tech

So hast du Cybersex, den du nicht sofort bereust

Anhand mehrerer Beispiele erklären wir euch ein paar Grundregeln, die man beim Online-Liebesspiel unbedingt beachten sollte.

von Drew Millard
30 September 2015, 4:00am

Foto: Pro Juventute | Flickr | CC BY 2.0

Foto: Pro Juventute | Flickr | CC BY 2.0

Ach ja, die niemals alt werdende Kunst des Cybersex. Was früher einmal nur daraus bestand, dass sich zwei Leute per Instant Messenger mitteilten, was sie gerne miteinander anstellen würden, ist heutzutage zu einem hochkomplizierten Potpourri aus Sexting, Nacktfotos, Video-Chats und Sexytime auf verschiedenen Medienkanälen verkommen. Irgendwie ist Cybersex jetzt vergleichbar mit einem Fleshlight voller fleischfressender Bakterien: Wenn man nicht aufpasst, bereitet einem das Ganze erst großes Vergnügen und anschließend große Schmerzen.

Beispiel 1: Letzten Dezember berichtete die Zeitung Saudi Gazette über Betrüger aus Marokko und Algerien, die saudi-arabische Männer zuerst online verführen und anschließend erpressen. Sie geben sich dabei als vollbusige junge Frauen aus und kontaktieren junge Saudi-Arabier auf Facebook, bringen einen Online-Beziehung in Gang und überreden ihre Opfer schließlich zum Cybersex (bzw. zum Masturbieren während der Skype-Unterhaltung). Im Anschluss drohen die Betrüger damit, den Nachrichtenverlauf und die Wichs-Videos öffentlich zu machen, wenn ihnen nicht eine bestimmte Summe Geld gezahlt wird. Ungefähr zur gleichen Zeit behauptete Adil Tchikitou, ein marokkanisches Parlamentsmitglied, dass eine von einem 17-jährigen Jugendlichen angeführte Online-Gang versucht hatte, ihn zu erpressen—angeblich war die Bande im Besitz eines Videos, das den Abgeordneten im Zuge einer Cybersex-Session beim Masturbieren zeigt.

Was wir daraus lernen: Bevor du dich auf irgendwelche Cybersex-Aktivitäten einlässt, solltest du dich vergewissern, dass die Person vorm anderen Bildschirm auch wirklich die Person ist, für die sie sich ausgibt. Sonst kann es schnell passieren, dass dir eine negative Überraschung bevorsteht—wie eben eine Erpressung oder wohl eher die unangenehme Erkenntnis, dass du von jemandem reingelegt wurdest, den du gar nicht attraktiv findest.

Nehmen wir mal an, dein Cybersex-Partner spielt dir nichts vor. Jetzt ist es extrem wichtig, nicht zu ungestüm zu agieren, denn sonst stehst du schnell als Weirdo da. Achte auf kleine Andeutungen, die deine Internet-Bekanntschaft mit Internet-Vorzügen macht. Wenn sie so etwas wie „In letzter Zeit musste ich oft an dich denken" schreibt, dann antworte am besten mit einem zwinkernden Smiley. Wenn daraufhin ein „Igitt, doch nicht so!" folgt, dann solltest du die ganze Sache lieber ad acta legen. Wenn du allerdings eine Antwort nach dem Motto „Ja, ich finde dich schon ziemlich heiß" erhältst, dann kannst du auf jeden Fall fragen, ob ihr nicht die Webcams anwerfen wollt.

Beispiel 2: 2010 veröffentlichte das Magazin Deadspin Fotos eines halbsteifen Penis, der angeblich zum legendären Football-Quarterback Brett Favre gehörte. Deadspin zufolge hatte Favre, der damals für die New York Jets spielte, die Schwanzfotos an die Sportjournalistin Jenn Sterger geschickt—das Ganze war wohl Teil eines elaborierten (und wiederholt gescheiterten) Verführungsversuchs. Das peinlichste Detail dieser ganzen Geschichte? Auf einem der Bilder trägt Favre augenscheinlich Crocs-Sandalen. Letztendlich hat es die NFL mit ihrer „forensischen Untersuchung" (was auch immer das bedeuten mag) nicht geschafft, Favre mit den Fotos in Verbindung zu bringen.

