Du wolltest schon immer mal nach Burma? Lieber nicht.

Obwohl sich internationale Beziehungen verbessert haben, und du auch als Tourist relativ unkompliziert nach Burma reisen kannst, hält sich der Verdacht, dass religiöse Minderheiten von der Regierung brutalst gemordet werden.

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06 Mai 2013, 1:21pm

Die letzte Woche war hart für die burmesische Regierung. Zu den guten Nachrichten gehörte zwar die Tatsache, dass die Europäische Union die Sanktionen gegen Burma aussetzen wird. Daraufhin kündigten die USA an, den Handel mit dem Land zu verstärken. Kurz danach wurde Präsident Thein Sein der Friedenspreis einer bekannten NGO verliehen, für seine Rolle bei der Förderung interner Reformen.

Die nicht ganz so hübschen Neuigkeiten sind, dass die burmesische Behörden beschuldigt werden, sich an ethnischen Säuberungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu beteiligen. Zwei Dinge, die nicht so richtig nach Friedenspreis klingen und stark an den immer besser werdenden Beziehungen des Westens mit Burma zweifeln lassen.

Die Anschuldigungen werden in einem neuen Bericht der Human Rights Watch (HRW)  in Verbindung mit zwei Gewaltausbrüchen im letzten Jahr erhoben. Bei diesen Übergriffen wurde die Gemeinde der Rohingya-Muslime und andere burmesische Muslime von Regierungstruppen und lokalen Buddhisten angegriffen. Der Vorfall, der sich im Rakhaing-Staat im westlichen Burma abspielte, endete mit einer Menge Toten und über 100.000 Vertriebenen, von denen die meisten in Lager für interne Flüchtlinge gesteckt wurden.

Nachdem ich erst im letzten Jahr von den Gewaltschauplätzen zurückgekehrt bin, war der Bericht natürlich Pflichtlektüre. Er dokumentiert Anschuldigungen, die genau mit den Aussagen von Zeugen übereinstimmen, die ich in der Nähe von Sittwe, der Hauptstadt der betroffenen Region, getroffen habe. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Politiker und religiöse Gruppen gezielt  Rohingya Minderheiten angegeriffen haben—einige rufen sogar direkt zu ethnischen Säuberungen auf.

Im Bericht wird auch ein weiterer Vorfall erwähnt, bei dem 18 halbnackte Leichen von Sicherheitskräften in ein Flüchtlingslager der Rohingya abgeladen wurden. Daraufhin befahl die Polizei den Anwohnern, die Toten in ein Massengrab zu werfen.

Ein paar Leute aus der Gegend machten Fotos von den Leichen bevor sie vergraben wurden. Die Bilder, die zu grausam sind, um nicht zensiert zu werden, zeigen Tote mit furchtbaren Wunden an ihren Köpfen und Körpern. Bei einem mann wurde das Gesicht in drei Teile aufgeschnitten. Auf einem anderen Foto ist ein totes Kind zu sehen, daneben ein blutverschmierter Kopf und ein Leichensack voller Maden. Anderen sind noch immer die Hände verbunden, an Objekte, an die sie wahrscheinlich schon bei ihrer Hinrichtung gefesselt waren.

Matthew Smith, Forscher bei Human Rights Watch, kommentierte den Vorfall mit der Aussage, dass „es keine strafrechtliche Verfolgung, geschweige denn eine Untersuchung“ gegeben hat. Er fügte hinzu, dass er „dokumentiert hat, wie örtliche Sicherheitsbeamte tatenlos zugesehen haben, wie Menschen von arakanesischen Buddhisten in Sittwe die Hände verbunden wurden. In anderen Fällen haben sie sich an den Morden beteiligt. Der Mangel an Strafverfolgung wird weiter dafür sorgen, dass diese ethnischen Säuberungen weiter gehen werden.“

Auf anderen Fotos waren die Überreste einer Mutter und eines Kindes an einem Strand, nicht weit entfernt von den Flüchtlingslagern, zu sehen. Der bleiche, vom Wasser aufgeblähte Körper der Frau liegt neben einer sich zersetzenden Leiche eines Kleinkindes mit offenem Brustkorb. Ich habe herausgefunden, dass die toten Körper zusammen mit vielen anderen gefunden wurden, von denen sie annahmen, dass sie „in Sittwe umgebracht und ins Wasser geworfen wurden“.

Inwieweit ist die Regierung an diesen grausamen Taten beteiligt und unterstützt die andauernde ethnische Säuberungen? Ohne viel Recherche traf ich auf verstörende Indizien für eine Antwort auf die Frage. Ende letzter Woche kamen mehr und mehr Berichte von meinen Kontakten in Rakhaing-Staat über Regierungsvertreter, die zusammen mit Mitgliedern des Militärs Rohingya-Dörfer besuchten und die Anwohner bedrohten.

„Viele [Regierungsbeamte] sind in unser Dorf gekommen und haben jedes Haus durchsucht“, sagte mir einer der Zeugen und fügte hinzu, dass sie die Bewohner unter Druck setzten, „zu unterschreiben und bengalische Ausweise zu akzeptieren“, die ihnen offiziell alle Rechte in Burma absprechen würden. Jemand anders berichtete von wiederholten Besuchen von Beamten, „einige davon von der Einwanderungsbehörde“. Beide erwähnten, dass das Militär und andere gesagt hätten, dass die Anwohner angegriffen würden, wenn sie nicht unterschrieben.

Einer erklärte es so: „Die Behörden [drängten] uns dazu, illegale bengalische Ausweise zu akzeptieren und wenn wir das nicht machen, [sagten sie], dass sie uns nicht vor Angriffen auf [unser Dorf] schützen werden. Das heißt, dass die Regierung komplett die Pläne der Buddhisten unterstützt, uns zu vertreiben.“

Ursprünglich war ich ein bisschen skeptisch, also kontaktierte ich vertrauensvollen Quellen vor Ort, die unabhängig voneinander die Details der Geschichte bestätigten und erklärten, dass die Besuche von vielen der Anwohner gesehen wurden. Auch Matthew sagt, dass er von den Vorfällen wisse und sagte mir, dass „die Rohingya gezwungen und bedroht wurden, sich als 'Bengali' zu registrieren. Das ist die Grundlage des Problems, und es geht schon seit Monaten so...Das sind hochrangige Beamte. Es ist kein Geheimnis, dass diese Schmähpolitik aus Naypyidaw [Regierungssitz] kommt, aber die westlichen Regierungen sehen weiter nur das, was sie sehen wollen.“

Nachdem ich mit noch mehr Zeugen gesprochen hatte, habe ich es geschafft, ein Handyfoto von einer der mutmaßlichen Regierungsdelegationen, die gerade ein Rohingya-Dorf besichtigen, zu bekommen (siehe oben). Die Aussagen der Dorfbewohner, mit denen ich geredet habe und das Foto scheinen zu bestätigen, dass der Staat bei ethnischen Säuberungen in der Region involviert ist. Dass Truppen sowas machen würden, ohne direkt von der Regierung dazu angewiesen worden zu sein, scheint ziemlich unmöglich.

Bisher haben laut meinen Quellen noch keine der bedrohten Dorfbewohner sich als Bengali registriert. Deswegen besteht die ernstzunehmende Sorge, dass es in Rakhaing-Staat schon bald wieder gewalttätig wird. Fast noch verstörender als dieser Gedanke ist die Angst, dass die internationale Gemeinschaft nichts dagegen setzen wird.