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The Off the Deep End Issue

Reviews: Das Beste, das Schlimmste und alles dazwischen

Die beste Musik diesen Monats und die, die niemals, niemals aus euren Boxen kommen sollte.
09 April 2015, 4:00am

BESTES ALBUM DES MONATS

KURT RAZELLI
Der Haha Effekt
Razelli Records/Hoanzl

Der Kurt Razelli hat dann jetzt ein Album ... hat dann jetzt ein Album ... hat dann jetzt ein Album ... hat dann jetzt ein ... ein Album ... ein Album ... ein Album. Der Kurt Razelli hat dann jetzt ein Album. Ist lustig, oder nicht? Kann das funktionieren auf Albumlänge ... auf Albumlänge ... auf Albumlänge? Kann das funktionieren auf Albumlänge ... auf Albumlänge ... auf Albumlänge? Eigentlich ganz gut. Der Witz läuft sich irgendwie ... läuft sich irgendwie ... läuft sich irgendwie ... Der Witz ... Der Witz läuft sich irgendwie nicht tot. Außer in diesem Review.
EEDI ETCHELHCS

SCHLIMMSTES ALBUM DES MONATS

A MONTH OF SUNDAYS
s/t
Wire Globe

Danke, A Month of Sundays. Ihr seid Arschlöcher. Euer Album hat es geschafft, meine beste Freundin zum Heulen zu bringen. Gut, das mag an ihrem Männerdrama liegen. Aber das Album ist trotzdem bis zum dritten Track pure Melancholie. Kein Gesang, dafür Saxophon. Ab Nivose schwindet der jazzige Touch und wir tauchen in das komplette Experimental-Verderben ein. Ich setze schon zum Mitweinen an, aber ab Faultine wird die Lage zum Glück ein bisschen besser. Ich begründe meine zwei Punkte so: meine beste Freundin vergibt einen für das Zusammensetzen und den zweiten für das Instrument beherrschen. Aber sie ist gemein. Experimental sollten sie lassen, Jazz könnte man vertiefen.
DEAN FUNK

BESTES COVER DES MONATS

MILE ME DEAF
Eerie Bits of Future Trips
Siluh Records

Das ist die Musik, die es spielen sollte, wenn du alleine in einer schummerigen Bar einen warmen Drink zu dir nimmst. Diesen Sound sollten alle Homepartys haben. Ich will Zodiacs sofort zu meinem Soundtrack der nebligen Nachtspaziergänge machen. Und das mache ich jetzt auch. Gut, es gibt grad keinen Nebel. Aber solange ich Mile Me Deaf habe, ist alles gut.
TRIXI TRIP

SCHLIMMSTES COVER DES MONATS

YOUNG GUV
Ripe 4 Luv
Slumberland

Siehst du die echt niedrige Zahl neben diesem Review Ben Cook, Sum41 Songschreiber, ehemaliger Kinderstar, Labelbesitzer und Gitarrist von Fucked Up? Ist dir klar, wie niedrig sie ist, im Vergleich zu fast allem anderen auf diesen vier Seiten voller Reviews? Sie ist nur wegen dir so niedrig. Weil dieses Album richtig, richtig mies ist, vom Name des Projekts angefangen, über die Songtitel, bis hin zum Cover—und ich will gar nicht erst von der Musik sprechen! Young Guv hört sich an, als würde eine Provinzradiostation Power Pop der 90er kacken und dann ohne abzuwischen aufstehen und Lo-Fi Surf Rock über den ganzen Haufen drüber pinkeln. Einfach weil sie mal muss.
A WRITER IN NEW YORK

