Auf LSD auf dem Weihnachtsmarkt

Frohe Weihnachten. Um etwas Unruhe in die ansonsten so besinnliche Zeit zu bringen, ein Highlight aus unserem Archiv-Sack. Ein Weihnachtsmarkt-Besuch auf LSD.

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22 Dezember 2011, 12:00am

Auf LSD ist alles unglaublich, oder? Weihnachten ist die Hölle ...  auch auf LSD. Der Weihnachtsmann ist wie Gandhi ...  auf LSD. Glühwein ist wie immer eine schlechte Idee ...  auch auf LSD. Und so weiter. Also dachten wir uns, wir machen ein paar wirklich gruselige Dinge auf LSD, um zu sehen, ob an diesem Klischee wirklich etwas dran ist. Dieses Mal: Ein Weihnachtsmarktbesuch auf LSD.

Eigentlich sind Weihnachtsmärkte scheiße: Du frierst dir die Finger ab, wenn du dich damit nicht gerade an einen dieser überteuerten Glühweine klammerst, die grimmigen Gesichter der Budenbetreiber unterscheiden sich kaum von denen der meisten Besucher, abgesehen von den süßen Pärchen mit der Zuckerwatte, den besoffenen Proleten mit Fußballschals und den nicht wenigen Touristen. Zumindest dachte ich das, denn all diese Elemente können auch zu einer wunderbaren Weihnachtsparade verschmelzen, zusammen mit all den bunten Lichtern und sprechenden Elchen ... wenn du auf LSD bist.

Das da oben ist Anton. Er war total scharf darauf, LSD auf dem Weihnachtsmarkt zu nehmen, und überhaupt haben wir uns die ganze Zeit gefragt, warum wir das nicht schon viel früher gemacht haben.

Anton hat versucht, mir die Achterbahn im Hintergrund als eine riesige Spinne zu beschreiben und ab diesem Moment bereute ich es auch ein bisschen, nicht selbst LSD genommen zu haben und ich vermisste das warme Gefühl, „aus meinem Körper fliehen zu wollen".

Das Riesenrad wurde uns zuvor als eines der größten mobilen Riesenräder in ganz Europa vorgestellt und ihr könnt euch vorstellen, wie fasziniert Anton von dieser Tatsache war. Es war danach unglaublich schwer, mit ihm Schritt zu halten, denn es war ihm irgendwie wichtiger, endlich diese riesige Spinne zu finden oder zumindest mit dem Riesenrad zu fahren.

Das Problem war, das ich unter wahnsinnigen Höhenangst leide. Anton hat ständig versucht, sich über das Geländer zu lehnen und fragte mich, ob ich „auch Spaß" habe. Ich kann mich nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern, aber er beschrieb diesen Moment als einen der Höhepunkte in seinem Leben.

Wir konnten uns einen Weihnachtsmarkt ohne Glühwein nicht vorstellen und daran änderte auch das LSD nichts. Eigentlich mag Anton Glühwein nicht besonders gerne und zu meiner Überraschung änderte das LSD hierbei auch nichts. Selbst der Versuch, den Geschmack zu beschreiben, scheiterte.

Die nächste Attraktion, die wir unbedingt ausprobieren mussten, war eine riesige Schaukel, die sich beinahe um die eigene Achse drehte und ihr könnt euch vorstellen, dass das zu viel für mich war. Die Vorfreude in seinen Augen ist kaum zu übersehen.

„OK, als ich ganz oben war, dachte ich für einen kurzen Moment: Ich bin auf Acid und jetzt muss ich sterben!" Aber eigentlich reagierte er zu meiner Enttäuschung ganz gelassen auf die Situation. Wie er mir später beschrieb, fiel es ihm echt schwer, länger auf eines der vielen Lichter überall um ihn herum zu schauen, weil sich sonst alles darin auflöste.

Das psychedelischste an diesem maroden Laden war mit Sicherheit Anton selbst.

Mit diesen Brillen, die man am Eingang ausgeteilt bekam, war es „wie auf Acid!" (das hat er wirklich gesagt).

In diesem Raum hat Anton ständig den Kopf geschüttelt, da er meinte, dass ihn alles ein bisschen zu sehr an Star Wars erinnern würde.

Man kann hier leider nicht so richtig erkennen, dass sich die Röhre permanent drehte und alles voller leuchtender Sterne war, und es kam tatsächlich die Titelmelodie von Star Wars, was Anton ziemlich zum ausflippen brachte.

Aus diesem Teil des „Psychodelic" wollte er so schnell wie möglich wieder raus. Das Problem mit den grellen Lichtern manifestierte sich gerade zu einer neonfarbenen Apokalypse, aber er weigerte sich, die Brille abzunehmen.

Das hat Anton ziemlich umgehauen, die Hand erwischte ihn als er gerade die Nase der Maske genauer untersuchte.

Eine glückliche Umarmung, weil er das Psycho-Haus lebendig überstanden hat, und weil es einfach schön ist, auf LSD den Weihnachtsmarkt zu besuchen. "Das ist das beste, was mir je passiert ist!"

Hier wünschte sich Anton, auch noch mit diesem Ding fahren zu können, aber leider haben wir zu lange in dem psychedelischen Labyrinth rumgelungert, sodass der Weihnachtsmarkt zwischenzeitlich schließen musste. Frohe Weihnachten und einen schönen Trip!

Fotos: Grey Hutton

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