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Mehr beschissene Dinge, die mir auf Festivals passiert sind

Penise, verbrannte Zelte und ungarische Grenzpolizisten, die den Playboy lesen.
2.6.15

Während die Stimmung beim Gedanken an Festivals steigt wie ein Luftballon, ist die Luft in der Realität ziemlich schnell draußen. Bei diesen sommerlichen (Horror)-Trips in die musikalischen Freiluft-Epizentren, gibt es einen unendlichen Nährboden (beziehungsweise Gatschboden) für schreckliche Dinge, die einem passieren können. Meine liebe Kollegen Verena hat diese Dinge unlängst auch die „besten Dinge“ genannt.

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Festivals beginnen prinzipiell sehr super: Wenn man mit dem Auto fährt, steht man kurz vorm Ziel stundenlang im Stau, man hat sich ziemlich sicher schon weh getan, bevor man am Gelände ist und man steht stundenlang an, um das verdammte Band zu bekommen. All diese Dinge sind eigentlich schon beschissen genug, und dabei hat der Hauptspaß noch gar nicht begonnen. Hier sind ein paar Erlebnisse, die mich gerne an die Festivals, die ich so besucht habe, zurückdenken lassen.

Wie ich einmal dieses Foto auf meiner Kamera fand:

Ich weiß nicht, wer dieses Foto gemacht hat, wessen Schwanz das ist und eigentlich hatte ich es auch ganz gut verdrängt, bis ich Fotos für diesen Artikel gesucht habe. Ich weiß nur noch, dass dieses, ähm, Foto am Nova Rock geschossen wurde.

Wie ich einmal in meiner Kotze aufgewacht bin

2004, Two Days A Week, mein erstes Festival. Und ich wurde gleich mit dem Festival-Klassiker bekannt gemacht. Es war der erste Tag in Wiesen, Nachmittag, ein Teil meiner Freunde hat Fußball gespielt und ich bin mit ein paar anderen am Rand gesessen und habe in meinem Festival-Tutu Wodka Bull gesoffen. Das war das erste Mal in meinem damals noch jungem Leben, dass ich dieses scheußlichste aller „Getränke“ getrunken habe. Anyway, woran ich mich erinnern kann: Es war später Nachmittag, ich habe aus einer Plastikflasche Wodka getrunken und bin irgendwann in einem Zelt aufgewacht, in dem es so dermaßen nach Kotze gestunken hat, dass es unpackbar war. Ich fragte meine zwei Zeltkollegen, warum es so nach Speibe riecht. Die Antwort: „Du hast ins, vor und auf das Zelt gespieben.“ Ich wusste von all dem nichts—bis heute kann ich mir nicht erklären, was da genau passiert ist.

Wie ich einmal gar nicht zum Festival gekommen bin

Ein paar Jahre später, letzter Schultag, Radiohead spielten am Sziget. Meine Schwester war schon dort und hat mir am Telefon erzählt, dass sie erfolgreich Poppers über die Grenze geschmuggelt hat (mit 13, ich war ein bisschen stolz, aber im Nachhinein einfach keine sehr gute große Schwester) und auf mich auf der anderen Seite der Grenze wartet. Mit einer Freundin haben wir den damals noch sehr grindigen Bahnhof in Klagenfurt verlassen, um Richtung Ungarn zu fahren. Irgendwann sind wir dann in den überfüllten Zug Richtung Sziget-Abenteuer gestiegen. Kurz vor der Grenze war dann Passkontrolle und—richtig—ich hatte keinen Pass dabei. In meiner Verzweiflung habe ich dem Kontrolleur meinen Motorradausweis, meine Vorteilscard und mein Zeugnis gezeigt. Ich dachte, dass er irgendwas davon anerkennen wird und keine Lust hat, in einem überfüllten Zug kleine Mädchenherzen zu brechen. Hatte er aber. Meine Freundin und ich mussten an der ungarischen Grenze aussteigen. Es war heiß und wir waren alleine mit zwei fremden Ungarn in einem Grenzhäuschen gefangen. Es war ein bisschen wie im Film: Der eine war groß, dürr und hat ständig mit irgendwas rumgefuchtelt und in unverständlichem Englisch versucht, mit mir zu kommunzieren. Der andere war klein, dick und las den Playboy. Ich musste irgendeinen ungarischen Wisch unterschreiben, damit ich wieder zurück nach Österreich fahren durfte. Meine Schwester hat mich dann während dem Radiohead-Konzert angerufen. Ich habe sehr viel und öffentlich in der Bim geheult.