P.TAH, MIRAC, TESTO
Xanax
Duzz Down San

Ich mag deutschsprachigen Rap. Umso skeptischer und kritischer machte ich das Album auf—die Namen sagten mir nur entfernt etwas, das lachsig-hipstrige Tablettenbild und das Intro 9mm verschreckten mich. Schön war dann die Überraschung. Die EP vereint moderne Beats mit wirklich guten Texten. Österreichische Dreiergespanne funktionieren nun mal wirklich gut, das haben uns schon Raf Camora, Nazar und Chakuza gezeigt. Auch dieses hier. Scherbenhaufen hat Hitpotenzial. Fast schon schade, dass es nur fünf Tracks gibt. Also, alle Hobby-Rapper und Rapliebhaber: holt euch das Album. Es lohnt sich. Ich habe es schon in meine Playlist eingebunden und mir eine Lachstablette eingeschmissen.
DIETMAR DREIER

LIKE ELEPHANTS
Home
Noiseappeal

Ich hab mir die EP von Like Elefants zusammen mit Besuch angehört. Wir sind uns einfach nicht einig geworden. Für mich: Alle vier Tracks irgendwie OK. Weder super noch schrecklich. Irgendwas in Richtung Indie mit relativ geringen Unterschieden zwischen den Songs. Wirkt irgendwie zu sehr so, als sei das alles schon x-mal dagewesen. Ganz anders bei meinem Besuch: der hat die komplette EP gefeiert. Das kann am Wein liegen. Oder an Like Elephants. Sagen wir an Like Elephants.
THE GOLDEN SEABEAR

WE ARE THE CITY
Violent
Sinnbus

Das Album ist pure Spannung. Jeder Song ist eine kleine Überraschung. Erwartet man auf das ruhige Baptism weitere beruhigende Klänge, bringen die Jungs etwas so Rockiges, dass man Lust bekommt, auf einer hoffnungslos überfüllten Homeparty headzubangen. Nächster Pluspunkt? In die Stimme des Sängers kann man sich quasi nur verlieben. Die kanadische Band zeigt, wie hipper Sound des 21.Jahrhunderts geht. Manko: Das Cover ist halt ein bisschen fad. Aber nachdem ich eh schon verliebt bin, werde ich die Platte regelmäßig zum Tagträumen einlegen.
FRIENDS HURT

WORRIED MAN & WORRIED BOY
S/T
Problembär Records

Ein Papa und sein Sohn machen zusammen österreichische Musik im Mundart-Style—so bereitete mich meine beste Freundin auf das Album von Worried Man & Worried Boy vor. Und was soll ich sagen, genau so klingt es auch. Wie ich dann später erfahren habe, ist die Situation aber komplizierter: der Papa und der Sohn covern gemeinsam die Musik des Papas. Das Album plätschert ein bisschen vor sich hin, keine Partymusik, keine Höhepunkte, kaum richtige Überraschungen. Das kann man als gut, aber auch als schlecht bewerten, ich bin da aber eher der „Das Glas ist halbvoll"-Typ. Und das nicht nur, weil die Liedernamen wie Glabst i bin bled einfach lustig sind. Die Texte von Worried Man & Worried Boy erinnern an einen versoffenen Wiener, der in seinem Stammcafé lamentiert. International ist das bestimmt schwierig, aber in Österreich durchaus weltbekannt.
DER SCHÖNSTE MANN VON WIEN

MADONNA
Rebel Heart
Interscope

Es ist irgendwie bewundernswert, wenn eine Milliarden Jahre alte Person sagt „Scheiß drauf" und einfach das gleiche macht wie junge Leute. Das Madonna mit Diplo und Avicii ein Album aufnimmt, ist in etwa so, als würde dein Onkel ein Bild seiner weißhaarigen, schlaffen Eier per Snapchat an seine Freundin schicken. Eigentlich sagst du „OH MANN, HÖR SOFORT AUF DAMIT!", aber ein kleiner Teil von dir denkt auch „Genau! Sei modern, auch wenn es dich doof aussehen lässt!" Als los, Madge, zeig der Welt deine ergrauten Eier.
KORTNEY KOCKS

