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Popkultur

Angelina Jolie hatte vor, den ugandischen Warlord Kony in die Falle zu locken

Geleakte E-Mails belegen, dass die Schauspielerin den gefürchteten Miliz-Anführer zum Dinner einladen wollte, um ihn dann verhaften zu lassen.

von Katherine Gillespie
10 Oktober 2017, 9:40am

Collage: Joseph Kony: US Office of Global Criminal Justice | Angelina Jolie: Remy Steinegger | Wikimedia Commons | CC BY-SA 2.0

Der Internationale Strafgerichtshof hatte vor, Angelina Jolie als Lockvogel einzusetzen, um den ugandischen Warlord Joseph Kony festzunehmen. Dies belegen nun geleakte interne Dokumente. Kony ist ein berüchtigter mutmaßlicher Kriegsverbrecher und Anführer der Rebellengruppe Lord's Resistance Army, die Uganda und benachbarte Regionen terrorisiert.

Seit 2005 steht beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag ein Haftbefehl auf Kony aus. Zu den 33 Anklagepunkten gehören Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie vorsätzliche Tötung, Zwangsprostitution und Vergewaltigung sowie Kriegsverbrechen wie vorsätzliche Angriffe auf Zivilisten und Zwangsrekrutierung von Kindern.

Am 8. Oktober berichtete die britische Zeitung Sunday Times über einen E-Mail-Austausch zwischen dem ehemaligen Chefankläger des IStGH, Luis Moreno Ocampo, und Angelina Jolie. Darin formulieren sie gemeinsam einen ziemlich simplen Plan, um Kony in der Zentralafrikanischen Republik in die Falle zu locken. Denn der Warlord ist seit der Ausschreibung des internationalen Haftbefehls untergetaucht.

Der ehemalige Chefankläger Ocampo führte sein Amt wie ein "argentinischer Landbaron".

Die E-Mails stammen aus einem gigantischen Leak, das den Ex-Chefankläger in tiefe Schwierigkeiten gestürzt hat. Die französische Investigativ-Redaktion Mediapart hat mehr als 40.000 interne Dokumente erhalten und mit Partnern ausgewertet. Ocampo sieht sich nun mit vielen Vorwürfen konfrontiert: Er soll als Ankläger nicht neutral gewesen sein, er soll Geheimnisse des Gerichts ausgeplaudert haben, und außerdem habe Ocampo große Beraterhonorare vom libyschen Ölmilliardär Hassan Tatanaki erhalten. Tatanaki stand dem Gaddafi-Regime nahe – der IStGH unter Ocampo wollte Gaddafi anklagen.

Auch nach dem Sturz des Regimes hatte der Geschäftsmann höchst suspekte Verbindungen. Dem Mail-Verkehr zufolge bekam er von Ocampo Tipps, wie er sein Image und seine Freiheit wahren könne. Ach ja, und zwielichtige Machenschaften mit panamaischen Briefkastenfirmen und Konten in der Karibik gibt es auch noch. Laut dem deutschen Experten für internationales Recht Hans-Peter Kaul führte Ocampo sein Amt wie ein "argentinischer Landbaron".


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Und jetzt wird's noch abstruser: Mittendrin in diesem Leak finden wir Ocampos Fan-Liebe für Angie. Die geleakten Mails legen nahe, dass der Chefankläger geradezu darauf brannte, mit ihr zu arbeiten. "Vergesst andere Prominente, sie ist die Richtige", schrieb er. "Sie wäre begeistert, Kony festzunehmen. Sie ist bereit. Brad wird vermutlich auch dabei sein." Laut einer E-Mail, die Ocampo an andere Beteiligte schickte, war es Jolies Idee, Kony mit einem Dinner zu locken.

"Kony wäre dann wohl mit einer Flasche Wein und ein paar zurechtgelegten Witzen über Mr. and Mrs. Smith aufgekreuzt, woraufhin dann eine Spezialeinheit des US-Militärs den Raum gestürmt hätte."

Die für ihre Schönheit und humanitäre Arbeit gepriesene Oscar-Preisträgerin und UN-Sonderbotschafterin sollte also den Anführer einer hochgefährlichen Miliz überführen. Der Plan wirkt bei genauerem Hinsehen nicht besonders clever. Jolie und Pitt, bekannt für ihr liberal-politisches Engagement, sollten Kony zu einem privaten Dinner einladen. Kony wäre dann wohl mit einer Flasche Wein und ein paar zurechtgelegten Witzen über Mr. and Mrs. Smith aufgekreuzt, woraufhin dann eine Spezialeinheit des US-Militärs den Raum gestürmt hätte.

In den E-Mails wirkte Jolie zuerst enthusiastisch, doch nach und nach kamen ihr anscheinend Zweifel, ob sie als Lockvogel-Sirene à la Bond-Film auftreten sollte. "Brad unterstützt mich. Lasst uns das Logistische besprechen. Alles Liebe Xxx", schrieb sie in einer der ersten Mails. Doch im Laufe der Zeit verlief sich die Korrespondenz im Sande. Woran genau das liegt, lässt sich nicht nachvollziehen, aber kalte Füße wären eine Erklärung.

Irgendwann schrieb Ocampo: "Liebe Angie, ich hoffe, es geht dir gut. Du fehlst mir."

Wie die Sunday Times berichtet, schrieb Ocampo irgendwann: "Liebe Angie, ich hoffe, es geht dir gut. Du fehlst mir." Sie antwortete nicht, was Ocampo aus irgendeinem Grund zum Anlass nahm, ihrer Assistentin zu schreiben, wie sehr er Jolie liebe. Daraufhin änderte Jolie ihre Mailadresse.

Wenn man einmal zwischen den Zeilen liest, ergibt sich folgendes Bild: Wäre Ocampo nicht so verknallt in Angelina Jolie gewesen, oder hätte er sich damit zumindest ein wenig zurückgehalten, würden wir heute vielleicht in einer Welt leben, in der einer der größten Hollywood-Stars der Geschichte einen der schlimmsten (mutmaßlichen) Kriegsverbrecher der Welt dingfest gemacht hat. In dieser Timeline säße Jolie vermutlich inzwischen im Weißen Haus und nicht Trump.

Kony ist derweil immer noch auf freiem Fuß. Das US-Militär hat seine Fahndung nach ihm offiziell diesen April beendet. Berichten zufolge soll er für Uganda keine sonderliche Gefahr mehr darstellen, seine Armee von 3.000 Kämpfern soll inzwischen auf Hunderte Personen geschrumpft sein. Die LRA ist allerdings weiterhin im Südsudan und im Norden der Demokratischen Republik Kongo aktiv. Kony ist bekannt dafür, dass er Zehntausende Kinder als Soldaten zwangsrekrutiert haben soll. Er soll über 30 Jahre hinweg den Tod von mehr als 100.000 Menschen zu verantworten haben.

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