Diese Künstlerin versucht, arabische Tattoos spannender zu machen

Der Trend, sich wahllose arabische Schriftzeichen in die Haut stechen zu lassen, hat zu einigen verdammt langweiligen Tattoos geführt. Zum Glück ist Karima Sharabi da, um uns zu helfen. 

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Okt. 9 2014, 11:54am

Foto via Selena Gomez

Erinnerst du dich noch an damals, als es total in war, sich irgendwelche „inspirierenden“ chinesischen Schriftzeichen, die man selber nicht lesen konnte, auf dem Körper verewigen zu lassen? Tja, schneller als du „Orientalismus“ sagen konntest, ist der Trend auf arabische Schriftzeichen (die man selber nicht lesen kann) umgeschwungen. Selena Gomez hat eins und Angelina Jolie hat sogar schon zwei

Meistens schüttelt es mich innerlich, wenn ich ein Tattoo mit arabischen Schriftzeichen sehe, da in den allermeisten Fällen ein extrem wichtiges Element der Sprache außer Acht gelassen wird: die Kalligrafie. Das, was Jolie, Gomez und die unzähligen anderen Männer und Frauen mit arabischen Sprüchen auf ihrer Haut nicht verstehen, ist die Tatsache, dass sie sich mit dem arabischen Äquivalent zu Helvetica haben schmücken lassen.

Wie bei allen anderen Dingen im Leben gibt es auch bei arabischen Tattoos eine Art, wie man es richtig macht, und eine, wie man es falsch macht. Genau, wie du dir auch einen englischen/deutschen/französischen/lateinischen Text nicht in einer homogenisierten, computergenerierten 08/15-Schriftart stechen lassen würdest, solltest du dir auch kein Tattoo in langweilig aussehendem Arabisch zulegen. Arabische Kaligrafen studieren traditionsgemäß die Proportionslehre der einzelnen Buchstaben über Jahre hinweg und halten sich penibel an überlieferte Regeln, wenn es darum geht, wie einzelne Buchstaben zu zeichnen sind—das ändert sich jedoch gerade, wie dir auch die Künstlerin Karima Sharabi berichten kann. 

„Dieses Pärchen kam eines Tages zu mir und bat mich darum, ihre beiden Namen für ihre Hochzeit zu einem Herz zu machen. Sie waren zuvor schon bei vielen anderen Kalligrafen gewesen—auch wirklich guten Kalligrafen—aber diese konnten [ihre Namen] nicht in die Form eines Herzens bringen, da die Buchstaben für sie in einer bestimmten Form und Proportion bleiben mussten“, erzählte mir Sharabi per Videochat aus Bahrain.

Kalligrafie erlebt im Nahen Osten gerade eine Renaissance und die neuen Künstler lösen sich immer mehr vom Regelwerk der traditionellen islamischen Schriftlehre. Mit 3D-Designs oder Graffiti ist die Kalligrafie als Kunstform nicht länger an die islamischen Schriften des Korans gebunden—auch wenn viele Künstler weiterhin diese Regeln befolgen. Das Alif—das arabische Äquivalent zum Buchstaben A—muss zum Beispiel in einem bestimmten Größenverhältnis geschrieben werden, um als Kalligrafie anerkannt zu werden. Das Fatha—ein Vokalakzent—wiederum könnte die Bedeutung eines ganzen Wortes ändern. Sharabi folgt in ihren Arbeiten allerdings keinen Regeln—einerseits, weil sie sie nicht kennt, andererseits, weil sie ihr egal sind.

„Weil ich die ganzen Regeln nicht kenne, kann ich in gewisser Weise einfach Formen erschaffen und sie auf irgendetwas anpassen“, so Sharabi. „Ich finde nicht, dass Kunst in irgendeiner Form limitiert sein sollte. Manchmal denke ich mir schon, ‚Oh mein Gott! Ich mache alles falsch!’, aber die Sprache bringt ja schon ihre eigenen Regeln mit sich. Die Buchstaben haben bestimmte Formen und können nur auf eine bestimmte Art und Weise miteinander verbunden werden. Es sollte erlaubt sein, damit rumzuspielen.“

Sharabis Mutter ist weiß und ihr Vater ist Palästinenser. Sie lernte schon früh, Arabisch zu lesen und zu schreiben, aber erst im Juni 2013 begann sie, damit herumzuexperimentieren, als ein Freund sie bat, den Namen seiner Tochter auf aArabisch zu schreiben. Der Name lautete Azul [blau] und so konzipierte sie ihn in Form eines Bootes. Sie lud das Ergebnis bei Instagram hoch und schon bald trudelten von allen Seiten Designanfragen ein. 

„Ich bin wirklich davon überzeugt, dass diese Designs so etwas wie ein schützendes Emblem, ein Totem oder eine Erinnerung an das Gute in dieser Welt sind“, sagte Sharabi.

Am Ende unserer Unterhaltung konnte ich über den Computerbildschirm sehen, wie Sharabis Augen anfingen zu leuchten, als sie mir von ihren Plänen erzählte, ihre Designs auch für Schmuck zu verwenden. Dieses Leuchten schlug dann aber schnell in ein Zögern um, als ich von ihrer Arbeit als Kalligrafie sprach. „Ich sehe sie lieber als mystische, arabische Schrift“, sagte Sharabi.

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