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Menschen

Frankfurt-Spieler knipst Partyfoto vor den Toren von Auschwitz

Eintracht Frankfurt will ihm jetzt Nachhilfe in Geschichte geben.

von Felix Dachsel und Jan Karon
14 August 2019, 10:51am

Foto: Auschwitz: imago images | UPI Photo || Zalazar: imago images | Eibner

Man muss in seiner Karriere schon sehr viele Bälle ins Gesicht bekommen haben, wenn man vor den Toren des ehemalige Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau steht, in dem mehr als eine Million Menschen industriell vernichtet wurden, und für ein Touri-Foto posiert. Man muss noch mehr Bälle ins Gesicht bekommen haben, wenn man dieses Foto mit lustigen Party-Emojis versieht und in seine Insta-Story hochlädt.

Genau das hat der uruguayische Nachwuchsspieler Rodrigo Zalazar getan, der bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag steht und für die anlaufende Saison nach Polen ausgeliehen ist, zum Erstligisten Korona Kielce.

Für ein paar paar Stunden zeigte seine Instagram-Story am Montag folgendes Bild: Zalazar steht in lässigem Freizeit-Look auf den KZ-Schienen, auf denen während der Nazi-Zeit Hunderttausende Menschen in den Tod geschickt wurden. Unter dem Bild: ein Plus-1-Symbol, wie auf einer Gästeliste. Und drei Feier-Emojis. Inzwischen ist die Story gelöscht.

Der Spieler sei zur Rede gestellt worden, sagt Rafał Kielczyk, Sprecher des Vereins Korona Kielce gegenüber VICE. Es sei Zalazar nach dessen eigener Aussage nicht bewusst gewesen, wo er das Foto aufnahm und "welche Implikationen der Ort birgt".

Der Verein reagiert mit einem Entschuldigungs-Video auf Instagram. Darin sieht man Zalazar, wie er reumütig auf dem Trainingsgelände steht und sich in gebrochenem Englisch entschuldigt. Es sei nicht seine Absicht gewesen, Opfer des Holocaust zu beleidigen.

Laut Pressesprecher werde Zalazar 1.000 Euro an die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau spenden. Damit ist der Fall für Kielce offenbar erledigt. "Wir als Klub ziehen keine Konsequenzen aus dem Vorfall, weil wir dem Spieler die Möglichkeit geben wollten, das Fehlverhalten zu kommentieren, und dabei gemerkt haben, wie Rodrigo Salazar sich reumütig zeigte, es ihm leid tat und er sich aufrichtig geschämt hat", sagt der Vereinssprecher Kielczyk gegenüber VICE.

Aber was denkt Eintracht Frankfurt über den Ausfall seines Jungspielers?

Auf Anfrage von VICE antwortet Jan Martin Strasheim, Leiter Medien und Kommunikation bei der Eintracht, man habe erst am Dienstagabend vom Fehlverhalten des Spielers erfahren. "Uns wurde seitens des Spielers signalisiert, dass es sich um ein unbeabsichtigtes, unbedarftes Fehlverhalten ohne bewussten politischen Hintergrund handelt. Nichtsdestotrotz werden wir ihn – gemäß unserer eigenen Klubhistorie und in der Eintracht-DNA verankerten Grundhaltung für eine offene, tolerante Gesellschaft und gegen Rassismus und Antisemitismus – alsbald über die geschichtlichen Hintergründe aufklären."

Hoffen wir also, dass die Nachhilfe so eindrücklich ist, dass Rodrigo Zalazar nie wieder, rein zufällig, ein Party-Foto vor einem ehemaligen Vernichtungslager macht. Und hoffen wir auch, dass es wirklich Zufall war. Und nicht antisemitische Absicht.

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