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Hangover-News, 15. Februar 2016

Der Golden Pudel Club brennt ab, die ‚Welt' schmeißt einen Redakteur raus, weil er sich der AfD als PR-Berater angeboten hat, zwei Betrunkene schießen auf einen Flüchtling und Frankreich sperrt sich gegen Merkels Asylkurs.

von Daniel Sigge
15 Februar 2016, 7:00am

Teile des Golden Pudel Club in Hamburg sind in Flammen aufgegangen

Das darf nicht wahr sein: Während 150 Gäste in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Golden Pudel Club in Hamburg feierten, brach gegen drei Uhr morgens ein Feuer aus und zerstörte den Dachstuhl des über dem Club liegenden Restaurants Oberstübchen. Sowohl Gäste als auch Betreiber konnten den Club rechtzeitig verlassen, verletzt wurde niemand. Nach mehreren Stunden konnte das Feuer in den frühen Morgenstunden von der Hamburger Feuerwehr gelöscht werden. Bilder auf Instagram zeigen den abgebrannten Dachstuhl und den mit Wasser und Löschmitteln vollgelaufenen Club. Laut Polizei und Feuerwehr ist die Brandursache bislang noch unklar— es wird jedoch vermutet, dass es sich um Brandstiftung gehandelt haben soll.

Generell stand es in den vergangenen Monaten schon ziemlich schlecht um den Pudel. Der in den letzten Jahren losgetretene Streit zwischen den beiden Besitzern Rocko Schamoni und Wolf Richter hatte sich jüngst noch weiter verschärft. So sollte das über 100 Jahre alte Gebäude in wenigen Wochen zwangsversteigert werden. Der aufgrund des Streits gegründete Verein für Gegenkultur kämpfte währenddessen für die Rettung der Hamburger Szeneclubs.

Neben dem Berghain in Berlin und dem Robert Johnson in Offenbach ist der Pudel wohl der prestigeträchtigste Club in Deutschland und bekannt für sein ausgewählt experimentelles Booking. Für viele Hamburger ist der Pudel Heimat, verlängertes Wohnzimmer und gleichzeitig eine Keimzelle des politischen Widerstands gegen Gentrifizierung und für alternative Wohnprojekte. Hier traf die Hamburger Schule auf internationale Gäste. Wie es jetzt weitergeht ist unklar. Zunächst soll ein Statiker prüfen, inwieweit das Gebäude durch den Brand und die Löscharbeiten einsturzgefährdet ist. Auf Facebook machen sich Beileidsbekundungen breit, die Sonntags-Veranstaltung wurde in das Hafenklang verlegt. Hamburg ohne Pudel— das ist nur schwer vorstellbar. Hoffentlich hat es sich nicht ausgepudelt.

Die türkische Luftwaffe bombardiert kurdische Miliz in Aleppo und Russland schießt Raketen gegen die al-Nusra-Front

Aleppo | Foto: Imago/Zuma Press

Die Situation des Bürgerkrieges in Syrien wird immer unübersichtlicher: Trotz Appellen seitens der USA wurden nahe der umkämpften, syrischen Stadt Aleppo am Wochenende Stellungen der Kurden-Miliz YPG vom türkischen Militär bombardiert. Die Türkei und die USA sind seit Monaten in einem Konflikt um die Rolle der Kurden im syrischen Bürgerkrieg, die im Norden des Landes viele Teile der kurdischen Siedlungen kontrolliert. Aus türkischer Sicht ist die Miliz eine nah an der verbotenen PKK angesiedelte terroristische Zelle, während die USA in ihnen eine verbündete Organisation im Kampf gegen den IS sieht. Beschossen wurden ein Dorf und ein Flughafen. Und obwohl sowohl die USA als auch Russland am Freitag binnen einer Woche eine Feuerpause in Syrien erreichen wollten, bombardierte auch Russland am Samstag Teile des syrischen Nordens, in dem sich die al-Nusra-Front aufhalten soll— angeblich der syrische Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida.

