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The Spoooooooooooooky Issue

Dschungel im Meer

Der Tourismus-Slogan von Papua-Neuguinea lautet: „Das Land des Unerwarteten" und neben der Kleinkriminalität stößt man bei Reisen durch das Land wirklich auch auf andere Schwierigkeiten.

von Ian Booth
09 November 2011, 12:00am


Eine “Komiupa Mama Group” bei einer traditionellen Sing-Sing-Zeremonie (im Grunde eine Feierlichkeit mit Gesang und Tanz), die für Schaulustige und Touristen abgehalten wird. 

Die meisten Informationen über Papua-Neuguinea bezog ich vor meinem Besuch aus Reiseliteratur, statistischem Material und Informationsblättern. Die Lektüre eröffnete mir wenig Neues: Menschen siedelten dort genau so lange wie überall auf der Erde (etwa 60.000 Jahre); die Insel ist einer der wenigen Orte, die noch nicht vollständig von der westlichen Welt indoktriniert sind; im Laufe der Geschichte wurden hier über 800 Sprachen gesprochen; und noch immer kursieren Geschichten von Kannibalen, die tief im Dschungel wohnen und dich bei lebendigem Leib kochen werden. Während ich mich nicht in diese wilden und gefährlichen Gebiete vorwagte (die nur mit speziellen Flugzeugen erreicht werden können), hörte ich jedoch von einem Vorfall, bei dem ein Vater das Gesicht seiner neugeborenen Tochter vor einer Menge Schaulustiger gegessen hatte, weil Gott ihm befahl, er solle „das Baby essen“, bevor das Baby ihn essen würde.

Eine der Fragen, die mich auf Papua-Neuguinea neugierig machten, war, wie die voranschreitende Urbanisierung des Landes die indigene Kultur beeinflusst. Soweit ich wusste, hatten die meisten Veränderungen zu tun mit dem Aufstieg krimineller Banden an den Rändern der sich ausbreitenden Städte.

Neben der Kleinkriminalität stößt man bei ausgedehnteren Reisen durch das Land auch auf andere Schwierigkeiten. Allem voran die inoffizielle Ausgangssperre ab 18.00 Uhr. Hinderlich sind auch das dürftige öffentliche Transportwesen, allgemeine Defizite in der Organisation, die erforderlichen Schmiergeldzahlungen für den Erwerb lebensnotwendiger Güter, die sehr hohe Luftfeuchtigkeit, die allgegenwärtigen Mückenschwärme und die hohen Lebenshaltungskosten.

Nach acht Monaten, von denen ich einige bei einer Lokalzeitung namens National gearbeitet hatte, erkannte ich, dass meine „Ist das wirklich euer Ernst?“-Phase genau genommen den dauerhaften Seinszustand der ganzen Nation kennzeichnete. Der Tourismus-Slogan von Papua-Neuguinea lautet: „Das Land des Unerwarteten.“ Ich habe kein Problem damit, dieses abgedroschene Motto rückhaltlos zu unterstützen und präsentiere die folgenden Fotos als Beweis meiner jenseitigen Abenteuer in und um die Inseln Bougainville und East New Britain, Goroka, Madang, Morobe, Port Moresby und am Fluss Sepik.


Peter Siwa und sein Sohn Weslie präsentieren ein gigantisches australisches Maschinengewehr und einen Schutzhelm vom Militär, die sie in einem umfunktionierten Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges auf dem Pagahill in Port Moresby gefunden haben. Auf dem Berg gibt es sechs von diesen Bauwerken, in jedem hat sich mindestens eine Familie eingerichtet. Jahrhundertelang war Papua-Neuguinea Kolonialbesitz, zuletzt von Australien, das bis 1975 das Land verwaltete. Bis heute gehört es zum Gebiet des britischen Commonwealth.


Diese Frau lebt in einem Schiffswrack in Rabaul Harbor vor East New Britain zusammen mit drei anderen Familien. Sie hat mir ihre raffinierte Methode des Rattenfangs erklärt, nach der eine tote Ratte als Köder dient, um andere Ratten zu fangen.


Sili Muli Männer aus der Enga Provinz. Die Perücken sind aus Eigenhaar. Sie sind außerdem leidenschaftliche Colatrinker.


Kids, die mit einem scharfen Messer die Zeit totschlagen, und verrotzte Nasen vor dem Frühstück in ihrem Zuhause in der Nähe von Yambon Village.


Cynthia hat sich in Bougainville nach traditioneller Art das Gesicht tätowieren lassen, als sie ein junges Mädchen war. Die Mandarinzeichen für „fuck off“ hat sie sich letztes Jahr mit einem selbst hergestellten Tätowiergerät in Port Moresby auf ihre Brust gezeichnet.


Ein Aussichtspunkt mit Blick über Arawa, der von der Revolutionären Armee aus Bougainville in den 80er- und 90er-Jahren genutzt wurde, um für ihre Unabhängigkeit von Papua-Neuguinea zu kämpfen.


Auf einer Pressekonferenz in Port Moresby wird die Aufstellung einer neuen Hela Wigmen Rugbymannschaft bekannt gegeben. Hoffentlich wurde den Männern, die seitlich des Tisches sitzen, eine angemessene Gage für ihren Auftritt gezahlt.


Ein ganz normaler Sonntagnachmittag vor der Sportgaststätte in Port Moresby. Der Typ rechts im Bild ist betrunken, nicht tot.


Eine Bande hat sich um ein Autowrack versammelt, gleich gegenüber einem Autohaus auf der Hauptstraße in Port Moresby.


Die Asaro Mudmen erscheinen in der Werbung für Toyota, Pepsi, Benetton, Tribú Benetto Parfüm und andere Marken. Toyota organisiert für die Asaro Mudmen Transporte zu Gesangsdarbietungen in traditioneller Tracht im ganzen Land, daher das Logo auf dem Helm. Der Erfolg dieses unternehmerischen Volkes hat andere Bevölkerungsgruppen von Papua-Neuguinea dazu veranlasst, deren Kleidung zu imitieren und für Touristen Gesänge darzubieten. Ruipo Okoro, ein echter Mudman, tritt dafür ein, die Nachahmer daran zu hindern, den Erfolg der Asaros zu Geld zu machen.


Chris, ein Inselbewohner, in Folandic-Gesangstracht in seiner Wohnküche in Hote Village.


Ein kürzlich eingeweihter Angehöriger des Volkes der Latmul im Haus Tambaran, dem spirituellen Ort des Dorfes Palambei. Seine knotigen Narben sollen Krokodilshaut imitieren. Die geritzten Männer berechnen Ausländern etwa zehn Kina (drei Euro) für ein Foto.