MARILYN MANSON
The Pale Emperor
Vertigo Berlin

Brian Warner sitzt allein in seinem Wohnwagen, beobachtet die schwarze Olive, die in seinem Absinth schwimmt und seufzt tief. Er denkt an das Album, das er immer machen wollte—auf dem er wie ein lungenleidender Iggy Pop Outlaw-Countrysongs krächzt. Aber es ist einfach wie in dem alten Sprichwort: Einmal der God of Fuck, immer der God of Fuck. Traurig greift er nach dem Lippenstift und zieht sich die Netzstrumpfhose an. Resigniert raucht er ein bisschen Opium aus einer Affenschädelpfeife und denkt über einen Reim auf „Mephistopheles" nach. Irgendwo da draußen liegt noch ein Haufen Glasscherben rum, in dem sich noch niemand gewälzt hat. Es gibt noch einen Christen, der noch nicht gesehen hat, wie er sich ein Kruzifix anal einführt. Es ist Zeit den Leuten zu geben, was sie wollen.
FLORENCE RIDA

BROTHERS OF THE SONIC CLOTH
S/T
Neurot

Einige Musiker würden über Grunge zu international bekannten Rockstars. Ein paar andere landeten im Sarg. Die, für die nichts von beidem zutrifft, wurden in den letzten beiden Jahrzehnten vor allem dicker und schlechtgelaunter. Tad Doyle von der mit Nirvana tourenden Band Tad war von Anfang an nicht gerade gertenschlank: Ein kräftiger, Karohemden-tragender Motherfucker, der aussah, als hätte er ein paar Leichen in der Tiefkühltruhe. Aber das Debutalbum seiner neuen Band Brothers of the Sonic Cloth lässt ihn ganz leichtfüßig wirken. Produzent und Doom-Übermensch Billy Anderson, lässt „Lava" und „Empires of Death", wie zähflüssigen Ur-Matsch über Post-Punk-Grooves klingen und schlägt das ganze mit Höhlenmenschartiger Wucht über die Zielgerade.
CHARLES HANSON

KID ROCK
First Kiss
Warner

Kürzlich wurde bekannt, dass Kid Rock einen Berglöwen erschossen hat. Was man vom neuen Kid Rock-Album hält, steht in direktem Zusammenhang damit, ob man das Erlegen eines Berglöwen für die coolste Sache der Welt hält, oder denkt, es sei eine Straftat, die mit der Todesstrafe zu ahnden ist.
CARL GNARSOM

THE GO! TEAM
The Scene Between
Memphis Industries

Zuerst ist es so, als hätte sich nie was geändert. Alle Standard Rock-Instrumente (meistens via Samples) sind auf Maximum auf etwas aufgenommen, dass sich wie ein antikes Diktiergerät anhört. So entsteht eine undurchdringliche und sich billig anhörende Verzerrung, während alle honigsüßen Gesangspassagen kristallklar bleiben. The Scene Between ist demzufolge vergleichbar mit Thunder, Lightning, Strike, dem Debut von The Go! Team, vor zehn Jahren. Aber die melodische Seite der Band ist noch viel stärker als damals—und sie waren noch nie SunnO))—das Endergebnis lässt einen so fühlen, als hätte man zwei große Packungen Rumrosinen-Eis gegessen, während man Meghan Trainor hörend, Powderpuff Girls auf einem gigantischen Plasmabildschirm anschaut. Nur die dement fröhlichen und die Jungen können diese Folter ertragen.
PADDY McGINTY'S GOATWHORE

NOEL GALLAGHER'S HIGH FLYING BIRDS
Chasing Yesterday
Sour Mash

Armer Noel. Obwohl sich die Texte wie aus einer Noel-Gallagher-Meme-App auf Facebook anhören, ist dieses Album irgendwie ganz gut. Aber es wird nur zwei verschiedene Reaktionen darauf geben. Alternde Britpopper werden sagen: „OK, aber nicht Oasis", und alle anderen werden es scheiße finden, ohne es jemals gehört zu haben. In dem furchtbar glammigen „In the Heat oft the Moment" und dem balearischen und jazz-rockigem „The Right Stuff", wirft Gallagher Senior endlich die Songwriter-Fesseln ab, in denen er seit Morning Glory gefangen war.
R KIDD