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Wie die IS-Miliz zum Mord in Österreich aufruft

Paul Donnerbauer

Paul Donnerbauer

In der neuesten Ausgabe des IS-Propagandamagazins "Rumiyah" wird zum Mord an islamischen Glaubensvertretern in Österreich aufgerufen. Wir haben uns das Magazin genauer angeschaut.

Titelbild: Aufruf zum Töten von muslimischen Vertretern in Deutschland und Österreich in der aktuellen Ausgabe von "Rumiyah". Fotos im Original nicht verpixelt.

Anfang März veröffentlichte die Terrormiliz IS die 7. Ausgabe ihres Propagandamagazins Rumiyah. Schwerpunkt der Ausgabe ist der Mordaufruf gegen "Murtaddin", also vermeintlich Abtrünnige, die nicht der Ideologie der islamistischen Dschihadisten folgen. Damit dehnt die Terrormiliz ihre Propagandaaufrufe im Grunde gegen jeden Muslim aus, der ihr nicht die Treue schwört.

In der deutschen Ausgabe von "Rumiyah", das auf Englisch, Russisch, Deutsch, Türkisch, Französisch, Uigurisch, Paschtu und Indonesisch erscheint, werden dabei auch konkrete Personen genannt, die die IS-Miliz ermordet haben will. 

Während in Deutschland vor allem der salafistische Prediger Pierre Vogel zur Zielscheibe der IS geworden ist – vermutlich weil er in der Vergangenheit Anschläge der IS verurteilt hat und seine Sympathien eher der konkurrierenden Terrorgruppe Al-Qaida gelten –, werden als österreichische Ziele konkrete Namen von Politikern und Vertretern des islamischen Glaubens genannt. (Offenlegung: Um die Propaganda der IS-Miliz nicht weiterzutragen und zum Schutz der genannten Personen, veröffentlichen wir deren Namen, sowie den Wortlaut der Drohungen nicht. Die aktuelle Ausgabe von Rumiyah liegt VICE vor.)

Ob die Verfasser der Drohungen in Österreich sitzen, oder aus dem Ausland agieren, ist nicht bekannt. Im Innenministerium will man dazu keine Angaben machen. Allerdings würden solche Drohungen vom Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) registriert, erklärt Pressesprecher Karl-Heinz Grundböck gegenüber VICE: "Das BVT verzeichnet schon seit längerem wiederkehrende und durchaus unterschiedlich formulierte Drohungen gegen Österreich im Allgemeinen, aber auch konkrete Drohungen gegen Personen", so Grundböck.

"Man darf nicht vergessen, dass der in Syrien getötete Österreicher Mohamed Mahmoud auch heute noch Anhänger in Österreich hat, die bereitwillig Informationen an die Terroristen weitergeben."

Was aber bekannt ist, ist, dass Rumiyah vom Al-Hayat Media Center herausgegeben wird. Dabei handelt es sich um ein Art virtuelles Medienzentrum des IS-Miliz, das Propaganda für ausländisches Publikum produziert. Zum einen werden dabei die Artikel und das Bildmaterial im Kampfgebiet der Dschihadisten – also vor allem in Syrien und im Irak – von Mitgliedern der Terrormiliz produziert, die genaue Kenntnisse zu einzelnen Ländern besitzen. 

Zum anderen steckt hinter Al-Hayat auch ein globales Netzwerk an Anhängern und Sympathisanten, die die Terrorgruppe von außen mit länderspezifischen Informationen versorgen und auch selbst an Produktionen mitarbeiten, wie der Terrorismusexperte Thomas Tartsch gegenüber VICE erklärt.

"Durch sogenannte Foreign Fighters – also Kämpfer der IS-Miliz, die zum Beispiel aus Deutschland oder Österreich stammen –, aber vor allem auch durch das Netzwerk der Organisation im Ausland, werden Attentatsziele an die Terroristen übermittelt, die dann in Magazinen wie Rumiyah veröffentlicht werden", so Tartsch.

Der Terrorismusexperte geht davon aus, dass dieses Netzwerk auch über Kontakte in Österreich verfügt, die dann etwa jene Namen übermitteln, die nun in der aktuellen Ausgabe veröffentlicht wurden. "Man darf nicht vergessen, dass der in Syrien getötete Österreicher Mohamed Mahmoud auch heute noch Anhänger in Österreich hat, die bereitwillig Informationen an die Terroristen weitergeben und eventuell auch selbst bereit sind, Anschläge zu verüben", so Tartsch. "Wir haben es hier mit einer globalen Informationssammlung zu tun, die dann im sogenannten Kalifat zusammenfließt, ausgewertet wird und schließlich wieder über Publikationen wie Rumiyah global verbreitet wird."

Wie ausgeklügelt die Propagandamaschinerie der Terroristen dabei funktioniert, zeigt neben den länderspezifischen Inhalten der international erscheinenden Magazine wie Rumiyah auch die Vielzahl unterschiedlicher Magazine, die jeweils einen eigenen Aspekt der Propaganda abdecken und sich an spezifische Zielgruppen richten. So richtet sich das Magazin Istok an die IS-Sympathisanten in Russland, Dar al-Islam erscheint nur auf Französisch, Konstantiniyye ist für die Türkei gedacht und an-Naba wendet sich an das arabsiche Publikum.

"Die unmissverständliche Botschaft lautet: Das Töten von Nicht-Muslimen und Muslimen, die der IS-Ideologie nicht folgen, ist eine religiöse Pflicht."

Auf Deutsch und Englisch erscheint neben Rumiyah auch Dabiq, das bekannteste Propagandamagazin der IS-Miliz. Dabiq, das bisher in 15 Ausgaben erschienen ist, unterscheidet sich inhaltlich deutlich vom Magazin Rumiyah, wie der Terrorexperte Thomas Tartsch erklärt: "In Rumiyah geht es vor allem um das Töten von Nicht-Muslimen und sogenannten Abtrünnigen in Europa und Nordamerika. In seitenlangen Essays wird erläutert, weshalb der Hass auf 'die Ungläubigen' gerechtfertigt und von Allah befohlen sei." Begleitet werden diese Texte mit Ideen für Terroranschläge – wie zum Beispiel mit einem Auto in eine Menschenmenge zu rasen.

Dabiq widmet sich im Gegensatz dazu vor allem der Ideologie der Dschihadisten. In den Texten werden ideologische und theologische Fragen erörtert, über das Leben im sogenannten Kalifat berichtet und die Rechtssprechung der IS-Gerichte erklärt und argumentiert. Während Rumiyah vor allem zu Anschlägen im Westen motivieren soll, werden mit Dabiq Sympathisanten ins sogenannte Kalifat gelockt. Gemeinsam ist den beiden Magazinen allerdings das Narrativ vom Kampf der Kulturen, mit dem die IS-Miliz ihre Anhänger zu mobilisieren versucht.

Rumiyah vermittle Anhängern der Dschihadisten auch in Österreich eine klare Botschaft, so Tartsch weiter: "In diesem relativ neuen Magazin geht es nur noch um die Indoktrinierung und Verhaltensschulung von zukünftigen Attentätern. Die unmissverständliche Botschaft lautet: Das Töten von Nicht-Muslimen und Muslimen, die der IS-Ideologie nicht folgen, ist eine religiöse Pflicht." 

Das zeige gerade die aktuelle Ausgabe des Propagandamagazins sehr deutlich, in dem sie nicht nur zur Verfolgung von Nicht-Muslimen aufruft, sondern auch den Mord an muslimischen Vertretern und sogar radikalen Predigern propagiert.

Paul auf Twitter: @gewitterland

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