FYI.

This story is over 5 years old.

Tech

Dieser Mann kann per Gedankenkraft und einem bionischem Arm Bier trinken

Nachdem er 13 Jahre weder Arme noch Beine bewegen konnte, kann Eric Sorto nun sogar Schnick-Schnack-Schnuck spielen.
22.5.15
Auf die Bionik! Eric Soto genehmigt sich einen Drink. Bild: Spencer Kellis and Christian Klaes, Caltech

Es ist 13 Jahre her, dass Eric Sorto von einer Kugel verwundet wurde, seitdem ist der heute 34-Jährige an Armen und Beinen gelähmt. Doch Sorto ist jeglichen medizintechnischen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen und ließ sich vor drei Jahren Chips in sein Gehirn implantieren, in der Hoffnung, durch eine Armprothese wenigstens einen kleinen Teil seiner Motorik und Unabhängigkeit zurück zu erlangen.

Anzeige

Das Feld der Bionik konnte in den letzten Jahren einige bahnbrechende Erfolge verzeichnen. Zum Beispiel entwickelte die DARPA einen Arm, der so zart und vorsichtig greifen kann, dass sogar rohe Eier unversehrt bleiben und auch das MIT arbeitet voller Elan an den Prothesen der Zukunft.

Einer muss es ja tun—Unser Interview mit dem ersten Kopftransplantationspatienten der Welt

Nun kann sich auch Sorto in die Erfolgsgesichte der Biotechnologie einreihen, die jedoch trotz aller Fortschritte noch immer mutige Versuchskanninchen braucht, die mit den neuen Entwicklungen ihre eigenen Einschränkungen überwinden wollen. Sorto ist es mit seinem gedankengesteuerten Arm nun nicht nur möglich, eine Partie Schnick-Schnack-Schnuck zu spielen, er kann sogar zum ersten Mal wieder selbständig Bier trinken. Die Ergebnisse der Studie um Erik Sorto wurden gestern im Wissenschaftsjournal Science veröffentlicht.

„Ich möchte mein eigenes Bier trinken können und mir einen Drink in meiner eigenen Wohnung genehmigen, ohne immer jemanden fragen zu müssen", erzählte Sorto in einem Statement des California Institute of Technology (Caltech). „Diese Unabhängigkeit vermisse ich sehr." Neben der technischen Rafinesse macht es vor allem wegen der Freude und dem Stolz Sortos Spaß, das Video anzusehen.

Das Problem gedankengesteuerter Prothesen ist die Ausführung flüssiger Bewegungen. Da jeder Schritt von Arm und Hand für die erfolgreiche Datenübermittlung einzeln gedacht werden muss, reagieren die Geräte oft ruckelig und abgehackt. Das Caltech konzentrierte sich bei der Entwicklung des Bionik-Arms nun jedoch auf die hintere Parietalrinde, den Bereich des Gehirns, der für die Planung von Bewegungen zuständig ist und nicht für ihre Ausführung.

„Das ist ziemlich faszinierend, denn es handelt sich nicht um einen Teil des Gehirns, der die Muskeln kontrolliert, sondern vielmehr die Planung einer Tat vornimmt", erklärt der Neurowissenschaftler Richard Anderson in diesem Video.

Nach der Implantation zweier Chips in die hintere Parietalrinde sollte sich Sorto bestimmte Aktionen bildlich vorstellen. Die Neuronen schickten daraufhin die Befehle an den robotergesteuerten Arm, welcher die Tat daraufhin korrekt und gleichmäßig ausführte.

Zuviel Bier ist aber auch nicht immer gut: NOISEY: Karate Andi macht Pennerrap mit viel Bier

„Mit diesen Implantaten beschritten wir völlig neues Terrain, so etwas wurde in der Forschung bisher noch nie durchgeführt und wir sind sehr zufrieden, dass wir Signale herausfiltern und diese auch noch umsetzen konnten.", erzählte Anderson. Dieser neurowissenschaftliche Forschritt soll nach weiterer Forschung gelähmten Personen wie Sorto zu mehr Eigenständigkeit verhelfen.

Der glückliche Eric Sorte mit dem Forschungsleiter Richard Anderson und einem Becher. Bild: Lance Hayashida, Caltech

Allerdings benötigte Sorto eine Menge Training, bis es ihm möglich war, die Bewegungen selbständig auszuführen. Die beteiligte Medizinerin Dr. Mindy Aiden, die auf Verletzungen der Wirbelsäule spezialisiert ist, erzählte in einem Interview mit abcNews, dass in den ersten Monaten trotz intensiven Übens einfach nichts geschah. „Er war eingestöpselt wie bei Matrix", so Aiden. Doch die Erfolge blieben aus. Eines Tages hatte sie dann die Idee, die Lautstärke zu verändern, so dass Sorto die arbeitenden Neuronen hören konnte.

„Irgendwann machte es plötzlich Klick. Er sah auf seinen Roboterarm und schwitze", erzählte Aiden. „Dann lachte er und entspannte sich wieder. Es sagte 'Daumen hoch, Daumen runter'."