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Laut Umfrage sind Musiker ärmer und depressiver als andere Menschen

Ein neuer Bericht beleuchtet Einkommen, Diskriminierung, Belästigung und andere Probleme, mit denen sich Musiker in den USA rumschlagen müssen.

von Andrea Domanick
28 Juni 2018, 2:00pm

Symbolbild | Alexander Pawlowski

Musikerinnen sind substanziell häufiger Opfer von Belästigung und Diskriminierung als andere Frauen. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer aktuellen Befragung von 1.227 professionellen Musikern in den Vereinigten Staaten. Etwa ein Drittel aller Musiker sind weiblich und von diesen gaben 72 Prozent an, bereits aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert worden zu sein. Das sind etwa dreimal so viele wie im landesweiten Durchschnitt, der bei 28 Prozent liegt. Belästigungen erleben sie laut Studie ebenfalls erheblich öfter. 67 Prozent der befragten Frauen gaben an, Opfer sexueller Belästigungen gewesen zu sein. In der Allgemeinbevölkerung sind es 42 Prozent.

Nichtweiße Künstler sehen sich ebenfalls häufiger Diskriminierungen ausgesetzt gegenüber nichtweißen Menschen im Landesdurchschnitt. 63 Prozent aller nichtweißen Musiker gab an, bereits Opfer rassistischer Diskriminierung geworden zu sein. Der Anteil unter selbstständigen US-Amerikanern lag bei 36 Prozent.


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Das und noch viel mehr hat eine Umfrage der Nonprofit-Organisation Music Industry Research Association (MIRA) und des Princeton University Survey Research Centers in Zusammenarbeit mit MusiCares herausgefunden. Ziel war es, die Ausmaße von Belästigung, Diskriminierung und anderen berufsbezogenen Hürden festzustellen, denen sich Musiker ausgesetzt sehen.

Zu den nennenswerten Ergebnissen gehörten auch ein geringes Durchschnittseinkommen, häufiger auftretende psychische Probleme und ein erhöhter Drogenkonsum im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Die befragten Musiker gaben für 2017 ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 35.000 US-Dollar an, wovon 21.300 US-Dollar direkt von ihrer Tätigkeit als Musiker stammte. Der Großteil dieser Einkünfte aus dem Musikbereich, nämlich 81 Prozent, kam aus Live-Veranstaltungen. Allerdings ist die Verteilung dieser Einnahmen hochgradig ungleich. 61 Prozent der teilnehmenden Künstler gab an, dass die Einnahmen aus dem Musikgeschäft nicht zum Leben ausreiche.

Besonders besorgniserregend war, dass etwa die Hälfte angab, sich in den vergangenen zwei Wochen an mehreren Tagen depressiv oder hoffnungslos gefühlt zu haben. Unter der generellen Erwachsenenbevölkerung gibt weniger als ein Viertel die gleiche Antwort. 11,8 Prozent gaben sogar an, an mehreren Tagen in den vergangenen zwei Wochen daran gedacht zu haben, dass "sie lieber tot wären oder sich auf irgendeine Weise selbst verletzen würden". In der Allgemeinbevölkerung äußern sich derartig lediglich 3,4 Prozent.

Darüber hinaus tendierten Musiker auch doppelt so häufig dazu, regelmäßig Alkohol zu trinken – also mindestens viermal pro Woche. Andere Drogen konsumieren sie ebenfalls erheblich häufiger: 6,5 mal so oft Ecstasy, fünfmal so oft Kokain und 2,8 mal so oft Heroin oder Opium.

Die Umfrageergebnisse erschienen anlässlich der jährlichen MIRA-Konferenz, die diese Woche in L.A. stattfand. Dort wurden die Herausforderungen, denen die Musikindustrie gegenübersteht, von führenden Ökonomen, Akademikern, Branchenvertretern und anderen Menschen diskutiert, die in der Musikindustrie tätig sind. Die Autorin dieses Artikels nahm ebenfalls an einem Panel dieser Konferenz teil.

"Ich denke, die Ergebnisse weisen auf die grundlegende Machtungleichheit im Musikgeschäft hin, die die Ausbeutung von Musikern, insbesondere Musikerinnen zur Folgen haben kann", sagt MIRA Mitbegründer und Princeton-Ökonom Alan Krueger, der viele Ergebnisse der Studie "verstörend" nannte. "Viele Probleme unserer Gesellschaft – Ungleichheit zwischen Männern und Frauen, niedrige Löhne, psychische Probleme, Drogenmissbrauch, Arbeitsunfälle – werden in der Musikindustrie verstärkt."

Du kannst dir den vollständigen Bericht hier unten durchlesen.

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