Studie

Warum Tagträumer eher dick werden

Wie eine Studie der Vanderbilt University herausgefunden hat, haben Tagträumer aufgrund ihrer aktiven Gehirnverbindungen ein höheres Risiko für Übergewicht.
Phoebe Hurst
London, United Kingdom
20.4.16

Dein Zug kommt mal wieder zu spät. Oder dein Meeting dauert eine gute Stunde länger, weil Max aus dem Marketing unbedingt noch seine Präsentation mit 23 Folien zeigen muss. Dann quatschen dich deine senilen Nachbarn auch noch endlos lange voll, dass ihnen jemand womöglich die Post klaut.

In solchen Situationen ist es schwer, nicht einfach gedanklich abzudriften, in eine bessere Welt, vielleicht an den Strand einer einsamen Karibikinsel. So ein paar Tagträume sind an sich nichts Schlimmes, sie könnten aber der Grund dafür sein, warum einige von uns mehr Speck auf den Hüften haben. Laut einer neuen Studie der Vanderbilt University School of Medicine haben Menschen, die zu Impulsivität neigen und sich dadurch schwerer konzentrieren können, ein größeres Risiko, übergewichtig zu werden.

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Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Heliyon veröffentlicht und hat genauer untersucht, welchen Einfluss die Achtsamkeit auf die Essgewohnheiten von Kindern hat. Dabei wurden die Daten von 38 Kindern zwischen 8 und 13 Jahren ausgewertet—fünf davon waren fettleibig, sechs übergewichtig und der Rest hatte Normalgewicht. Von jedem Kind wurde das Gewicht notiert und sie mussten Fragen zu ihren Essgewohnheiten beantworten.

Die Forscher haben dann mithilfe von MRT-Bildern die Aktivität in bestimmten Gehirnarealen untersucht, die mit Gewicht und Essgewohnheiten in Verbindung gebracht werden: das untere Parietalläppchen, der Frontalpol und der Nucleus accumbens.

Ihre Ergebnisse zeigen, dass fettleibige oder übergewichtige Kinder mehr Gehirnverbindungen zum Bereich des Frontalpols hatten, der auch mit Impulsivität assoziiert wird. Das könnte bedeuten, dass ihre Gedanken schnell abdriften und es so für sie schwerer wird, genau zu wissen, wann sie zu viel gegessen haben.

Bei normalgewichtigen Kindern war das untere Parietalläppchen wesentlich stärker involviert—auch assoziiert mit Reaktionsinhibition—, sodass sie ihre Hungerattacken besser wahrnehmen und unterdrücken können.

BettyAnn Chodkowski, Forscherin an der Vanderbilt University und leitende Autorin der Studie, meint dazu: „Wir wollten genauer wissen, wie die Gehirne der Kinder funktionieren, sodass wir die neurologischen Vorgänge bei adipösen Kindern besser verstehen können."

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In der Studie heißt es weiter, dass Aufmerksamkeitstherapie, also das bewusste Leben in der Gegenwart und eine beobachtende Wahrnehmung der eigenen Gedanken, Kindern, die eine höhere Aktivität im Frontallappenbereich haben, helfen könnte, nicht zu viel zu essen.Wenn durch eine geeignete Therapie den Kindern ihre derzeitige Situation bewusst wird, könnten bestimmte Muster aufgedeckt werden, sodass die Kleinen sich besser an einen strukturierteren Essensplan halten können.

Dr. Ronald Cowan, Professor für Psychiatrie und Autorder Studie, erklärt das folgendermaßen: „Wir glauben, dass durch Achtsamkeitstraining das Ungleichgewicht der Gehirnverbindungen, das mit Adipositas bei Kindern assoziiert wird, ausgeglichen werden kann. Bei Erwachsenen sind die Ergebnisse bisher gemischt, bis jetzt gab es nur wenige Studien, die den Erfolg der Methode auch für Kinder bestätigen."