Wie sich ein wildfremder Typ auf meine Freundin und mich gelegt hat

Wieder Nova Rock. Eine Freundin und ich sind nach den Konzerten über das Festival-Gelände Richtung Zelt-Idylle gewankt. Der Weg war ziemlich weit, und irgendwann haben wir uns kurz und besoffen auf den Boden gelegt und in den Himmel geschaut. Wie es nunmal ist, wenn man sich im Rausch „kurz hinlegt“, sind wir nach ein paar Minuten synchron eingeschlafen. Als wir aufgewacht sind, lag plötzlich (oder eh schon länger, ich will es mir nicht ausmalen) ein in etwa 40-jähriger Creep auf uns. Er lag einfach on top of us. Hey du perverse Sau, wenn du das hier liest, dann will ich, dass du weißt, dass ich es nur fair finde, wenn dich das Leben ein bisschen gefickt hat.

Wie ich meine kleine Schwester verloren habe

2005, Frequency. Meine kleine Schwester—die nicht nur meine jüngere sondern tatsächlich meine vertikal herausgeforderte Schwester ist—und ich kamen zu spät zum Konzert der Queens Of The Stone Age. Wir waren ziemlich weit hinten und ich wollte, dass das Kind was von der Band sieht. Also habe ich den Riesen neben ihr zugeschrien, ob er sie nicht so festivalmäßig auf seine Schultern nehmen kann. Kein Problem, macht er gern, wir so „yay“. Was macht der Typ? Schmeißt meine Schwester in die Luft, schmeißt sie wie einen Ball nach vorne und die Leute stagediveten sie immer weiter nach vorn in Richtung Bühne. In Panik, wild fuchtelnd und schreiend bin ich nach ihren Füßen schnappend durch die Masse nachgelaufen. Ein paar Minuten, Prellungen und Beschimpfungen später, stand ich dann neben ihr. In der ersten Reihe. Warum diese Story nochmal beschissen ist? Weil die erste Reihe der schlimmste Ort der Welt ist.

Wie ich vergessen hatte, dass ich das Zelt verbrannt habe

Besagtes Zelt, das ich tagelang gesucht habe.

Ein österreichisches Festival, dessen Namen ich jetzt nicht nennen werde, letzter Abend. Am Ende des Festivals war einfach alles ekelhaft. Der Campingplatz roch nach Verwesung und alles sah nach Verwesung aus. So auch mein Zelt. Die einzige Möglichkeit, den Grind loszuwerden: Das Zelt verbrennen. Wir waren also trotz unseres Rausches überraschend lösungsorientiert. Die Nacht haben wir in einem Kofferraum verbracht. Ein Jahr später: Eine Freundin und ich waren gerade im Zug, um unsere Interrail-Reise anzutreten, als folgendes Gespräch passierte:

Freundin: „Sag mal, hast du das Zelt mit, von dem du meintest, dass du es mitnimmst?“

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Isabella: „Nein, ich find das einfach nicht mehr. So strange. Ich hab's echt überall gesucht.“

Freundin: „Isa, du meinst aber nicht das Zelt, das wir letztes Jahr am Nova Rock verbrannt haben.“

Doch, ich meinte genau dieses Zelt.

Wie ich einmal auf dem Müllsack vorm Zelt aufgewacht bin

Meine Freunde und ich saßen nachts in unseren Campingsesseln, die wiederum in Kotze, Pisse und geschmolzenen Gummibärchen gestanden sind. Wir haben alle viel zu viel und viel zu unverantwortungsvoll getrunken und irgendwann war ich the last girl sitting. Ein Meter vor mir war unser großer, schwarzer Müllsack. Zwei Meter vor mir mein großes, grünes Zelt. Ich weiß noch, dass ich mir sowas dachte wie dass mir das Zelt echt zu weit weg ist und wie schlimm kann es schon sein, auf Plastik zu schlafen, das meinen Körper eh vom Müll trennt. Dass der Hygiene-Level bei Festivals niedriger ist als der eines Schweinestalls ist nichts Neues. Wirklich nicht. Aber warum ich es vorgezogen habe, auf einem stinkenden Müllsack zu schlafen, weiß ich bis heute noch nicht.

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