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Katz-und-Maus-Spiel im dunklen Netz

Bitcoin ist nicht der sichere Zufluchtsort für kriminelle Aktivitäten, für den ihn alle halten.
30.8.13
Bild: imago | photothek

Wir wussten, dass es eines Tages dazu kommen würde, und nun ist es soweit: Die Cyperpunk-Kryptowährung des WildWest-Internets wird von der US-Bundesregierung unter die Lupe genommen. Und da die Bundessicherheitspolizisten beinahe davon überzeugt sind, dass die Anonymität des Bitcoin den perfekten Raum für Cyber-Kriminalität bietet, suchen sie eifrig nach einer Regulierung der virtuellen Währung:

Aber die Regierung und die Strafverfolgungsbehörden sollten vielleicht mal eine kurze Pause machen und zurückspulen. Experten haben bereits darauf hingewiesen, was auch in einer neuen Studie ausführlich untersucht wird: Bitcoin ist nicht gänzlich anonym. Genauer gesagt ist es pseudonym.

Forscher der University of California und der George Mason University untersuchten, wie leicht es ist, den Fluss von Bitcoins auf dem Markt zu verfolgen, und zwar mithilfe analytischer Werkzeuge, die sie für die Überwachung des Netzwerkes entwickelt haben. Sie weisen darauf hin, dass, obwohl man Bitcoins besitzen kann (oder wichtiger noch, stehlen kann), ohne die eigene Identität preiszugeben, doch digitale Brotkrumen hinterlassen werden, sobald das Geld im Netzwerk bewegt wird. Jede Transaktion wird in einer öffentlichen Datenbank, der Block Chain gespeichert, die dazu dient, dass kein Betrug begangen wird, wie etwa das zweimalige Verwenden von Münzen. Kriminelle würden damit einen eindeutigen Beweis hinterlassen.

Du denkst vielleicht, na und? Selbst wenn es möglich ist, schmutziges Geld im System aufzuspüren, wozu nützt es, wenn es nur zu einem Online-Pseudonym führt, das nicht zu einer realen Person zurückverfolgt werden kann, da sie nicht mit einem Bankkonto verknüpft ist? Deshalb richten die Bundessicherheitspolizisten ihr Augenmerk und ihre Regulierungsbefugnisse auf die Bitcoin-Online-Börsen, wo die virtuelle Währung in Bares umgewandelt wird.

Neuen Gesetzen zufolge müssen die Online-Börsen ihre Identität überprüfen, bevor Bitcoins in US Dollar umgewandelt werden, damit die gesamte Transaktion überhaupt zulässig ist. Natürlich kann die Entstehung unzulässiger Online-Börsen durch nichts aufgehalten werden. Dienstleister wie Bitlaundry, Bitmix oder Bitcoinlaundry mischen die Münzen der Nutzer bereits, um zu verhindern, dass Transaktionen zurückverfolgt werden können. Jedoch sind solche Systeme, Experten zufolge, noch neu und unzuverlässig.

Der Markt verändert sich, und Forscher vertreten die Theorie, dass mit der Zunahme der Beliebtheit, des Wertes und der Massenkompatibilität der Währung, die umfangreichen Transaktionen zentralisierten Dienstleistern anvertraut werden, was „Bitcoin heute schließlich unattraktiv für eine groß angelegte illegale Nutzung, wie etwa Geldwäsche, macht.“

Aus dem Bericht:

Diese Zentralität stellt für Kriminelle ein ungewöhnliches Problem dar: Wenn ein Dieb tausende von Bitcoins stiehlt, dann ist dieser Diebstahl zwangsläufig im Bitcoin-Netzwerk sichtbar und die ursprüngliche Adresse des Diebes bekannt (da die meisten Online-Börsen den Anschein von Anständigkeit bewahren wollen) kann der Dieb die erbeuteten Bitcoins nicht einfach zu einer bekannten Online-Börse überweisen. Obwohl er vielleicht versuchen wird, einen Mixing-Service zu nutzen, um den Ursprung des Geldes zu verschleiern, möchten wir noch einmal darauf hinweisen, dass diese Börsen aktuell nicht das Volumen haben, um tausende von Bitcoins zu „waschen“.

In anderen Worten: Du kannst so viele Bitcoins sammeln, wie du willst, aber dann wünschen wir dir viel Glück beim Versuch, das schmutzige Geld auszugeben. Große Tauschgeschäfte können Sicherheitslücken aufweisen und können bis zu einer realen Person zurückverfolgt werden.

Strafverfolgungsbehörden tun alles, um dafür zu sorgen. Dan Stuckey von Motherboard berichtete kürzlich von einem Reddit-User, dessen Bitcoin-Geldbörse „gephished“ wurde, nachdem jemand seine Transaktionen mit seinem richtigen Namen verbunden hatte. Jeff Garzik, Bitcoin-Entwickler sagte dazu: „Der Versuch, illegale Bitcoin-Transaktionen durchzuführen, ist, angesichts der statistischen Analyseverfahren, die in diesem Bereich von den Strafverfolgungsbehörden angewandt werden, eine verdammt große Dummheit.“

Das bedeutet nicht, dass es nicht möglich ist, dass Bitcoin gänzlich anonymisiert wird. Dank moderner Codierung könnten Hacker, nachweisbaren Börsen und Regierungsverordnungen immer eine Nasenlänge voraus sein. Vor uns liegt wahrscheinlich ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Strafverfolgungsbehörden und anonymen Kriminellen, die sich im dunklen Netz verstecken.