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Menschen erzählen uns ihre Horror-Airbnb-Storys

"Die Gastgeberin führte mich durch die Dunkelheit die Treppe hoch zur Wohnungstür und sagte: 'Wir haben eine Regel: nicht reden!'"

von Daisy Jones
23 Dezember 2019, 4:30am

Illustration: Alex Jenkins

Vor zwei Jahren entschied ich mich spontan dazu, alleine Urlaub in New York zu machen. Es waren nur noch wenige Airbnb-Unterkünfte frei, meine Wahl fiel auf ein günstiges Zimmer in Bushwick. Wie sich herausstellte, gab es einen guten Grund für den niedrigen Preis: Mein "Zimmer" hatte keine Wände, sondern nur Vorhänge. Und die Frau, die in dem winzigen Haus lebte, ging die ganze Nacht lang auf und ab und rülpste dabei laut.

Während meines Aufenthalts gab es aber noch andere komische Zwischenfälle. Der Sohn der Frau fragte, ob er mich auf dem Dach fotografieren dürfe. Ich kam der Bitte – warum auch immer – nach, anschließend schickte er mir die Bilder per Mail. Und eines Nachts betrat ich die Küche, wo ein Mann mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden lag (keine Angst, er atmete noch). Als ich schließlich wieder nach Hause flog, schenkten mir meine Gastgeber zum Abschied ein Paar schmutzige Turnschuhe in Größe 40 (ich trage 35).

Das war zwar eine eher merkwürdige Airbnb-Erfahrung, aber unterm Strich war sie nicht allzu schlimm. Meine Gastgeberin war nicht unfreundlich, ich fühlte mich nur etwas unwohl. Aber da Airbnb nicht wirklich etwas gegen merkwürdige Gastgeber unternehmen kann, so lange sie sich an die Regeln halten, kann es eben schnell komisch werden, wenn man sich in den Wohnungen und Häuser von fremden Menschen einnistet. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf haben wir Freunde und Kolleginnen gebeten, uns von ihren Horror-Airbnb-Erfahrungen zu erzählen.


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"Um sieben Uhr wurde ich wach, als die Gastgeberin laut 'FEUER!' schrie"

Ich war im August wegen meiner Arbeit in New York und übernachtete in einer Airbnb-Unterkunft, bei der ich nicht wirklich wusste, was mich erwartete. Ich arbeitete den kompletten ersten Tag und kam deswegen erst um 22:30 Uhr vor dem großen Sandsteinhaus an. Die Gastgeberin öffnete die Tür und wies mich an, ganz leise zu sein. Es war ja schon spät. Sie führte mich durch die Dunkelheit die Treppe hoch zur Wohnungstür und sagte: "Wir haben eine Regel: nicht reden! Wir finden, so herrscht eine friedlichere Atmosphäre in der Wohnung. Wenn du reden oder telefonieren musst, dann geh bitte ins Bad." Weil ich so fertig war, meinte ich nur: "Oh, alles klar."

Die Gastgeberin führte mich zu einem Zimmer und zeigte auf mein Bett. Ich sah allerdings nur sieben Matratzen auf dem Boden, auf denen sieben australische Backpacker schliefen. Ich dachte, ich würde halluzinieren. In dem Airbnb-Inserat stand zwar etwas von einem "offenen Apartment", aber es hatte nirgendwo Hinweise darauf gegeben, dass ich von anderen Gästen umgeben sein würde. "Du hast ja einen Vorhang für die Privatsphäre", sagte die Gastgeberin. Dabei handelte es sich aber nur um ein Tuch mit den Maßen eines großen Kissens, das von der linken Seite meines Betts zur rechten gespannt werden konnte. In anderen Worten: Es verdeckte gerade so mein Gesicht und meinen Oberkörper. Ich murmelte noch, ob das Ganze ein verdammter Witz sein sollte, schlief dann aber doch ein, weil ich so müde war.

Um sieben Uhr wurde ich wach, als die Gastgeberin laut "FEUER!" schrie. Sie hatte eine brennende Kerze umgestoßen und bekam Panik. Zwar ging die Flamme beim Aufprall auf dem Boden direkt aus, aber das heiße, rote Wachs spritzte gegen die Wände. Die Gastgeberin saß daraufhin nur noch Rotz und Wasser heulend auf dem Boden und versuchte, Wachs von ein paar Schuhen abzukratzen. Das Ganze sah aus wie aus einem Horrorfilm, weil es komplett dunkel war und sie nur vom Licht ihrer Handytaschenlampe beleuchtet wurde.

Ich stand auf, packte meine Sachen und wollte etwas sagen, aber die Gastgeberin fiel mir schluchzend ins Wort: "Habe … ich … jetzt … New York … für … dich … ruiniert?" Ich antwortete: "Natürlich nicht!" Aber da fiel mir auf, dass sie mein Gepäck ansah, und ich sagte: "Ich gehe nicht. Ich muss nur mal … ein bisschen raus." Ich ließ die Schlüssel im Flur liegen und verlangte direkt eine Rückerstattung. Die bekam ich auch innerhalb von zwölf Stunden – aber ich glaube auch, dass ich nicht der erste (oder letzte) Gast mit dieser Bitte war.
– Sam, 28

"Eines Abends fiel mir auf, dass der Gastgeber meine pink-blau-gestreiften Socken trug"

Ich war eine Woche allein in Florenz unterwegs, meine Airbnb-Unterkunft war eine hübsche italienische Wohnung mit großen Fenstern und Balkon. Ich freute mich, und mein Gastgeber Mitte 30 wirkte auch sehr nett und höflich. Dann fielen mir aber immer wieder kleine komische Sachen auf. Zum Beispiel lag mein Koffer abends plötzlich auf der anderen Seite des Betts. Auch andere Gegenstände in meinem Zimmer schienen sich zu bewegen.

