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Swipebuster: Diese Website verrät dir, wer alles Tinder benutzt

Ist das das Ende von Tinder, wie wir es kennen?
7.4.16

„Finde für nur 4,99 $ heraus, wer Tinder nutzt", lautet das Versprechen der neuen Website Swipebuster.com. Und tatsächlich: Wer über eine simple Suchmaske Vorname und Alter der gesuchten Personen angibt und über eine Google-Maps-Karte den vermuteten Standort des vermeintlichen Tinder-Nutzers einkreist, bekommt nach Herausgabe seiner Kreditkartendaten tatsächlich eine Auflistung inklusive Foto aller Personen, die die eingebenen Kriterien erfüllen.

Für die umgerechnet 4,34 Euro lässt Swipebuster dich drei Suchen ausführen. Wer Gefallen am Stalken von Freunden, Bekannten oder auch Unbekannten hat, kann auch gleich 29,99 US-Dollar berappen. Für diese Summe erlaubt die App 50 Suchanfragen.

Foto: Screenshot Swipebuster

Obwohl Swipebuster nicht offensiv für die eigenen Dienste wirbt und auch auf der Website seinen Service nur mit einigen nüchternen Worten anbietet, berichten diverse Medien in den vergangenen Tagen über das Geschäft mit den eher sensiblen Nutzerdaten. Gleichzeitig stilisieren sie die Website zur ultimativen Waffe von durch Eifersucht und Beziehungsängste geplagte Menschen und unterstellen häufig einfach mal, dass jeder Tindernutzer automatisch seinen Partner betrügt.

In einem Interview mit Vanity Fair erklärt der anonyme Gründer der Website dagegen, dass er mit Swipebuster ganz andere Ziele verfolge. Einerseits wolle er die Nutzer von Apps und Online-Diensten darauf aufmerksam machen, dass sie „unwissentlich zu viele Daten über sich" preisgeben und andererseits Druck auf die Unternehmen ausüben, „die nicht genug dafür tun, dass die Leute sich darüber im Klaren sind."

Tinder habe er schlicht aus dem Grund gewählt, „weil die App so viele Implikationen habe", erklärt der Mann, der angeblich ein Angesteller aus dem Marketing Bereich ist, kryptisch. Unabhängig davon, was er damit genau meint, scheint eine App mit geschätzten 50 Millionen Nutzern weltweit (Stand 2014) und die sich um ein Thema dreht, welches so intim und von solch breitem Interesse wie Dating ist, tatsächlich nicht das schlechteste Vehikel, um auf das Problem des zu laschen Umgangs mit den eigenen Daten aufmerksam zu machen.

Denn anders als beim großen Dating-Skandal des vergangenen Jahres, dem Ashley Madison-Hack, der private Nutzerdaten kompromittierte, greift Swipebuster auf Daten zurück, die von vornherein öffentlich sind—allerdings nur für den zugänglich, der über Grundkenntnisse des Programmierens verfügt.

Denn Vorname, Alter und GPS-Daten seiner Nutzer speichert Tinder in einer öffentlichen Programmierschnittstelle, einer sogenannten API (application programming interface). Diese API steht bei Tinder wie bei vielen anderen Apps jedem offen, der technisch in der Lage ist, auf sie zuzugreifen. App-Anbieter öffnen auf diese Weise ihr System für Anbieter anderer Softwaredienste oder Programmierer und schaffen durch diese Vernetzung einen Mehrwert für ihre App. Dass wohl die meisten Nutzer solcher Apps nichts von einer solchen API wissen, ist ein Problem, das der Gründer von Swipebuster nun vorgibt, lösen zu wollen.

„Viele Leute werden denken: „WAS?!' und werden hoffentlich vorsichtiger sein. Tinder wird sagen, wir müssen das und das tun, um unsere API zu schützen", erklärt er gegenüber Vanity Fair. „Ich denke, das Ergebnis (von Swipebuster) wird sein, dass Unternehmen ihre Kunden besser schützen."

Eine Sprecherin von Tinder erteilte ihm darauf allerdings eine klare Absage und verwies darauf, dass alle Daten von Swipebuster öffentlich durchsuchbare Informationen auf Profilen von Tinder-Nutzern seien." Ob Tinder es für notwendig halte, diese Informationen eventuell nicht mehr öffentlich zu machen und über die API bereitzustellen, erklärte sie nicht.

Die Aufmerksamkeit, die Swipebuster in den vergangenen Tag erfährt, zeigt aber in jedem Falle, dass den allermeisten Tinder-Nutzern bisher offensichtlich nicht klar war, dass ihre Daten mit ein wenig Programmierarbeit öffentlich auffindbar sind. Die Tatsache, dass öffentlich erkennbar ist, wer einen Tinder-Account besitzt, sorgt offensichtlich für Unbehagen. Swipebuster und die Zugänglichkeit der Daten sind legal—man hat ja den Tinder-Geschäftsbedingungen zugestimmt (auch wenn man sie vielleicht nicht gelesen hat). Aber ob es ethisch in Ordnung ist, eine eigene kommerzielle App basierend auf diesen Daten zu entwickeln, ist eine andere Frage.

Das mit Swipebuster in seiner Funktionsweise vergleichbare Trackingtool Marauders Map, welches anhand von technisch abrufbaren Nutzerdaten des Facebook Messengers, den Standort eines Nutzers bis auf wenige Meter exakt anzeigen konnte, hatte im vergangenen Jahr dazu geführt, dass Facebook die Privatsphäre-Einstellungen für seine Nachrichten-App änderte.

Es wird also vorerst weiterhin den Nutzern überlassen bleiben, ob sie sich mit ihrem tatsächlichen Namen bei Tinder anmelden. Wer tatsächlich Interesse daran hat, herauszufinden, welche Menschen Tinder benutzen, kann sich dank Swipebuster nun den VHS-Kurs „Programmieren mit Java" sparen und einfach 5 Dollar abdrücken.