Homophobie in die Fresse treten, statt ihr zu begegnen

Wir helfen der Bundeszentrale für politische Bildung, weil wir so nett sind!

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Okt. 9 2014, 10:54am

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat gerade drei Broschüren veröffentlicht, die als Argumentationshilfe gegen Rassismus, Antisemitismus und Homophobie dienen sollen. Und natürlich ist das ein hehrer Gedanke, und yay Bundeszentrale für politische Bildung und so weiter. Aber man liest schnell heraus, dass hier zwar ein paar Leute mit guter Einstellung zusammengesessen sind, aber dann doch so ganz knapp am Leben der meisten Leute vorbei argumentieren. 

Wir haben uns die Broschüre zur Homophobie mal genauer angesehen und für ein paar Punkte Alternativen vorgeschlagen, die wir für etwas überzeugender halten. Hey Bundeszentrale für politische Bildung, gern geschehen. Wir helfen, wo wir können!

1. Die Definition von Homophobie

Die Bundeszentrale sagt:

Was heißt eigentlich Homophobie?

Wir sagen:

Im Internet geistert immer wieder dieses angebliche Zitat von Morgan Freeman herum, von dem es sehr schön wäre, wenn er es tatsächlich gesagt hätte. Hat er zwar nicht, aber würden wir in einer perfekten Welt leben, hätte er das getan: „Ich hasse das Wort Homophobie. Es ist keine Phobie. Du hast keine Angst. Du bist ein Arschloch.“ Der imaginäre Morgan Freeman hat Recht. Natürlich ist es ganz nett, der Homophobie eine Art Antlitz zu geben und verstehen zu wollen, was diese Leute umtreibt. Aber eigentlich kann man doch dazu nur sagen: Arschloch, talk to the left‚ cause you ain’t right.

Und dann hat die Bundeszentrale noch ein paar wichtige Punkte vergessen. Dass Homosexualität in keinem Zusammenhang zu Pädophilie steht, ist natürlich richtig. Sie steht allerdings in einem Zusammenhang mit gutem Stil, Geschmack und gesteigertem Gefühl für Ästhetik. Das sagt der imaginäre Morgan Freeman auch. Muss also stimmen.

2. Überzeugungsarbeit in „Alltagssituationen“

Die Bundeszentrale sagt:

Die Vorstandsvorsitzende

Wir sagen:

Also bei allem guten Willen, Bundeszentrale für politische Bildung, aber echt jetzt? Die Vorstandsvorsitzende? Juliane E.? In der Kaffeepause? Das könnte die westdeutscheste Passage sein, die jemals in einer Aufklärungsbroschüre gedruckt worden ist. Und überhaupt: „normal“.

Vielleicht scheißt Juliane E. auf irgendein von außen aufdoktriniertes Konzept von „normal“. Vielleicht sollten die Kaffeeklatscher eher das Konzept von „Normalität“ in Frage stellen, statt zu versuchen die arme Juliane E. zu verteidigen, die doch auch nur eine lustige Kaffeetante ist? Ist sie aber nicht! Sie ist eine übercoole Power-Lesbe mit Schulterpolstern, die euch Angst macht. Zu Recht! Sie verbringt nämlich ihre Kaffeepause nicht damit, sich über euch das Maul zu zerreißen, sondern damit, das 27-fache von eurem Monatsgehalt zu verdienen—und deswegen ist es komplett egal, ob sie oder ihre Frau besser kochen kann. Weil die beiden nämlich an jedem verdammten Abend ausgehen, und zwar in lesbische Restaurants. Wo sie von nackten lesbischen Kellnerinnen bedient werden. Und niemand von den Kaffepausenproleten darf mitkommen.

3. Umgang mit gängigen Vorurteilen

Die Bundeszentrale sagt:

„Homosexualität ist nicht natürlich und entspricht nicht der Normalität.“

Wir sagen:

Weißt du, was sonst noch nicht natürlich ist, anonymer Sprecher? Antibiotika. Wenn es die nicht gäbe, wärst du vielleicht schon als intolerantes Baby an Keuchhusten verreckt. Toll, dass wir die haben.

Die Bundeszentrale sagt:

„Homosexualität führt nicht zur Zeugung von Kindern und zerstört dadurch die natürliche Familie.“

Wir sagen:

Vor allem ist es ja bekanntlich so, dass nicht nur jedesmal ein Engel stirbt, wenn ein Mann einem anderem Mann einen bläst, sondern auch die Scheidungsrate dramatisch ansteigt, ein Vater mehr seine Kinder schlägt, was wiederum dazu führt, dass die Kinder ins Heim müssen und die Eltern sich in einem unendlichen Rosenkrieg bis aufs Blut bekämpfen, bis am Ende einer vom Kronleuchter erschlagen wird. Seriöse Studien belegen das.

4.Umgang mit homophoben Angriffen

Die Bundeszentrale sagt:

Zuruf auf dem Schulhof

Wir sagen:

OK, ist natürlich ein Problem. Aber irgendwie auch eine süße Vorstellung, wenn meine Mama dabei wäre, wenn mich das nächstes mal jemand beschimpft (Hallo Mama!). Vielleicht sollte man aber auch ein paar riskantere Situationen erwähnen. Wie verhalte ich mich beispielsweise, wenn ich in der U-Bahn als Schwuchtel beschimpft werde, idealerweise von einer Gruppe von Vorstadtjugendlichen, die aus mindestens einer Person mehr besteht als die Gruppe, zu der ich gehöre. Ich gehe mal davon aus, dass eine semantische Diskussion in der Situation nicht soviel bringt. Krav Maga schon.

Der imaginäre Morgan Freeman sagt: Folgt Stefan auf Twitter!"

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