Ich dachte mir erst mal nichts dabei, meine Wertsachen hatte ich ja sowieso immer am Körper. Dann fiel mir eines Abends allerdings auf, dass der Gastgeber meine pink-blau-gestreiften Socken trug. Ich war mir sicher, dass das meine waren, weil ich sie in einem kleinen Laden in St. Ives gekauft hatte. Ich fragte freundlich-scherzhaft, ob das nicht meine Socken seien, und er reagierte total überrascht und erfand eine Ausrede, dass er die Socken hinter seinem Bett gefunden habe. Dann wusch er sie und gab sie mir zurück.

Egal, waren ja nur Socken, vielleicht hatten sie ihm nur richtig gut gefallen. Dann ging es aber weiter. Als ich eines Abends nach Hause kam, lagen ein paar meiner Shirts nicht mehr in, sondern vor meinem Koffer. Und eine weiße Weste fehlte. Weil ich etwas betrunken war, konfrontierte ich meinen Gastgeber. Er sagte, dass er sich nicht sicher gewesen sei, ob ich meine Klamotten gewaschen haben wollte oder nicht. Meine Antwort: "Danke, aber du brauchst meine Sachen nicht anzufassen."

Danach passierte nichts mehr, mein Gastgeber und ich gingen uns einfach aus dem Weg. In meiner Bewertung war ich dann aber ehrlich und schrieb, dass die Wohnung zwar schön sei, der Gastgeber aber nicht die Finger von meinen Klamotten lassen konnte. In seiner Antwort schrieb er dann, ich sei ein paranoider Lügner. Insgesamt eine sehr bizarre Erfahrung.
– Gabriel, 24

"Sei vorsichtig im Bad, ich pflege da gerade eine Taube mit gebrochenem Flügel wieder gesund"

Weil meine eigentlich gebuchte Airbnb-Unterkunft in New York nicht mehr verfügbar war, musste ich in einer Ersatzunterkunft pennen. Bei meiner Ankunft spielte die exzentrische Gastgeberin mittleren Alters gerade The Strokes auf voller Lautstärke. "Hallo! Ich krieg das nicht aus", rief sie, während sie zur Beruhigung einen Joint rauchte. "Tut mir leid. Du kannst hier drin aber rauchen, wenn du willst." Ich fragte, ob sie schon den Stecker gezogen habe, was dann auch half.

Ich stellte mein Gepäck ab und wollte erst mal duschen gehen. "OK, es gibt eine Regel", sagte meine Gastgeberin. "Sei vorsichtig im Bad, ich pflege da gerade eine Taube mit gebrochenem Flügel wieder gesund. Meine vier Katzen wissen aber, dass da drin ein Vogel ist – und sie haben Hunger. Du musst dich also ins Bad schleichen und schauen, dass die Katzen die Taube nicht killen."

Da war ich erst mal richtig baff. Immerhin haben sich die Katzen die Taube während meines Aufenthalts nicht geschnappt. Die Gastgeberin schrieb dann eine creepy Bewertung, in der sie mich als sehr attraktiven Briten bezeichnete.
– Robert, 28

Pigeon Airbnb Stories VICE
Foto: privat

"Ihr schlaft hier, aber schaut unter keinen Umständen in die schwarze Tasche unterm Bett"

Vor drei oder vier Jahren machte ich mit einer Freundin Urlaub in Brisbane. Unser Gastgeber war ein alleinstehender Mann Mitte 40. Wir schliefen in seinem Schlafzimmer, während er auf das Sofa umzog. Das fanden wir schon ein bisschen komisch, dachten uns aber auch: "OK, vielleicht braucht er dringend das Geld." Als er uns sein Zimmer zeigte, sagte er: "Ihr schlaft hier, aber schaut unter keinen Umständen in die schwarze Tasche unterm Bett."

Als ob er keine Zeit gehabt hätte, die Tasche vor unserer Ankunft wegzuräumen. Natürlich schauten wir direkt rein, als unser Gastgeber wieder weg war. Die Tasche war vollgepackt mit Latex-Sexsklaven-Outfits inklusive Maske, Leine und Peitsche. Meine Freundin und ich haben zwar kein Problem mit solchen Vorlieben, aber es war schon irgendwie gruselig, dass der Typ die Tasche offensichtlich absichtlich hatte stehen lassen und uns dann noch extra darauf hingewiesen hatte. Zudem wirkte er total eifersüchtig, als wir sagten, dass wir losziehen, um Männer kennenzulernen. Wir checkten dann früher aus.
– Hayley, 25

"Das Waschbecken war voll mit ekelhaften, nassen Nudeln"

Mein Ex und ich vermieteten mal eine Wohnung an ein paar 21-Jährige. Als wir am Ende ihres Aufenthalts vorbeischauten, um die Schlüssel abzuholen, waren unsere Gäste allerdings nicht aufbruchsbereit, sondern total fertig. Und die Wohnung glich einer Müllhalde: Überall lagen Weinflaschen und Zigarettenstummel herum, der Rauchgestank sollte mit rund 20 Lufterfrischern übertüncht werden, und auf dem Bett befanden sich komische braune Flecken, die wir mal lieber für Schokolade hielten. Außerdem war das Waschbecken voll mit ekelhaften, nassen Nudeln. Ein absoluter Albtraum. Die Gäste mussten uns dann auch mehrere Hundert Euro überweisen, um die Reinigungskosten zu bezahlen.
– Florence, 35

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