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Der VICE Guide to Geistige Gesundheit

So überstehst du dein Studium, ohne durchzudrehen – Teil L–Z

Von L wie Liebeskummer bis Z wie Zeit—mit diesem Guide kommst du sicher durch die stressige Uni-Zeit.

von Sophie Claassen
29 April 2015, 5:00am

Illustration: Sarah Schmitt

In Teil 1 haben wir euch von A bis Alkohol zu K wie Konkurrenz bereits erste Tipps gegeben, wie ihr diese stressige und aufregende Zeit eures Lebens meistert, ohne einen Nervenzusammenbruch zu erleiden. Unseren Studenten-Guide von A bis K findet ihr hier.

L wie Liebeskummer
Wenn du in der Zeit zwischen Anfang und Ende Zwanzig nicht ein einziges Mal unter gebrochenem Herzen zu leiden hast, bist du entweder ein gefühlloser Roboter oder Teil einer ungewöhnlich robusten Langzeitbeziehung. Glücklicherweise ist die Uni der perfekte Ort, um den Liebeskummer zu bekämpfen und dein Leben wieder in den Griff zu kriegen. Du kannst dich zur Ablenkung bis zum Hals in Arbeit stürzen oder das artifizielle Konstrukt der Romantik mit ein bisschen systemtheoretischem Handwerkszeug in seine unromantischen Einzelteile zerlegen. Außerdem gibt es keinen Ort, an dem dir so viele gleichaltrige, intelligente und attraktive Menschen über den Weg laufen, wie auf dem Campus—deine Chancen dich neu zu verlieben, stehen also gut. Wer sich für dieses Thema interessiert, dem sei hier außerdem der College-Roman „Einfach unwiderstehlich" des wunderbaren Bret Easton Ellis ans Herz gelegt.

Siehe auch: Lernen, Lithium, Linguistik, Labor, Lehramt, Niklas Luhmann

M wie Muße
Keine geregelten Arbeitszeiten zu haben, bedeutet im besten Fall, dass du dir deine Freizeit so legen kannst, wie sie dir am besten passt. Im schlimmsten Fall jedoch, dass du vor lauter Lernen, Bücher wälzen und Abgabestress überhaupt keine Freizeit mehr hast. Achte also darauf, dass dein Arbeitspensum nicht überhand nimmt und gönne dir ab und zu ein bisschen Ruhe und Ablenkung. Noch wichtiger: Nimm dir trotz strikter Studienordnung, stressender Eltern und dem Irrglauben, du seist schon viel zu alt, um überhaupt noch zur Uni zu gehen, die Zeit für dein Studium, die du wirklich brauchst. Das Universum interessiert es einen Scheiß, ob du am Ende ein Semester mehr oder weniger studiert hast.

Siehe auch: Manie, Mensa, Mate, Magersucht, Miete, Morphologie

N wie Nostalgie
Wir haben es zwar schon mal erwähnt, aber tun es noch mal, weil es eine der wirklich wichtigen Weisheiten ist, die dich auch die vermeintlich schlimmste Zeit deines Lebens überstehen lassen wird: Vieles, was dir jetzt als eine unerträgliche Qual erscheint, wird dir im Weichzeichner-Filter der Retrospektive einmal viel angenehmer erscheinen. Das wiederum bedeutet, dass die Realität eigentlich gar nicht so furchtbar sein kann, wie sie dir gerade vorkommt. Also mach lieber jetzt das Beste aus deiner Zeit, anstatt von einer besseren Zukunft zu träumen.

Siehe auch: Narkolepsie, Nervosität, Neurosen, Nihilismus, Neoliberalismus

Foto: Alan Nakkash | Flickr | CC BY-ND 2.0

O wie Optimismus
Nach deinem Studium wirst du ihn mehr brauchen als gute Noten—besonders mit einem Abschluss in Germanistik oder Philosophie. Gewöhne dich also schon einmal daran, die Welt zwanghaft durch eine rosarote Brille zu sehen.