Was wir daraus lernen: Das Verschicken von Nacktfotos ist ein wahrlich risikobehaftetes Unterfangen. Selbst wenn du die Bilder einer Person zukommen lässt, der du vertraust und die dich liebt, könnte auch diese Liebe irgendwann mal erloschen sein und schon kann diese Person mit deinen Schmuddelbildchen Dinge anstellen, die dir gar nicht schmecken werden (zum Beispiel öffentlich herumzeigen). Ich bin allerdings Kolumnist und nicht deine Mutter. Deswegen werde ich dir hier garantiert nicht verbieten, (erwünschte!) Nacktfotos zu verschicken. Sexting, textilfreie Bilder und so weiter sind intime Dinge, die eine Beziehung aufpeppen und die Partner noch enger zusammenrücken lassen können. Um aber wirklich auf Nummer sicher zu gehen, sollte es im Zweifelsfall nicht möglich sein, die Nacktfotos auf dich zurückzuführen. Das bedeutet, dass darauf keine eindeutig erkennbaren Narben, Muttermale oder Tätowierungen zu sehen sein dürfen. Mach das Bild vor einem unscheinbaren Hintergrund und falls sich deine Crocs irgendwie auf das Foto schleichen sollten, dann schmeiß die Teile einfach in den Müll. Die allerwichtigste Regel bei dem Ganzen ist aber folgende: Dein Gesicht hat auf einem Nacktfoto absolut nichts verloren.

Motherboard: Ex-Partner sind die größte Bedrohung für deine digitale Privatsphäre

Beispiel 3: Folgende Geschichte ist einem VICE-Leser widerfahren, der lieber anonym bleiben möchte. Durch eine Online-Dating-App lernte er eine junge Frau kennen und die beiden kamen ins Gespräch. Eines Nachts stolperte unserer anonymer Freund dann betrunken nach Hause und rief besagte Dating-App auf, nur um festzustellen, dass seine Internet-Bekanntschaft ebenfalls online war. Was daraufhin geschah? Das lasse ich ihn lieber selbst erzählen:

Sie schrieb mir irgendwas von wegen, dass sie total geil wäre und Sex haben wollte. Ich dachte, sie will, dass ich bei ihr vorbeikomme, und meinte deswegen, dass ich mir ja ein Taxi nehmen könnte. Daraufhin antwortete sie jedoch, dass sie Sex über die Chatfunktion der App haben wolle. Alles klar, meinetwegen.

Sie forderte mich auf, ihr ein Bild zu schicken, aber damals war die Kamera meines Handys kaputt. Ihr Smartphone besaß anscheinend auch keine funktionsfähige Kamera und deshalb fing sie schließlich damit an, mir alle nur erdenklichen sexuellen Dinge zu schreiben, die mich irgendwie erregen könnten. Ich wollte eigentlich das Gleiche machen, kam mir dabei jedoch schnell ziemlich dumm vor. Ich meine, wie viele verschiede Möglichkeiten gibt es denn, einer Frau mitzuteilen, dass man gerne seinen Penis in ihre Vagina stecken möchte?

Das Ganze ging ungefähr 15 Minuten lang so weiter und schließlich meinte sie, zum Orgasmus gekommen zu sein. Ich zog mich mit einer Lüge aus der Affäre und schrieb: „Ich auch."

Am nächsten Tag suchte ich dann noch mal nach ihrem Profil, das sie zu diesem Zeitpunkt aber schon komplett deaktiviert hatte.

Was wir daraus lernen: Richtiger, „Ich beschreibe einem anderen Menschen, wie ich ihn ficke"-Cybersex ist verdammt kompliziert. Das liegt zum Teil auch daran, dass man dabei quasi mit einer anderen Person zusammen eine Sexszene schreibt. Und es ist schon ziemlich schwierig, sich bei diesem Unterfangen nicht irgendwie unsicher zu fühlen oder sich wie der letzte Volltrottel vorzukommen. Selbst berühmte Literatur-Klassiker enthalten ein paar richtig peinliche Sexbeschreibungen.

Anstelle der alten „Hey, lass uns ficken, halt bloß online"-Routine, könntest du deiner Bekanntschaft auch ganz konkret erzählen, was du mit ihm oder ihr machen willst (bzw. was er oder sie mit dir machen soll), wenn ihr euch das nächste Mal im echten Leben trefft—das ist viel einfacher. So könnt ihr auch über eine Zukunft nachdenken, in der ihr wirklich Sex habt und nicht nur darüber schreibt. Wenn ihr das Ganze dann später wirklich so durchzieht, ist das außerdem umso schöner. Darüber zu reden, wie ihr mit miteinander ficken werdet, und dann wirklich so miteinander zu ficken, ist eine altehrwürdige Art und Weise, eine Beziehung frisch und verlockend zu halten—selbst in einem Cyberspace, der oft so kompliziert ist, dass Frische und Verlockung unerreichbar scheinen.