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DIE „HAST DU EIN PROBLEM, ODER WAS?!“-AUSGABE

Leichenhallen sollten nicht von Freiwilligen betrieben werden

In Australien kann es durchaus passieren, dass Leichen ohne Kühlung ein paar Tage gelagert werden oder einfach in den falschen Gräbern landen.

von Wendy Syfret
30 Dezember 2013, 7:00am

Abbildung von Rubber House

Australiens Northern Territory ist gewaltig, dünn besiedelt, arm und voller tödlicher Tiere. Da überrascht es nicht, dass es kaum professionelle Leute anzieht, die, sagen wir mal, gut darin sind, ein Leichenschauhaus zu führen. Mit der Folge, dass das Aufbewahrungssystem für Leichen in diesem Territorium in einem schlimmen Zustand ist. Die Leichenschauhäuser werden in erster Linie von Freiwilligen betrieben, und es gibt keine Behörde, die für sie zuständig wäre.

Eine Untersuchung, die Carolyn Richards, die Ombudsfrau des Northern Territory, im letzten Jahr durchführte, brachte eine Fülle scheußlicher Vorfälle zutage, darunter den einer Leiche, die eine Woche lang in der Küche eines abwesenden Arztes gelagert wurde. Seither ist die Situation nicht gerade besser geworden. So wurden in den letzten Monaten die Leichen zweier Aborigines in die falschen Gräber gebettet—eine sehr schlimme Sache, wenn man bedenkt, dass es in ihrer Kultur von höchster Wichtigkeit ist, mit seinem Clan auf Stammesland begraben zu werden. Berichten zufolge wurden die Leichen exhumiert und erneut begraben; die Familien haben jedoch nie eine offizielle Entschuldigung erhalten.

Auf ein „Es tut uns leid“ der Leichenhallen­mitarbeiter wartet auch die Familie von Charlton James, der 2011 Selbstmord beging. Charltons Leiche wurde zu einer Leichenhalle in der Stadt Kalkaringi gebracht. Bei einem Stromausfall fiel jedoch das Kühlsystem aus und die Leiche war der Hitze ausgesetzt. Als seine Mutter zur Leichenschau kam, war der Körper bereits so verwest, dass sie ihren Sohn nicht mehr erkennen konnte.

Seit der Veröffentlichung ihres Berichts ist Ombudsfrau Richards in den Ruhestand gegangen und hat die Angelegenheit der Gesundheitsministerin des Territoriums, Robyn Lambley, übergeben. Auf meine Anfrage, was man gegen das Leichenhallenchaos tun würde, erhielt ich eine offizielle Stellungnahme des Büros: „Der sichere, angemessene Umgang mit verstorbenen Personen ist in entlegenen Gebieten wie dem Northern Territory eine besondere Herausforderung.“

Weiter hieß es, die Regierung des Territoriums „denke gegenwärtig über eine Beratung im Hinblick auf die Leichenhallenversorgung in entlegenen Gegenden nach“, womit wir beim Kern des Problems wären—Versorgungsleistungen für Menschen bereitzustellen, die weit draußen leben, ist schwierig und teuer. Selbst wenn Geld für Ausbildung und Bezahlung von Aufsehern und Technikern vorhanden wäre, handelt es sich um einen Job, der nicht gerade beliebt ist. Wie Richards NT News mitteilte, sei es „schwierig genug, qualifizierte Leute in entlegene Gegenden zu bekommen, und das schon, ohne bei ihnen zu Hause tote Menschen zu lagern“.

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Jahrgang 9 Ausgabe 11
Die „Hast du ein Problem, oder was?“-Augabe