Siehe auch: Ohnmacht, Organismus, Orthorexie

P wie Prokrastination
Sich selbst zu Beginn jedes Semesters wieder zu versprechen, dieses mal wirklich rechtzeitig mit dem Lernen und dem Schreiben der Hausarbeiten zu beginnen, ist ehrenhaft, aber völlig nutzlos. Es bringt nichts, dir den Tag oder ganze Wochen damit zu versauen, dir Vorwürfe zu machen, dass du noch etwas für deine Hausarbeit machen müsstest, es aber nicht tust, weil der Zeitdruck noch nicht groß genug ist. Es bringt dir ebenso wenig, dich noch dann für deine vorherige Faulheit zu verfluchen, wenn du schließlich unter Druck die Nächte durcharbeitest und Koffeintabletten mit Red Bull runterspülst (wodurch du höchstens deine Verdauung beschleunigst, aber nicht dein Denkvermögen). Lerne, deine eigene Unzulänglichkeit zu akzeptieren oder versuche es mit einer nicht überambitionierten Vorausplanung und ein bisschen ehrlicher Selbsteinschätzung. Wenn du nur unter Druck arbeiten kannst, vertraue in deine Fähigkeiten und mach dir deswegen keinen Stress. Merke dir nur eins: Eine Hausarbeit im Bus auf dem Weg zum Copyshop fertig zu tippen, ist niemals eine gute Idee!

Siehe auch: Pessimismus, Pep, Psychologie, Psychose, Panik, Plagiat, Professoren, Praktikum, Prüfungsangst

Q wie Qualiät
Auch wenn du dich selbst gern als gewissenhaften Diener der Wissenschaft siehst, verlangt niemand von dir, in einer einfachen Seminararbeit das Rad neu zu erfinden. Tue nur, was wirklich verlangt wird, achte auf Zitate und Fußnoten und spare dir deinen Ehrgeiz für deine Doktorarbeit auf, wenn du neben der Uni noch so etwas wie ein Leben führen willst.

Siehe auch: Quintessenz, Queer Theory, Quantenphysik

Foto: Francisco Osorio | Flickr | CC BY 2.0

R wie Referate
Die Qual, einem langweiligen, emotionslos vorgebrachten und schlecht recherchierten Vortrag zuhören zu müssen, wird bei vielen Studenten nur von der Angst übertroffen, selbst einen zu halten. Solltest du zu den Menschen zählen, die bei dem Gedanken, frei vor mehr als zwei Menschen zu sprechen, zittrige Hände und nervöse Bauchschmerzen bekommen, bleiben dir zwei Möglichkeiten, das Problem zu umgehen. Du kannst entweder deinen Professor darum bitten, eine schriftliche Alternativleistung abzuliefern oder suchst dir eine Gruppe mit besonders geltungsbedürftigen Leuten, die während ihres Teils des Referats so viel reden, dass für dich zum Schluss leider keine Zeit mehr bleibt.

Siehe auch: Rad fahren, Ritalin, Ruhe bewahren

S wie Semesterferien
Wir haben in diesem Leben nur selten die Chance, einen Eindruck davon zu bekommen, was Unendlichkeit wirklich bedeuten könnte. Als glücklicher Student bieten dir die Semesterferien im Verlauf deiner universitären Karriere jedoch sogar mehrfach die Gelegenheit, diesem Phänomen nachzuspüren—ganze drei Monate am Stück! Genug Zeit, um die leeren Batterien wieder aufzuladen, dich mit Entspannungsmusik auf den Kopfhörern in den Park zu liegen und ganz allgemein die Wunden auf deiner Seele vernarben zu lassen, die dir die vorhergegangenen Klausuren zugefügt haben. Vorausgesetzt du musst nicht arbeiten, keine Hausarbeiten schreiben und hast auch sonst in den Ferien nichts anderes zu tun.

Siehe auch: Stress, Schreibhemmung, Suizid, Schulden, Soziologie, Somnambulismus, Schwangerschaft, schwänzen, Studentenwohnheim

T wie Therapie
Es gibt Probleme, mit denen jeder Student fertig werden muss. Wenn jedoch der Gedanke, eine Prüfung zu absolvieren, plötzlich nackte Panik und Todesangst bei dir auslöst oder dich dein Leben derartig überfordert, dass du dich weigerst, außer zum Toilettengang dein Bett zu verlassen, solltest du dir ernsthafte Gedanken machen. Wenn deine akute Unlust und Niedergeschlagenheit sich schließlich zum Dauerzustand verhärtet haben und keiner deiner Freunde mehr ans Telefon geht, weil sie die endlosen Monologe über deinen seelischen Notstand nicht mehr ertragen können, ist endgültig der Punkt erreicht, an dem du dich darum kümmern solltest, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es gibt inzwischen an jeder Uni Beratungsstellen, die sich um genau solche Fälle kümmern, also hab keine Angst davor, jemanden mit deinen Problemen zu belästigen. Therapie ist kein Allheilmittel, aber trotzdem tut es gut, sich einmal die Woche bei jemandem auskotzen zu dürfen, der dafür bezahlt wird, dir zuzuhören.

