Liebe

Paare, die sich zusammen betrinken, bleiben auch zusammen

Kinder und Betrunkene sagen immer die Wahrheit. Sagt der Volksmund.
Hilary Pollack
Los Angeles, US
19.7.16

Wenn du Glück hast, wirst du irgendwann alt. Und wenn du noch mehr Glück hast, musst du das nicht allein tun. Hört sich alles gut und schön an, aber wenn man die ganze Zeit mit ein und derselben Person in seinem trauten Heim eingepfercht ist, führt das schnell zu Streitereien—oder Schlimmerem.

Wissenschaftler haben jetzt ein paar wertvolle Tipps, wie man seinen Lebensabend nicht in ewigem Gezänk verbringt und eigentlich nur darauf wartet, dass einer von beiden endlich den Löffel abgibt.Wenn du mit jemandem gemeinsam alt werden willst und das auch noch harmonisch, dann such dir jemanden, der genauso oft trinkt wie du.

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Bei einer Studie, die in der Fachzeitschrift Journals of Gerontology B: Psychological Sciences veröffentlicht wurde, haben Forscher herausgefunden, dass bei Paaren über 50 Jahre die Ehen besser liefen, wenn beide Partner getrunken haben oder eben nicht. Wenn der eine tief ins Glas schaut, während der andere nur stocknüchtern daneben saß, traten häufiger Eheprobleme auf, insbesondere wenn es die Frau war, die getrunken hat. Frauen, die im Gegensatz zu ihren Männern trinken, waren oft unzufrieden mit ihrer Ehe.

Für die Untersuchung wurden fast 3.000 Paare befragt, die durchschnittlich 33 Jahre lang verheiratet waren, zwei Drittel davon waren das erste Mal verheiratet. Die Teilnehmer mussten Angaben zu ihren Trinkgewohnheiten machen, also ob sie tranken, wenn ja, wie oft pro Woche und wie viele alkoholische Getränke durchschnittlich. Anschließend mussten in verschiedenen Fragen beschreiben, wie zufrieden sie mit ihrer Ehe sind: Fanden sie ihren Partner zu anspruchsvoll, zu kritisch, konnten sie sich auf ihren Partner verlassen oder fühlten sie sich eher genervt von ihm oder ihr?

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Die Forscher fanden heraus, dass in über 50 Prozent der Ehen beide Partner tranken und es diesen Paaren in ihrer Beziehung besser ging als Paaren, die unterschiedliche Trinkmuster an den Tag legen. Auch wenn beide Partner nicht tranken, lief es in der Ehe gut.

Wenn ein Partner aber keinen Alkohol trinkt, heißt das jetzt nicht, dass man mit dem Trinken anfangen sollte, nur um die Ehe zu retten. „Man sollte nicht mehr trinken oder seine Trinkgewohnheiten ändern", so der Autor der Studie, Kira Birditt von der University of Michigan in Ann Arbor, gegenüber Reuters Health.

Es ist zwar nicht entscheidend für eine funktionierende Ehe, wie viel die Paare trinken, Kira Birditt warnt allerdings, dass bei Problemtrinkern—20 Prozent der männlichen bzw. 6 Prozent der weiblichen Teilnehmer—„ein anderes Paar Schuhe" seien und hier nicht der gleiche positive Effekt auftritt. Insbesondere in der Generation der Babyboomer gibt es immer häufiger Alkoholprobleme, ihre freigeistige Einstellung überträgt sich auch aufs Trinken.

Wenn du also auf der Suche nach dem Eheglück bis ins hohe Alter bist, achte darauf, ob du und dein derzeitiger (oder zukünftiger) Partner auch alkoholtechnisch kompatibel seid. Wenn ihr auch später gemeinsam ein nachmittägliches (man hält ja nicht mehr so lange durch) Glas Wein oder ein Verdauerli trinken könnt, wird es mit größerer Wahrscheinlichkeit mit euch klappen—wer zusammen trinkt, bleibt auch zusammen.

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Stell dir das mal vor: Du mit deinem Herzblatt am Strand deines Altenheims in der Karibik, ein altes Säufer- oder Abstinenzlerpaar, das sich einen romantischen Sonnenuntergang anschaut.