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Ist Marokko der neueste Zufluchtsort für pädophile Europäer?

„Die Armut ist hoch, die Ungleichbehandlung ist hoch und die Täter sehen, dass die Regierung beim Schutz von Kindern versagt." Das zieht Pädophile nach Marokko.
10.9.13

Daniel Fino Galván, Foto aus einer Mitteilung der Polizei

Nachdem der verurteilte spanische Pädophile Daniel Fino Galván im vergangenen Monat vom marokkanischen König begnadigt worden war, brachen im ganzen Land heftige Proteste aus. Der Kinderschänder—der nur eineinhalb Jahre seiner 30-jährigen Haftstrafe für die Vergewaltigung von elf Kindern in dem nordafrikanischen Land abgesessen hat—hatte zusammen mit 1043 anderen Insassen eine Amnestie von König Mohammed VI. erhalten.

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Nach der breiten Empörung der marokkanischen Öffentlichkeit—und nachdem Proteste von Polizisten mit Schlagstöcken erstickt worden waren—rief der König die Begnadigung zurück und Galván wurde einige Tage später in Spanien erneut verhaftet. Dass die Marokkaner sich gegen eine königliche Entscheidung stellen, ist eine Art Präzedenzfall. Die Ereignisse haben die Behörden erschüttert und bringen ein seit Langem bestehendes Misstrauen zwischen der Monarchie und den gewählten Amtsträgern des Landes, von denen keiner die Verantwortung für Galváns Freilassung übernehmen wollte, ans Licht.

Der König behauptet, er hätte von Galváns Verbrechen nichts gewusst. Andernfalls hätte er ihn niemals begnadigt. Damit scheint sich König Mohammed zunächst wirksam verteidigen zu können, doch in Wirklichkeit verschlimmert es das Problem. Wie kann ein Volk einen König unterstützen, der leichtfertig Pädophile aus der Haft entlässt, ohne ihre Verbrechen zu überprüfen, und die Schuld schließlich an andere weitergibt? Der Gefängnisdirektor, der in Folge der Proteste gefeuert wurde, wird weithin als Sündenbock betrachtet. Ich nehme an, dass die Rechtfertigung nicht die Tatsache aus dem Weg räumt, dass er seinen Job wegen des Fehlers eines Anderen verloren hat.

Ein Graffiti in Marokko, das König Mohammed IV. als Komplizen von spanischen Mördern bezeichnet, Foto via

Deprimierenderweise ist Galváns Fall nicht der einzige dieser Art. Etwas länger als einen Monat vor seiner Freilassung wurde ein Brite in der Stadt Tétouan im nördlichen Marokko verhaftet, nachdem er ein sechs Jahre altes Mädchen entführt hatte. Einen Monat zuvor wurde ein 60-jähriger Franzose zu zwölf Jahren Haft in einem Gefängnis in Casablanca verurteilt, weil er kleine Kinder misshandelt hatte. In Berichten zu diesen beiden Fällen wurde Marokko als eine Oase für Pädophile gezeichnet, die von Europa aus viel einfacher zu erreichen ist (es ist der einzige Ort, den Ryan Air außerhalb Europas anfliegt) als entsprechende Urlaubsziele von Kinderschändern in Südostasien; weil es zudem von benachteiligten Kindern bevölkert ist, sei Marokko ein beliebtes Ziel für pädophile Touristen.

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Marokko war jahrelang ein blinder Fleck in der Welt. Bis Europa seine Haltung gegenüber gleichgeschlechtlichen Beziehungen lockerte, war das Land trotz der ziemlich strengen Gesetze gegen Homosexualität ein bevorzugter Rückzugsort für Schwule. In Marokko fanden Geschlechtsumwandlungen statt, als diese in Europa noch illegal waren. Und die weite Verbreitung von Hasch auf den Straßen des Landes ist ein Klischee, das auf Tatsachen beruht.

Abgesehen von den Vorzügen der relativ laxen Behörden ermöglichte diese Freiheit leider auch, dass andere, merklich widerlichere Freiheiten durch die Maschen schlüpfen konnten. Diese erregen den Zorn der Marokkaner, die im Mai zunächst in Casablanca für einen besseren Schutz von Kindern demonstrierten und dann noch einmal, um einiges hitziger, in den Tagen nach Galváns Freilassung.

Demo vor der marokkanischen Botschaft in Brüssel, nachdem Galván begnadigt worden ist, Foto via

Bei seiner ersten Verhandlung wurde Galván vom Richter gefragt, warum er gerade nach Marokko gekommen sei, um Kinder zu missbrauchen. Galván antwortete: „Weil es billig ist und man durch Geld alles bekommen kann, was man will.“ Galváns vulgäre Antwort wurde von einer Reihe Menschen, die ich kontaktierte, wiederholt.