Siehe auch: Tutorien, Tütensuppe, THC

Foto: Surian Soosay | Flickr | CC BY 2.0

U wie Ungerechtigkeit
Es ist schwer, mit einer miesen Note fertig zu werden, wenn du wochenlang für eine Klausur gelernt hast. Und es ist noch schwerer, damit umzugehen, wenn jemand anderes bessere Noten bekommt, ohne das Geringste dafür zu tun. Wenn du dich vom Universum verarscht und von deinem Dozenten ungefähr so gerecht behandelt fühlst wie Harry Potter von Professor Snape, bleiben dir nur zwei Dinge übrig: etwas zu unternehmen, oder dich in dein Schicksal zu fügen. Die Welt ist oft ungerecht und du musst damit leben. Die Hauptsache aber ist, dass du deine Energie nicht dafür verbrauchst, dich über etwas zu aufzuregen, was du nicht ändern kannst.

Siehe auch: Universum, Unruhe, Unlust, universitäre Strukturen, und was wird man später damit?

V wie Versagen
Die Angst zu versagen ist oft schlimmer als das Versagen an sich. Eine verpatzte Klausur oder ein Seminar zu wiederholen, sind noch lange keine Gründe dafür, an deinen Fähigkeiten oder deiner Intelligenz zu zweifeln. Wenn du im Laufe deines Studiums allerdings feststellen solltest, dass du mit dem ständigen Druck nicht umgehen kannst oder die Uni einfach nicht dein Ding ist, kann es nicht schaden, dir einen Plan B zurecht zu legen. Schließlich gibt es genügend Jobs da draußen, für die ein Studium keine notwendige Voraussetzung ist.

Siehe auch: Vorausplanung, Vertigo, Verbindungen, Volunteering, Valenz, Vitamine

W wie Wintersemester
Das Wintersemester verhält sich zum Sommersemester ungefähr so wie der katholische Kirchentag zur Fusion. Der Sommer trägt dich mit seinen angenehmen Temperaturen, unzähligen Flirtmöglichkeiten auf dem Campus und der Vorfreude auf drei Monate Ferien auf leichten Schwingen durchs Studium. Der Winter bietet dagegen nichts als Tristesse und die trockene Heizungsluft in den Hörsälen, die dafür sorgt, dass deine Haut unter der Neonbeleuchtung auf den Toiletten extra beschissen aussiehst, ist nur einer von vielen Gründen, um deprimiert zu sein. Anstatt in Winterdepression zu verfallen, solltest du die dunkle Zeit jedoch eher als eine Art Geschenk betrachten. Ein Geschenk, das es dir erleichtert, dich mit vollem Einsatz um dein Studium zu kümmern. Verschiebe alle anderen wichtigen Entscheidungen des Lebens in die Sommermonate und mach es dir mit Tee, Keksen und deinen Büchern zuhause gemütlich. Dem Vorsatz, jeden Tag etwas für die Uni zu tun, steht nun nichts mehr im Wege—draußen verpasst du sowieso nichts.

Siehe auch: Wahnvorstellungen, WG, Wissenschaft

Foto: markus spiske | Flickr | CC BY 2.0

Y wie Yoga
Tu was für dich selbst. Bring deinen Körper und deine Seele in Einklang und finde deinen inneren Frieden. Wenn Verrenkungen und gemeinsames Mantra-Singen nicht so dein Ding ist, tut es auch gelegentliches Joggen oder eine Probemitgliedschaft im Fitnessstudio. Alles, was dich vom Schreibtisch oder der Couch wegholt, ist erlaubt. Dein Körper wird es dir danken.

Z wie Zeit
Befolge einen letzten wohlmeinenden Ratschlag von jemandem, der sein Studium bereits hinter sich hat, und versuche, so gut es dir möglich ist, die Zeit an der Uni zu genießen. Auch dann, wenn dir garstige Dozenten, besorgte Eltern, übereifrige Kommilitonen und deine eigenen Selbstzweifel einen Strich durch die Rechnung machen wollen. Nehme dir außerdem ab und an ein bisschen Zeit, darüber nachzudenken, was du nach deinem Abschluss anfangen willst, damit die Freude über die bestandenen Prüfungen nicht sofort in die Angst vor einer ungewissen Zukunft übergeht. Lass dir sicherheitshalber immer einen Leistungsnachweis offen und exmatrikuliere dich niemals zu früh, denn vorübergehende Arbeitslosigkeit erträgt sich um einiges leichter, wenn du weiterhin günstig krankenversichert bist und mit deinem Studentenausweis überall Rabatte bekommst.

Siehe auch: Ziele, Zukunft, Zopiclon, Slavoj Žižek

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