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Ein spanisches Festival hat einen jüdischen Musiker rausgeschmissen, weil er sich nicht öffentlich gegen Israel positionierte

Nach dem Shitstorm entschuldigte sich das Rototom-Sunsplash-Festival jetzt öffentlich bei Matisyahu.
21 August 2015, 10:15am
slack-imgs

Matisyahu | Foto via Flickr | kris krüg | CC BY-SA 2.0

Zuhauf wird die Meinung vertreten, Künstler und Musiker sollten nicht politisieren und ihre eigenen Ansichten öffentlich vertreten. Schließlich stehen sie stark in der Öffentlichkeit, in der sie a) schnell etwas Ungeschicktes sagen und b) die doofe und unbeholfene Jugend leicht beeinflussen können. Das wird oft nicht nur vom Label oder Management gewünscht—schließlich kann eine universelle Hülle viel mehr Leute erreichen als ein klar positionierter Charakter—das wird zum Teil auch von der Gesellschaft erwartet.

Es wird eher kritisch beäugt, wenn sich jemand für eine Partei einsetzt, über die Bildungspolitik streitet oder sich in den Nahost-Konflikt einmischt. In die vollkommen andere Richtung hat dagegen diese Woche das spanische Rototom-Sunsplash-Festival agiert, als sie von dem jüdischen Reggae-Künstler Matisyahu ein schriftliches Statement bzw. eine Videobotschaft zur Lage in Palästina haben wollte. Als er darauf nicht reagierte, luden ihn die Veranstalter kurzerhand aus.

Nicht nur wollten die Veranstalter ein Statement von ihm haben, sie wollten sogar ein ganz bestimmtes Statement und ihm seine Worte quasi in den Mund legen. Der Musiker aus Pennsylvania sollte sich gegen Israel und für das palästinensiche Recht auf einen eigenen Staat aussprechen. Was passiert wäre, wenn er ein anderes Statement abgegeben hätte? Vermutlich wäre er ausgeladen worden. Schließlich passierte das Gleiche auf die fehlende Antwort hin.

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"The festival organizers contacted me because they were getting pressure from the BDS movement. They wanted me to write...

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Matisyahu

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Monday, August 17, 2015

Es ist ganz egal, welches Statement die Veranstalter von ihm haben wollten, ob gegen die Benutzung von Plastiktüten oder das Atomprogramm des Iran, es ist egal, von wem der Druck dazu kam (in diesem Fall von der BDS-Bewegung) und auch, in welchem Genre wir uns hier befinden—die Diskriminierung des Festivals fing bereits an, als es von ihm als jüdischen Künstler ein politisches Statement verlangten, nicht aber von den nicht-jüdischen Künstlern, die auftreten sollten, und ihn wegen mangelnder Kooperationsbereitschaft auch noch ausluden. Dass Matisyahu in das Thema öffentlich nicht reingezogen werden will, hat er bereits vorher in mehreren Interviews betont.

Nachdem der Musiker die Aktion auf Facebook öffentlich machte, gingen die Diskussionen und die Kritik an dem Festival los. Es stellt sich hierbei die Frage, was sich die Verantwortlichen bei der Aktion eigentlich gedacht haben. Ob es wohl seltsam rüberkommt, wenn sie den einzigen amerikanisch-jüdischen Künstler ausladen, ohne ihn zu Wort kommen zu lassen? Ob es wohl komisch ist, dass sie nur einem Künstler ein vorgegebenes Statement aufzwängen wollen? Offensichtlich hatte in Spanien dabei niemand ein schlechtes Gefühl.

Unten geht's weiter.

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A Rototom Sunsplash public institutional declaration regarding the cancellation of Matisyahu1. Rototom Sunsplash...

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Rototom Sunsplash - Official page

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Wednesday, August 19, 2015

Bis der Shitstorm kam. Inzwischen hat sich das Festival öffentlich bei Matisyahu entschuldigt, antisemitische Tendenzen von sich gewiesen und ihn eingeladen, seinen Slot am morgigen Samstag doch noch wahrzunehmen. Matisyahu scheint aber nicht kommen zu wollen.

Es ist immer eine schwierige Frage, wie sehr sich Musiker positionieren sollten, schließlich sind sie nicht wegen ihrer Vorbildfunktion oder einer gesellschaftlichen Verantwortung in der Öffentlichkeit, sondern wegen ihrer Kunst und dem Entertainment. Trotzdem haben besonders bekannte Musiker genau diese Funktion und Verantwortung. Wird ein Künstler instrumentalisiert, ist eine Positionierung fast notwendig, will man gesellschaftliche Themen in Lyrics ansprechen, ist sie unausweichlich, und zudem ist sie von vielen Musikern auch wichtig. Dennoch sollte keinem Musiker, ob nun jüdisch, muslimisch oder bud­dhis­tisch, eine öffentliche Meinung aufgedrängt werden. Das hat dank Shitstorm jetzt auch das Rototom-Sunsplash-Festival verstanden.

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