limo, ein 55-Zoll-Flachbildschirm und eine PS4. „Hier werden viele Geburtstagspartys gefeiert", meinte Eve.

„Von Kindern?", fragte ich. „Oh nein, von allen", antwortete sie.

Dass die Burger-King-Sauna so beliebt ist, mag teilweise daran liegen, dass die Idee so ausgefallen ist, oder auch daran, dass Burger King seit drei Jahren eine Art Renaissance in Finnland erlebt. Die Kette versuchte es 2013 noch einmal, nachdem die über Flamme gegrillten Burger in den 1980ern ein Flop waren. Diese Burger-King-Filiale gehört zu 27 anderen, die mit McDonald's und Hesburger, der ältesten und größten finnischen Fast-Food-Kette, konkurrieren.

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Fun Fact am Rande: Finnland und Estland haben das weltweit einzige „schwimmende" Burger-King-Restaurant, auf dem Deck der Tallink-Fähre zwischen Helsinki und Tallinn. Mit 300 Sitzplätzen ist das der größte Burger King in Finnland, der einzige Burger King in Estland und nachdem ich selbst da war, bin ich mir sicher, dass das auch der deprimierendste Burger King der Welt ist.

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Ich habe gut 15 Minuten in der Sauna durchgehalten, dann brauchte ich eine kalte Dusche. Eigentlich fühle ich mich jedes Mal, wenn ich einen Haufen Fast Food esse, so, als müsste ich dringend duschen, aber dieses Mal konnte ich das noch im Restaurant machen. Ich duschte mich und lehnte mich erstmal gegen die Wand, bis ich das Gefühl hatte, nicht mehr zu schwitzen (auch das ist bei mir nicht unüblich nach einem Essen bei Burger King, egal ob mit oder ohne Sauna).

Wenn du nach Helsinki fährst und Lust hast auf ein etwas anderes, belebendes Gefühl der Übelkeit, dann verbring doch ein bisschen Zeit in der Burger-King-Sauna. Man kann sie als Gruppe für bis zu 15 Personen mieten, das kostet 250 Euro für drei Stunden, zuzüglich Essen und Getränke. Wer richtig klotzen will, kann sich für 60 Euro einen bestickten Burger-King-Bademantel gönnen.

Als ich mich endlich genug abgekühlt hatte und wieder Treppen steigen konnte, um das Restaurant zu verlassen, fallen mir die Poster in den Fenstern für den neuen „Angry Whopper" auf. Wenn diese Burger doch auch bei einem kleinen Spa-Erlebnis entspannen könnten.