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Alles, was du über Sex und Herpes wissen musst

Herpes ist einfach überall. So schützt du dich und andere ein bisschen vor dem Virus.

von Cindy Kuzma
26 Februar 2017, 9:00am

Dieser Artikel ist zuerst bei Tonic erschienen. Folge Tonic bei Facebook. 

Titelfoto: David Martyn Hunt | FlickrCC BY 2.0

Ob oral, vaginal, anal oder manuell: Herpes wird auf viele Arten übertragen. Wenn das falsche Körperteile einer infizierten und mit dem einer herpesfreien Person aneinandergerät, kann sich das Virus einen neuen Wirt suchen. Und das passiert so häufig, dass die Weltgesundheitsorganisation davon ausgeht, dass etwa eine halbe Milliarde Menschen zwischen 15 und 49 Genitalherpes hat (hier erfährst du mehr zur Verbreitung).

Am leichtesten hat es der Krankheitserreger an versehrten Hautstellen, erklärt Aaron Glatt, Experte für Infektionskrankheiten. Eine solche Stelle kann eine Abschürfung vom Sex sein, ein Riss in der Mundschleimhaut oder eine andere Wunde. Allerdings kann das Herpes-Virus auch durch die normalen Schutzschichten des Körpers dringen, vor allem an den Schleimhäuten im Bereich des Munds, der Augen, der Genitalien und des Afters.

Herpes ist unheilbar. Zwar wird es im Laufe der Jahre unwahrscheinlicher, dass du andere ansteckst, aber möglich bleibt es immer. Hier ein praktischer Guide, wie du dich und andere ein bisschen schützen kannst.

Sex ist nicht die einzige Art, sich anzustecken

Wenn du die Diagnose bekommst, solltest du gleich fragen, welche Art von Herpes du hast, rät Glatt. Es gibt acht verschiedene Arten des Herpes-Simplex-Virus. Die Sorte HSV-2 verursacht die meisten Fälle von Genitalherpes. Hinter den berühmten Lippenbläschen steckt eher HSV-1 – doch auch diese Art führt immer häufiger zu genitalen Infektionen, wohl hauptsächlich durch Oralsex.

"Fragt: Welche Art von Herpes und wie habe ich mich infiziert?", sagt Glatt. Diese Dinge sollte dein Arzt oder deine Ärztin dir sagen können. Wenn dein Test positiv ausfällt, deine Genitalien aber nicht betroffen sind, hat dich das Virus vielleicht auf andere Art erwischt – etwa über Spielzeug voll Kindersabber in der Kita.

Wenn du Hautveränderungen an den Genitalien hast, bitte um einen Abstrich. Anhand der Flüssigkeit, die aus den Wunden austritt, kann der Arzt das Virus ebenfalls identifizieren. Ansonsten können Tests nur Antikörper im Blut nachweisen, erklärt Glatt.

Im Grunde mache es kaum einen Unterschied, ob du den HSV-Typ 1 oder 2 hast, sagt er. Du hast nun einmal Herpes an den Genitalien, und den hast du dir vermutlich durch sexuellen Kontakt geholt. Ob nun Typ 1 oder 2, du musst genau dieselben Dinge beachten, um die Verbreitung des Virus einzudämmen.

Du kannst das Virus weitergeben, ohne selbst einen Schub zu haben

Ein sichtbares Symptom von oralem oder genitalem Herpes sind Anhäufungen roter Bläschen. Nach der ersten Ansteckung treten sie meist innerhalb von zwei bis zehn Tagen auf. Die Pusteln können aufgehen, verkrusten und dann verheilen – nur, um doch irgendwann wieder aufzutauchen. Wiederkehrende Schübe sind laut Glatt im ersten Jahr am häufigsten.

Die Flüssigkeit, die aus diesen Bläschen sickert, enthält Millionen Viren, wie der Urologe Philip Werthman erklärt. "Wenn die Bläschen aufgehen, ist das die Phase mit der höchsten Ansteckungsgefahr."

Doch selbst wenn deine Haut unauffällig aussieht, kannst du dich nicht in Sicherheit wiegen. Laut Werthman könntest du trotzdem noch Viren übertragen. Die Konzentration sei zwar geringer – Hunderte statt Millionen –, doch dein Partner oder deine Partnerin könne immer noch Herpes von dir kriegen.

Tatsächlich treten laut dem Gynäkologen James Whiteside von der University of Cincinnati etwa 70 Prozent aller Übertragungen während asymptomatischer Phasen auf.

