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(Halb-)Legale Räusche: Engelstrompeten

Selbst wenn ihr auf Dinge wie Todesangst oder Gruppensex mit Aliens steht, solltet ihr das hier definitiv nicht ausprobieren.

von Gitti Schimek
28 November 2014, 10:00am

Foto von josef.stuefer via photopin cc

Die schlimmste Droge unserer Zeit ist ja für viele anhaltende Nüchternheit. Weil aber soziale Ächtung, Beschaffungskriminalität und komplette Abhängigkeit fast genauso schlimm sind, haben viele von uns in ihren rauschverliebten Jugendtagen das eine oder andere Mal zu (halb-)legalen Alternativen gegriffen. Deshalb packen wir ab heute die schwammigsten und schönsten Erinnerungen an unsere „Barely Legal Highs" aus—also zu Räuschen, die zumindest zu der jeweiligen Zeit oder in der jeweiligen Gegend legal waren. Heute gibt es eine kleine Portion Engelstrompeten für euch.

Die Hochblüte der Pubertät ist in Kombination mit einer ordentlichen Portion hormonal bedingtem Stress und dem falschen Freundeskreis der perfekte Zeitpunkt, sich so ziemlich jeden Dreck in den Körper zu kübeln, den es gibt—im Gegenzug für die schmale Hoffnung auf Bewusstseinserweiterung.

Vor meiner Engelstrompeten-Erfahrung bin ich eigentlich nur in den Genuss von jugendlichen Besäufnissen und Kifferabenden gekommen. Der Trip, den dieses wunderschöne Gewächs—Brugmansia auf Latein—ausgelöst hat, war jedoch einer der schlimmsten, den ich in meinem gesamten Leben hatte. Und ich habe später so ziemlich alle Drogen probiert, die einen möglichst weit aus der Realität katapultieren.

Nach einem fetten Streit mit meinen Eltern habe ich damals meine Sachen gepackt, inklusive Engelstrompeten und Stechapfel im Rucksack, und bin per Anhalter zu meinem damaligen Freund gefahren.

Da das ganze Zeug mitten auf unserem Stadtplatz und auch am Bahnhof wuchs, war es jederzeit leicht zugänglich, sofern man überhaupt vom narkotisierenden Potential wusste, das da in der Kleinstadt vor unseren Nasen frei gedeihen konnte.

Ich hatte Glück: Das erste Auto blieb stehen und nahm mich die gesamte Strecke von zirka einer Stunde Autofahrt mit. Netter Typ, der aber etwas später während meines Trips noch eine verstörende Rolle spielen sollte.

Nach der Ankunft packten wir das Grünzeug auf den Tisch und fingen an es aufzukochen, bis ein übel schmeckender Sud im Topf übrig blieb, der die gesamte Wohnung verpestete.

Abgefüllt in ein Halbliter-Glas würgte ich diese ekelhafte Zeug runter. Ich dachte nicht großartig über die auf mich zukommende Wirkung nach, da ich bis auf die paar Joints keinen Vergleichswert hatte. 

Eine gute Freundin kam zu Besuch und sah uns dabei zu,  wie wir uns das Gemisch reinleerten. Ich schlief ein, während sie noch da war oder kurz danach. Das Zeug hat mich hundemüde gemacht und ich konnte mich nicht mehr wach halten.

Als ich etwas später wieder munter wurde, war ich laut meines Freundes unausstehlich. Er meinte, ich sei nicht auszuhalten und er würde mich rausschmeissen, wenn ich mich weiter so aufführe. Nach ewigem Hin und Her gelang es mir, ihn doch zu überreden, mich nicht vor die Tür zu setzen. Wir beschlossen, ins Bett zu gehen und einfach alles auszuschlafen.

Foto:  ​Carl Drougge | ​Flickr | ​CC BY-SA 2.0

Ich war wieder eingenickt, als ich plötzlich aufschreckte, da ich mir sicher war, gerade eine brennende Zigarette ins Bett fallen gelassen zu haben. Als ich sie zu suchen anfing, war mir aber nicht bewusst, dass ich mich gerade mitten in meinem Trip befand.

Natürlich konnte ich keine Zigarette finden, was mich ziemlich stutzig machte. Ich war mir so sicher. Plötzlich waren hunderte bunte Lichter an den Schlafzimmerwänden zu sehen, die im schnellen Wirrwarr durcheinander kreisten. Eine gefühlte Sekunde später stand ich auf einer riesengroßen Wiese. Um mich herum hüpften hysterische Groupie Girls und riefen: „Nehmt mich mit!" 

Dann schwebte ein riesengroßes UFO auf mich zu, das auf der Wiese zu landen drohte. FUCK! Mit einem telepathischen Strahl oder was auch immer—sorry, nie wirklich Star Wars geguckt—wurde ich ins Innere gesogen und ​stand in einem endlosen, weiß blendenden Nichts. Da war nichts, aber auch wirklich gar nichts, an dem man sich auch nur irgendwie orientieren konnte. 

