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Wie die Fanszenen sich gegen Trikots in knallbunten Farben wehren

Diese Saison erobern pinke, lila und neongelbe Trikotfarben die Plätze und Haupttribünen der Bundesliga. Die aktiven Fanszenen lassen ihrem Ärger öffentlich freien Lauf.
7.9.16
Foto: Imago

In dieser Bundesliga-Saison schwirren auf dem Platz und auf den Zuschauerrängen pinke, neongelbe oder lila-farbene Trikots herum. Es zeichnet sich ein Trend ab, dass sich viele Vereine bei der Wahl ihrer Trikotfarben nicht mehr nur ihrer Vereinsfarben bedienen, sondern aus Marketinggründen Modefarben auswählen, die sich besser verkaufen lassen. In den Fankurven der Bundesliga regt sich gerade viel Protest in Bezug auf abweichende Trikotfarben. Wir stellen sie euch vor:

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Hertha BSC Berlin

Für die Berliner Ultragruppierung „Harlekins Berlin" ist diese Saison die Spitze des Eisbergs in Sachen Trikotfragen erreicht. Sie haben ihren Marketingslogan deshalb in einer Stellungnahme von „We try. We fail. We win" zu „WE TRY. WE FAIL. WIE PEINLICH" umgetextet. Die Anhänger von Hertha BSC Berlin lassen sich in dem Brief vor allem über das neue pinke Ausweichtrikot sowie ein orangenes Aufwärmshirt aus, in dem ihre Mannschaft aussähe wie die Müllabfuhr: „,Elf Mülleimer müsst ihr sein' könnte eine weitere neue Imagekampagne heißen, die dann zwar auch wieder nach spätestens zwei Jahren im Sande verlaufen würde, womit aber zumindest wieder ein neuer Kundenkreis akquiriert werden könnte. So heißt das nämlich heutzutage, wenn man davon redet Fans zu gewinnen." Die Harlekins Berlin kritisieren in dem Zusammenhang, dass ihr Verein zwar immer von Tradition sprechen würde, aber letzten Endes externe „Marketingexperten" über die Außendarstellung des Vereins entscheiden ließe. „Hertha B.S.C. ist kein zu vermarktender Softdrink und auch keine Modekette die ihre Klamotten in allen Trendfarben auf den Markt bringen muss", heißt es weiter in dem Schreiben. Die Hertha-Anhänger kämpfen schon seit 1999 gegen Trikotfarben, die von ihren Vereinsfarben abweichen. Sie sehen darin eine Missachtung der Vereinssatzung, die besagt, dass die Vereinsfarben Blau-Weiß sind (§1 Abs 2).

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Hamburger SV

Foto: shop.hsv.de

Auch der HSV läuft seit vorletzter Woche bei Auswärtsspielen in Pink auf. Wie bei den Berlinern löste die Wahl der neuen Trikotfarbe auch in der Hamburger Fanszene Proteste aus. Die Nordtribüne Hamburg bezog in einer öffentlichen Mitteilung zu der Marketingkampagne des HSV Stellung. In rosafarbenen Trikots gewann der HSV 1977 den Europapokal der Pokalsieger. Was ursprünglich als Marketingstrategie gedacht war, um mehr Frauen ins Stadion zu locken, erhielt bald darauf Kultstatus. Bei dem aktuellen Trikot bezweifelt die Nordtribüne Hamburg jedoch, dass mit der Kampagne in erster Linie Frauen angesprochen werden sollen: „Diesmal scheint es nicht darum zu gehen eine weibliche Zielgruppe anzusprechen, sondern einem modischen Trend zu folgen. Auch andere Teams der Bundesliga wollen mit Modefarben die Absatzzahlen ihrer Trikots nach oben treiben. So laufen auswärts diese Saison Bremen in lila und Freiburg in grün auf." Nach Ansicht des Fan-Zusammenschlusses mache die Farbe Pink das Kurvenbild aus den Traditionsfarben Blau, Weiß und Schwarz kaputt.

Mehr lesen: Wir haben HSV-Fans gefragt, was der Hype um das pinke Trikot soll

FC Augsburg

Nach der Kritik aus den Fanlagern von Hertha BSC und dem HSV an deren pinken Trikots regt sich nun auch Protest in den Reihen der Augsburger, deren Auswärtstrikot in dieser Saison neongelb ist. Die Ultragruppierung „Legio Augusta" vom FC Augsburg geht in einem Auszug ihrer Supporter-News sogar noch einen Schritt weiter und spricht von einer „Entfremdung" zwischen dem Verein und seinen Fans. Die Farbauswahl diene der „Gewinnmaximierung des Vereins". Die Legio Augusta nahm das zum Anlass, zum nächsten Auswärtsspiel in Bremen eine Mottofahrt „Alle im rot-grün-weißem Trikot nach Bremen" zu starten. Vor dem Hintergrund, dass der Verein ohnehin alleine durch sein Wappen, das an das Stadtwappen von Augsburg angelehnt ist, mit drei Farben genügend Farbvielfalt für drei verschiedene Trikots zu bieten habe: „Deshalb sind Trikots in vereinsfremden Farben für uns als Fans im wahrsten Sinne des Wortes untragbar, denn sie symbolisieren den Anfang einer Entwicklung an deren Ende die völlige Entfremdung zwischen Fußball und seinen Fans steht." Das gelbe Dress wurde bereits in der vergangenen Saison im Hinrundenspiel gegen Schalke 04 ausprobiert. Zu dem Zeitpunkt wurde es noch als „Sondertrikot in limitierter Auflage" verkauft.

Werder Bremen

Auch das neue lila Auswärtstrikot von Werder Bremen bot innerhalb der Fanszene genügend Gesprächsstoff. Zwar positionierten sich die Ultras nicht öffentlich gegen das Jersey, in Foren gingen die Meinungen über die Farbwahl des Trikots allerdings stark auseinander. Von „Lila als Farbe der Verzweiflung" schloss ein Teil der Anhängerschaft eine Anspielung auf die nicht ganz rund verlaufene letzte Saison. Andere wiederum waren der Meinung, dass es getragen schon gar nicht mehr so schlimm aussehen würde. Einige Bremer Fans wollen dem lila Dress auch eine Chance geben, weil sie mit ausgefallenen Trikotfarben gute Erfahrungen gemacht haben: 2004 gelang beispielsweise das Double in einem grün-orangenen „Papageien-Trikot".

SC Freiburg

Auch Aufsteiger SC Freiburg offenbarte seiner Gefolgschaft in dieser Saison ein Trikot in einer Farbe, die von den normalen Vereinsfarben abweicht: nämlich in moosgrün. Immerhin könnte man hier noch einen Bezug zum Schwarzwald herleiten, irgendwie. Im ersten Auswärtsspiel in Berlin sprachen sich die Fans der Breisgauer mit den Anhängern von Hertha BSC ab und hielten zeitgleich ein Spruchband mit der Aussage „Gegen Trikots in absurden Farben, jeder Verein muss seine Identität bewahren" hoch.

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1.FC Heidenheim

Nicht nur in der ersten Bundesliga, auch in der zweiten Bundesliga formiert sich Widerstand gegen absurde Trikotfarben. Unter den Trikotprotestierenden ist auch der Zweitligist 1.FC Heidenheim vertreten. Die Heidenheimer Ultragruppierung „Fanatico Boys" machte beim Heimspiel gegen die Würzburger Kickers am 26. August mit einem Banner, auf dem „FC Heidenheim deine Farben Gelb-Rot-Blau? Für Trikots in Vereinsfarben" stand, Wind gegen ihr neues gelbes Ausweichtrikot.