Bhati Patel, CEO von ECPAT UK, einer Organisation, die sich gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern und gegen Kinderhandel einsetzt, fragte ich, warum Marokko so stark betroffen ist. Sie sagte: „Die Armut ist hoch, die Ungleichbehandlung ist hoch und die Täter sehen, dass die Regierung beim Schutz von Kindern versagt […] sie suchen nach Regionen, in denen klar ist, dass sie mit ihren Taten davonkommen werden. Der Zugang zu Kindern ist dort einfach zu erlangen.“

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Es gibt eine Reihe von Dingen, die es erschweren, das Problem anzupacken. Erstens weiß man nicht, wer die Pädophilen sind. Patel erklärt mir: „Es gibt nicht das eine Profil des Pädophilen. Jeder könnte einer sein. Es könnte ein Politiker sein, eine Person aus dem gleichen Ort, die ins Ausland reist, das Reisen ist mittlerweile ziemlich billig. Es gibt nicht ein einzelnes Merkmal, das einen Pädophilen erkennbar macht.“ Patels Erwähnung von Politikern bezieht sich auf den französischen Minister, der vor einigen Jahren angeklagt wurde, Orgien mit minderjährigen Jungen in Marrakesch gehabt zu zu haben.

Najat Anwar, von Touche Pas à Mon Enfant

Zweitens gibt es so gut wie keine Statistiken über dieses Thema. Ich kontaktierte Najat Anwar, Vorsitzende der Organisation Touche Pas à Mon Enfant (Fass mein Kind nicht an). „Offizielle Statistiken zum Pädo-Tourismus sind quasi nicht vorhanden“, erzählte sie mir. „Vor ein paar Jahren konnten wir der Öffentlichkeit eine Jahresstatistik geben, die nur auf den Beschwerden beruhte, die unsere Organisation erreichten. Aus diesem Grund spielt die Beobachtung von Kindern eine solch wichtige Rolle bei der Berechnung und Verbreitung von Statistiken. Sie stößt jedoch auf unüberwindbare juristische Hürden und deshalb können wir nur die erklärten Fälle von Pädophile einbeziehen. Doch die bilden nur einen belanglos kleinen Anteil des Ganzen.“

Touche Pas à Mon Enfant war fester Bestandteil der ersten Proteste, die im Mai in Casablanca stattfanden. Ich fragte Najat, was sie über die jüngsten Proteste gegen Galvàns Freilassung denkt. „Wenn es das große Erwachen ist, für das wir es gerade halten, dann waren sie wundervoll“, antwortet sie. „Die gängige Abscheu gegenüber Galváns Freilassung bewirkte, dass die Marokkaner das Gefühl bekamen, ihre Kinder seien von einer schlimmen Gefahr bedroht. Wir hoffen einfach, dass diese Mobilisierung langfristig wirkt und nicht nur ein flüchtiger Funke ist.“

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Und was waren ihre Gedanken zur Freilassung von Galván? „Ich muss dich daran erinnern, dass wir als Organisation—wir sind schon über zehn Jahre in diesem Gebiet aktiv—schon oft traumatisiert wurden und bereits Dutzende von Galváns aller Nationalitäten—Franzosen, Deutsche, Dänen und andere—angezeigt haben.“

Die Kombination aus der Nähe Marokkos zu Europa, der preiswerten Anreise, der Armut in ländlichen Gebieten und der Tendenz der Behörden, die Augen vor dem Problem zu verschließen, schuf ein ernsthaftes Problem in Marokko—ein Problem, das vor allem Kinder mit ärmerem Hintergrund betrifft, die oftmals in den wirtschaftlich abgeschnittenen Regionen vergessen werden.

Obwohl es einige wachsende Organisationen wie Touche Pas à Mon Enfant gibt, die vor allem aus Eltern bestehen, die die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen, steht den Behörden noch ein weiter Weg bevor, bis Armut, mangelnde Bestrafungen und Korruption, die die Kinder Marokkos so schutzlos machen, eingedämmt sind.

Najat erzählte mir: „Für die Kinderopfer dieses schmutzigen Tourismus muss noch eine Menge getan werden. Wir haben Hoffnung und wir haben einen Traum. Ich hoffe, dass das öffentliche Erwachen, das der Galván-Fall bewirkt hat, andere potenzielle Pädophile aus dem Ausland dazu bringt, zweimal nachzudenken. Der Traum ist, dass unser Land aufgrund seiner Strände und Berge besucht wird, und nicht der Kinder wegen.“

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