Dieser Roboter blamiert antisemitische Verschwörungstheoretiker

Der 11. September ist zum Feiertag für Judenhasser geworden.

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Sep. 11 2015, 8:24am

Foto: Imago/GranAngular​

Heute vor 14 Jahren wurden insgesamt vier Passagierflugzeuge von al-Qaida-Terroristen entführt. Eines wurde ins Pentagon gesteuert, eines mit Hilfe der Passagiere in Pennsylvania zum Absturz gebracht und zwei Flugzeuge wurden in das New Yorker World Trade Center gesteuert. Dabei starben insgesamt 2.966 Menschen.

Und seit 14 Jahren gibt es auch Verschwörungstheorien über den Terroranschlag. All diese Theorien wurden widerlegt, manche mehrmals. Und trotzdem werden sie immer weiter wiederholt:

Killersatelliten und Mini-Atombomben haben die Gebäude zerstört. Kontrollierte Sprengungen von eigentlich unbeschädigten Gebäuden stehen im Raum. Vielleicht ist doch kein Flugzeug ins Pentagon geflogen, sondern ein Marschflugkörper. Die Anschläge wurden von George Bush beauftragt, eingeweihte Regierungsmitglieder und Beamte nutzten den Anschlag zum Insiderhandel. Die Entführer leben noch oder sind tot, waren aber eigentlich nicht dazu in der Lage, die Flugzeuge zu steuern. Osama bin Laden hatte nichts mit den Anschlägen zu tun, Osama bin Laden hat die Anschläge beauftragt, war aber nur das Werkzeug der CIA. In den Flugzeugen befanden sich keine Menschen, sondern nur Sprengstoff, die Flugzeuge waren lediglich Attrappen und eigentlich Raketen. Die Regierung hat die Flugzeuge über geheime Satelliten gelenkt, die Einschläge waren Spezialeffekte, die entführten Flugzeuge wurden im Ozean versenkt. Das in Pennsylvania abgestürzte Flugzeug wurde eigentlich abgeschossen. Die Anrufe aus den Maschinen waren nicht echt.

Und wer steckt dahinter? Der Jude, natürlich. Am 17. September meldete der TV-Sender der Hisbollah, dass am 11. September 4000 Juden nicht zur Arbeit im World Trade Center erschienen seien, weil sie vorher vom israelischen Geheimdienst gewarnt wurden. Außerdem sei Ariel Scharon, damals Israels Ministerpräsident vom Besuch eines zionistischen Festivals in New York vom gleichen Geheimdienst abgehalten worden sein. Beide Meldungen waren falsch. Die Jerusalem Post hatte am 12. September gemeldet, dass sich 4000 Israelis, die in der Gegend um das World Trace Center lebten, sich noch nicht bei Freunden und Angehörigen gemeldet hätten und tatsächlich waren ca. 4-500 Menschen jüdischen Glaubens unter den Opfern. Der New-York-Besuch von Scharon war nicht für den 11., sondern den 23. September geplant und das entsprechende Festival wurde wegen der Anschlägen abgesagt. Aber was hat die Realität schon mit der Welt der Verschwörungsideologen zu tun?

Hinter all diesen Theorien steckt die Idee, dass entweder Israel oder die USA in Zusammenarbeit oder eher Leitung Israels die Anschläge selbst geplant und durchgeführt haben, um die arabische Welt als Reaktion zu destabilisieren.

Heute ist der 11. September zum Feiertag für Antisemiten geworden, an dem sie versuchen, ihre kruden Theorien wieder in den Vordergrund zu bringen. Deswegen wir heute ein Roboter auf Twitter losgelassen, der all den „Kindermörder Israel"-Schreiern da draußen Paroli bieten soll.

Mit Hilfe verschiedener Schlüsselwörter und Phrasen durchsucht dieser Bot Twitter und beteiligt sich dann mit verschiedenen Informationen am Gespräch. Das heißt, wer ab heute auf Twitter dringend über „Schuldkult", „Nazijuden", die, „Holocaustindustrie", „Totschild" und sehr viele andere antisemitische Themen reden muss, wird das nicht mehr, ohne eine Reaktion zu bekommen, tun können. Der Bot wird seine Kommentare und #nichtsgegenjuden hinterlassen, dabei sicherlich oft geblockt werden, trotzdem werden seine Beiträge, dank der Mechanik von Twitter, unter antisemitischen Posts stehen bleiben.

Dieses Projekt ist ein Teil von NichtsgegenJuden.de, einer Website der Amadeu-Antonio-Stiftung, mit der antisemitische Klischees entkräftet werden sollen. Auch diese Seite wird heute gerelauncht und bietet weitere Informationen zu den üblichen Vorurteilen, die von Antisemiten immer wieder kommen. Julia Schramm, die Verantwortliche für das Projekt, sagt dazu: „Die Kampagne soll hinweisen, aufklären, widersprechen und Menschen, die genau das tun wollen, Argumentationshilfen an die Hand geben." Egal ob „Da stecken doch Zionisten dahinter" (Kurze Antwort praktisch immer: Nein. Die längere Antwort gibt es hier), „Araber sind auch Semiten" und „Israel hat kein Recht zu existieren", die Seite bietet Infos zu diesen Thesen, die die meisten von uns wahrscheinlich schonmal gehört haben, deren Widerlegung aber unter Umständen manchmal gar nicht so einfach ist.

Stefan ist auf Twitter.


Foto oben: Imago/GranAngular

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