Essen

Die Frau hinter dem bekanntesten Kannibalen der Popkultur

Die Künstlerin Janice Poon war Food-Stylistin der Kultserie „Hannibal” und schafft es, dass sogar menschliche Körperteile lecker aussehen.
12.4.16

Die Ästhetik des Barbarischen ist das, was das Food-Styling in Hannibal—der mittlerweile abgesetzten Serie über den belesenen Kannibalen Hannibal Lecter—außergewöhnlich gemacht hat. Ein pinkes und saftiges Stück Fleisch, eingewickelt in ein Bananenblatt und benetzt von einer Granatapfel-Reduktion ließ sogar ein menschliches Bein lecker aussehen. Janice Poon ist die Food-Stylistin, die dafür verantwortlich war, grässliche Verbrechen in köstliche Mahlzeiten zu verwandeln. Nun teilt sie ihre Erfahrungen in einem neuen Kochbuch mit dem Titel Feeding Hannibal: A Connoisseur's Cookbook, das im Oktober erscheinen soll und auf Amazon vorbestellt werden kann.

Als jemand, der gemeinsam mit Freunden chinesisches Essen bestellt und Shrimps gemampft hat, während er sich die Serie angesehen hat, kann ich bestätigen, dass das Essen in Hannibal nicht nur gut aussah, sondern auch ziemlich appetitanregend war—ganz nach Poons Plan.

„Das war immer mein Ziel!", sagt sie mir aufgeregt über Skype von ihrem Home Office in Toronto aus. „Unser Hannibal war einfach unwiderstehlich. Er war böse, aber man musste einen Bissen davon haben."

Das Buch umfasst 100 Rezepte aus der Show, aber auch viele vegetarische Alternativen, für all diejenigen, die nicht so auf Mord und Body-Horror stehen.

Poon arbeitet schon seit ihrer Kindheit mit Essen. Aufgewachsen ist sie in einer kleinen Stadt in Alberta, wo Poons Familie einige Restaurants besaß. Einige ihrer frühesten und liebsten Erinnerungen sind davon, wie sie in einer Bäckerei auf einer Coca-Cola-Kiste stand und Miniaturbackwaren kreierte.

Janice bei der Arbeit.

„Als ich noch zu jung war, um zu sagen: ‚Das ist eklig', habe ich Lebern geputzt", erinnert sich Poon. „Ich hab es einfach getan, weil es mir gesagt wurde: Du putzt jetzt Shrimps und nimmst Hühnchen aus. Statt mit Barbies zu spielen, habe ich Eingeweide geschnitten."

Obwohl sie sich selbst immer als Künstlerin betrachtet hat, war Poon niemals ein Fan des armen Künstlerdaseins: „Ich möchte nicht hungern müssen", sagt sie. Sie hat sich in vielen Bereichen der Kunst versucht. Poon hat als Art Director in einer schicken Werbeagentur gearbeitet, dann als Innenarchitektin und Dekorateurin für eine saudische Prinzessin, dann hat sie einen Laden für Quilts eröffnet und irgendwann kam sie wieder zurück zum Essen.

„Man nutzt sein Know-How und das einzige, was sich wirklich ändert, ist die Berufbezeichnung", sagt Poon. Während unseres Gesprächs erinnert sie mich immer wieder daran, dass „alles dasselbe ist." Sie ist eine Bildhauerin und die Arbeit in Hannibal war einfach eine neue Übung im 3D-Modellieren.

„Es ist wie Skulptur anzufertigen, nur anders herum: Man nimmt etwas dreidimensionales und versucht herauszufinden, wie es zweidimensional am besten aussehen wird", sagt sie. „Bryan sagte, es sollte alles filmisch aussehen. Was er damit meinte, war, dass jedes Bild wie ein Gemälde aussehen sollte."

Der Macher von Hannibal, Bryan Fuller hat ihr bei der Serie ziemlich freie Hand gelassen. Sie las das Drehbuch, sah sich das Set an und ließ ihrer Fantasie freien Lauf.

Wenn man bedenkt, dass sie einem Mann nacheiferte, der einst ein menschliches Bein in Hühnerfrikassee verwandelt hat, dann stellte sich Poon einer ziemlich großen Herausforderung. Sie las Drehbücher und gestaltete dunkle, aber auch humorvolle Stillleben und ließ sich vom Set inspirieren.

„Du gehst ans Set und siehst, dass Hannibal einen Pepitaanzug und eine Paisleykrawatte trägt. Sein Esszimmer ist voller Kronen und Pfauenfedern. All das erzählt mir etwas über die Geschichte", sagt sie. „ Und ich wollte, dass auch die Teller eine Geschichte erzählen. Dieses ganze Ding von Hab Angst vor mir und Respektiere mich: Er war als Charakter einfach der pedantischste Typ, mit dem ich je konfrontiert wurde—in der Fiktion und auch sonst."

Am Ende unseres Telefonats sagt Poon, dass sie gerade die Fotografien für das Kochbuch fertig macht. Sie hat jedes Stillleben und jedes Rezept darin selbstgemacht, was es nicht nur zu einem offiziellen Hannibal-Fanartikel, sondern auch zum einem persönlichen Werk der Künstlerin macht. Neben dem Kochbuch arbeitet sie auch an den Blumenarrangements für eine Hochzeit und malt Bilder für einen neuen Film.

Ihr Arbeit an Hannibal war etwas neues, eine Herausforderung, aber—wie sie sagt—„sind die herausforderndsten Aufgaben auch die dankbarsten. Man hat es getan, weil man es gerne getan hat."