Also fing ich an zu laufen und landete schließlich in einem Raum, in dem meine ganzen Freunde betäubt aufgebahrt auf sterilen Seziertischen lagen, und irgendwie wusste ich, dass sie bald für Forschungszwecke aufgeschlitzt werden würden.

——FILMRISS——

Als ich wieder im Bett zu mir kam, war ich heilfroh, dieser Hölle von perversen Aliens entkommen zu sein. Dieser Engelstrompeten-Trip, vielleicht auch wegen der Mischung mit Stechapfel, war für mich hundertprozentig real. Nie hätte ich diese Bilder als eine Drogenwirkung eingeordnet. Es war alles so klar und scharf vor mir, nichts verschwommen, als wären die Halluzinationen Teil meines täglichen Lebens. 

Inzwischen waren mir auch sicher schon zehn imaginäre Zigaretten runtergefallen, was mich immer wieder hochschrecken ließ. Dann war plötzlich ein Geräusch neben mir und ich dachte einfach mein Freunde wäre wach. Ich war froh, da ich dringend mit ihm reden musste. Aber ich sah stattdessen eine von diesen giftigen Alien-Frauen auf meinem schlafenden Freund sitzen. Sie hatte heftigen Sex mit ihm, wahrscheinlich um sich fortzupflanzen. 

Die Beine dieses Monstrums ragten bis zur Zimmerdecke und sie lachte mir dämonisch ins Gesicht. Jetzt bekam ich es wirklich mit der Angst zu tun. Ich heulte und verkroch mich unter der Decke.

Foto:  ​freddyspaghetti | ​Flickr | ​CC BY 2.0

Als ich durch die Decke einen Stupser spürte, war ich extrem glücklich, dass mein Freund endlich wach war. Doch als ich nachsah, war das nicht er, sondern zwischen mir und ihm kauerte ein kleinkindgroßes ETWAS, komplett übersät mit warzenartigen Wucherungen. 

Dieses Ding hatte pechschwarze Haare und anstatt einer Nase eine seitliche Öffnung am Hals, durch die es mir heiße stinkende Luft ins Gesicht blies. Als diese Gestalt seine Fratze zu mir drehte und mich mit seinen komplett schwarzen Augen ansah, dachte ich sterben zu müssen. 

Es folgten ein Drachenkopf, der durch die Luft schwebte und Feuer spuckte sowie eine ganze Schar an kleinen Horrorfilmwesen, die giftige Stacheln auf mich abfeuerten. Es nahm kein Ende.

Ich sprang aus dem Bett auf und wollte außen herum zur anderen Bettseite meines Freundes laufen, als plötzlich im Spiegelschrank des Schlafzimmers der Anhalter stand, der mich zuvor mitgenommen hatte. „Fürchte dich nicht, komm hier rein in den Schrank ... bei uns bist du sicher!" sagte er zu mir.

Als ich genauer in die Spiegelreflektion schaute, bemerkte ich eine größere Gruppe an Leuten, die gerade ein ziemlich heftiges Gangbang veranstalteten. Irgendwie schaffte ich es dann doch zu der Bettseite meines Freundes und weckte ihn. Wir setzten uns ins Wohnzimmer auf die Couch und versuchten, etwas fernzusehen. 

Foto:  ​Bridget Coila | ​Flickr | ​CC BY-SA 2.0

Doch auch die Ablenkung gelang mir nicht wirklich, da plötzlich die Freundin, die uns bei der Einnahme des Engelstrompetentees besucht hatte,  auf dem Lampenschirm schaukelte. Eine Kartenlegerin saß auch am Tisch und verkündetet mir eine schreckliche Zukunft. 

Langsam wurde der Abstand, in dem mir imaginäre Zigaretten aus der Hand fielen, immer größer. Irgendwann gelang es mir am späten Morgen schließlich, meine Augen zu schließen und für einige Stunden dem puren Horror zu entkommen.

Der ganze Trip zog sich ewig hinaus und ich dachte teilweise, sterben zu müssen. Spätere Erfahrungen mit anderen psychoaktiven Substanzen resultieren nie wieder in einem dermaßen realistischen Trip wie der auf Engelstrompeten. 

Jahre später habe ich erfahren, dass der Bruder einer Schulkollegin wegen Engelstrompeten ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Er und seine Freunde schwebten in Lebensgefahr. Da diese Pflanze nicht zu dosieren ist, reicht oft eine einzige Blüte, um sich eine tödliche Überdosis zu verabreichen. Das ist russisches Roulette.

Nach diesem einem Mal, hatte ich nie mehr wieder das Bedürfnis, Engelstrompeten zu nehmen. Ich rate jedem wirklich davon ab, da es diesen Horrortrip und die Lebensgefahr, der man sich aussetzt, defintitiv nicht wert ist.


Titelbild:  ​Josef Stuefer | ​Flickr | ​CC BY 2.0

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