Zwei Betrunkene schiessen mit Schreckschusspistole auf einen Flüchtling

Foto: Ralph Lueger

Und täglich grüßt das rechtsgesinnte Murmeltier: Nachdem diese Woche der Prozess gegen die drei betrunkenen Neonazis aus dem Weserbergland begonnen hat, die vergangenen Sommer einen Molotowcocktail in eine Flüchtlingsunterkunft geworfen hatten, tritt die rechtsnationale Betrunkenheit dieses Wochenende im Münsterland auf. Dort haben zwei angetrunkene 25 und 26 Jahre alte Männer mit einer Schreckschusspistole auf einen Flüchtling geschossen, nachdem sie sich gewaltsam Zugang zu einem Flüchtlingsheim in Ahaus bei Münster verschafft hatten. Der Geflüchtete erlitt durch den abgefeuerten Schuss keine Verletzungen und der Staatsschutz ermittelt nun, inwieweit der Tat ein fremdenfeindliches Motiv zugrunde liegt.

Mithilfe einer Ziege möchte das FBI amerikanische Kinder von extremistischem Gedankengut befreien

Screenshot von der Seite des FBI

How do we reach these kids? Das FBI hat im Rahmen der Kampagne Don't Be A Puppet ein Flash-Game für US-amerikanische Kinder entwickelt, um sie über die Gefahren von islamischem Extremismus aufzuklären. Das Prinzip des Spiels Slippery Slope ist schnell erklärt. Mit den Rechts-Links-Pfeiltasten sollen Kinder eine Ziege über eine Wiese manövrieren, auf der Steine liegen. Nach circa 20 Sekunden ist eins der insgesamt sechs Level durchquert und es erscheint eine Phrase auf dem Bildschirm, die Kinder die Logik von islamischem Extremismus näher bringen soll. Dort stehen dann zum Beispiel Sätze wie „Our violent actions will result in a better future" oder „The enemy is responsible for this injustice". Die Steuerung ist schwammig, die Dialektik der Frühaufklärung wenig begreiflich: Was eine grauen Steine ausweichende Ziege mit islamischem Extremismus zu tun hat und wie die platzierten, irritierenden Sätze mit dem Spiel zusammenhängen, wissen wohl nur die Entwickler des Spiels selbst.

Merkels Koalition der Willigen bröckelt weiter auseinander

Foto: Imago/Xinhua

Angela Merkels Plan, feste aber offene Grundpfeiler für die Verteilung von Flüchtlingen zu schaffen, scheint nicht aufzugehen. Vor wenigen Tagen noch berief sie sich auf eine breite Koalition der Willigen, die sie in ihrem Kurs zur Asylpolitik unterstützen sollte. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz am vergangenem Samstag bezeichnete Frankreichs Premierminister Manuel Valls den von Merkel vorgeschlagenen, langfristigen Verteilungsmechanismus von Geflüchteten jedoch als „auf Dauer nicht tragbar". Stattdessen wirbt er für eine bessere Sicherung der EU-Aussengrenzen und einen Ausbau der Aufnahmezentren in Griechenland und Italien—auch, um Wirtschaftsflüchtlinge dort direkt wieder zur Umkehr zu bewegen. Die osteuropäischen Staaten Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei verwehren sich ebenso Merkels Plan und wollen sich stattdessen am heutigen Montag treffen, um über eine Absperrung der Balkanroute zu diskutieren.

AFD-Journalist GÜNTHER LACHMANN VERLIERT SEINEN JOB

Leicht scheint es die Redaktion der Zeitung DieWeltmomentan nicht zu haben, denn schon wieder ist ein Journalist vor die Tür gesetzt worden. Noch vor wenigen Monaten trennte sich das Axel-Springer-Blatt von Matthias Matussek, nachdem dieser sich unreflektiert und spekulativ über die Attentate von Paris geäußert hatte. Nun stand an diesem Wochenende die nächste Personalie im Haus. Der für die AfD-Berichterstattung verantwortliche Journalist Günther Lachmann hatte dem nordrhein-westfälischen AfD-Landesvorsitzenden Marcus Pretzell mutmaßlich das unmoralische Angebot gemacht, die Partei gegen ein Honorar von monatlich 4.000 Euro in Pressefragen und bei der inhaltlichen Umstrukturierung zu beraten— seinen Job als AfD-Experte bei der Welt wollte Lachmann allerdings weiterhin ausüben. Pretzell machte das Angebot vor drei Wochen auf Facebook öffentlich und nachdem auch handfeste Beweise aus dem Mail-Verkehr der beiden ans Licht gerieten, tippte Welt-Chefredakteur Stefan Aust am Wochenende die Kündigung in sieben Worten auf Twitter: „Die Welt trennt sich von Günther Lachmann".

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