katastrophe

Wie die Überlebenden der tödlichen Waldbrände Portugals jetzt vor dem Nichts stehen

Die fünf Tage andauernde Katastrophe forderte Dutzende Menschenleben und zerstörte eine Fläche so groß wie 30.000 Fußballfelder.

von Cláudio Garcia
26 Juni 2017, 11:14am

Alle Fotos: Ricardo Graça

Am Nachmittag des 17. Juni sollte sich das Leben vieler Portugiesen für immer verändern. In Pedrógão Grande, einer kleinen Gegend im Herzen Portugals, breitete sich nämlich ein gefährlicher Waldbrand aus. Das tödlichste Feuer, das das südeuropäische Land seit mehreren Jahrzehnten gesehen hat, brannte fünf Tage lang und tötete 64 Menschen. Dazu kamen noch 200 Verletzte sowie zerstörtes Land in der Größe von 30.000 Fußballfeldern.

Laut den Polizeibehörden begann das Feuer in dem Dorf Escalos Fundeiros. Auslöser war ein trockenes Gewitter, bei dem heftige Blitze einen Baum spalteten. Die Flammen konnten sich dank einer Mischung aus extrem hohen Temperaturen, wenig Luftfeuchtigkeit und starken Winden rasch ausbreiten.

Einige Einwohner von Escalos Fundeiros wollen die offizielle Erklärung der Polizei jedoch nicht glauben. "Ich habe kein Gewitter gehört", sagt die 74-jährige Maria Rosa Onofre. "Das muss ein vorsätzliches Verbrechen gewesen sein." Jaime Marta Soares, der Präsident des portugiesischen Feuerwehrverbands, stimmt dem zu, kann allerdings keine Beweise für diese Theorie liefern. Das Portuguese Sea and Atmosphere Institute (IPMA) hat zwar Anzeichen für ein Gewitter in Pedrógão Grande aufgezeichnet, aber anderen Experten zufolge ist es noch zu früh, um die definitive Ursache der Katastrophe bestimmen zu können.

Die Geschwindigkeit, mit der sich das Feuer in der hügeligen Gegend ausbreitete, hatte niemand erwartet. Laut den Notfalldiensten kamen die meisten Menschen direkt am ersten Tag um. Am schlimmsten hat es die Dörfer Pobrais, Nodeirinho und Verzea getroffen. Und allein 47 Menschen starben auf der Autobahn 236-1, als sie in ihren Autos flüchten wollten.


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In den ersten Stunden waren abgeschiedene Dörfer laut Augenzeugen komplett von den Flammen umschlossen. Es gab dort weder Strom noch Wasser noch die Möglichkeit, Hilfe zu rufen. In den darauffolgenden Tagen erreichte das Feuer dann zwei weitere Bezirke: Figueiró dos Vinhos und Castanheira de Pera. Immer mehr Dörfer wurden evakuiert und Hunderte Menschen verloren ihr Zuhause.

Als ich zwei Tage nach Ausbruch des Feuers durch das Dorf Sobreiro lief, hörte ich die hilflosen Schreie der Menschen, die nur eins machen konnten: dabei zusehen, wie die Feuerwehr versuchte, ihre Häuser zu retten. Alles schien zu brennen, als immer mehr Helfer ankamen. Ihnen bot sich ein Bild des Grauens: ausgebrannte Autos, umgefallene Stromleitungen und niedergebrannte Wälder. Man suchte bereits nach Todesopfern.

"Mal sehen, was uns geblieben ist", meint Rodrigo Luís, dessen Vaters Nutzholzunternehmen von den Wäldern abhängig ist. Nebenan kann Aduzinda Féteira ihre Verzweiflung nicht verbergen, als sie herausfindet, dass ihre Farm komplett zerstört wurde.

Aufgrund der Tragödie hat die portugiesische Regierung eine Staatstrauer von drei Tagen angeordnet. "Wir sind durch die Hölle gegangen", sagt Valdemar Alves, der Bürgermeister von Pedrógão Grande. "Pedrógão Grande und Figueiró dos Vinhos sind sowieso schon von Armut und Perspektivlosigkeit gebeutelt. Jetzt bleibt uns nur noch die Asche. Wir müssen aber nach vorne schauen und an den Wiederaufbau denken. Das Leben geht ja schließlich weiter."


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