Diese Übertragung fällt dann oft in die Zeit kurz vor oder nach einem Schub. Wenn die Bläschen sich gerade neu bilden, verspüren die meisten ein Kribbeln, Jucken, Stechen oder einen Schmerz. Dieses Phänomen ist eine Art Vorsymptom, von Fachleuten "Prodrom" genannt. Wenn du ab dem Auftreten solcher Vorsymptome auf Sex verzichtest und nach dem Verheilen der Bläschen noch einige Wochen wartest, reduziert das laut Whiteside die Ansteckungsgefahr für deinen Partner oder deine Partnerin.

Kondome bringen's – ein Stück weit

Wenn du nicht gerade einen aktiven Schub hast (und deswegen also brav auf Sex verzichtest), solltest du immer mit einer Barrieremethode verhüten. Laut einer Studie in der Fachzeitschrift Archives of Internal Medicine kann konsequente Kondomnutzung das Risiko einer Herpesinfektion um etwa 30 Prozent verringern.

Doch Kondome können natürlich auch reißen, oder Nutzer verwenden sie falsch. Selbst bei fehlerfreier Anwendung sind sie gegen Herpes nicht so effektiv wie gegen Schwangerschaften, wie Glatt betont. Wenn vor dem Anlegen des Kondoms oder während dem Sex Hautkontakt entsteht, kann immer noch eine Übertragung stattfinden.

Frauen haben ein größeres Risiko

Weil Frauen in und um die Vagina sehr viel mehr Schleimhaut haben als Männer am Penis, können sie sich auch schneller mit Herpes anstecken. Das ist vor allem bei Hetero-Sex der Fall, denn laut Whiteside geben gerade Männer höhere Konzentrationen des Virus ab, ohne Symptome zu haben.

Der Gynäkologe erklärt, die Übertragungsrate von Männern auf Frauen liege bei etwa 10 Prozent, während Frauen nur in etwa 4 Prozent der Fälle Männer anstecken würden.

Du kannst dich selbst mit Herpes infizieren

Klingt komisch, ist aber so. Nehmen wir an, du hast eine offene Blase und fasst sie mit den Händen an. Wenn du an der Hand einen Schnitt oder eine Abschürfung hat, kann das Virus wieder durch deine Haut dringen und an den Fingern eine schmerzhafte Infektionen namens Herpes-Panaritium verursachen. Wenn du dir dann noch an die Augen fasst, kannst du außerdem eine herpetische Hornhautentzündung kriegen.

Wenn du deine Herpesbläschen anfasst und danach jemandem die Hand gibst, könntest du ebenfalls zum Überträger werden, so Whitman. Also lass gefälligst die Finger über der Gürtellinie, wenn es darunter gerade nicht gut aussieht – oder wasche und desinfiziere dir wenigstens hinterher sofort die Hände.

Antivirale Mittel können Symptome reduzieren

Wenn du häufige oder schwere Schübe hast, kann dir dein Arzt oder deine Ärztin auch Medikamente verschreiben, die das Virus unterdrücken und die Herpes-Symptome lindern. Damit verringert sich auch das Übertragungsrisiko. Eine Studie im New England Journal of Medicine kam zu dem Ergebnis, dass das Virostatikum Valaciclovir das Risiko, Mitmenschen anzustecken, um etwa die Hälfte reduziert. 

Und bald schon könnte es sogar noch effektivere Optionen geben. In einer Studie hat das experimentelle Mittel Pritelivir nicht nur die Häufigkeit der Schübe reduziert, sondern auch dafür gesorgt, dass Infizierte für kürzere Zeit Viren abgaben.

Außerdem arbeiten Forscher auch an einer Impfung gegen Herpes. Anders als gewöhnliche Impfstoffe wäre diese Impfung allerdings für Patienten, die bereits Genitalherpes haben.

In frühen Studien erhielten Infizierte im Laufe von drei Wochen drei Injektionen. Dies reduzierte die Anzahl der Tage, an denen sie Viren abgaben, im Laufe eines Jahres um etwa die Hälfte. Auch so ließe sich also das Ansteckungsrisiko verringern. Wie Glatt betont, könnte es aber noch Jahre dauern, bis diese Behandlungsmethoden zugelassen sind. In der Zwischenzeit bleibt dir nicht viel anderes als gute, alte Monogamie und Kondome, wenn du möglichst sicher sein willst. 

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