Shitstorm gegen das neue Reality-Survival-Format von ProSieben: Was bisher geschah

In den sozialen Medien rollt unter dem Hashtag #stopwildisland auf ProSieben eine Protestwelle gegen die angebliche Tierquälerei bei ‚Wild Island' zu.

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Nov. 5 2015, 11:26am

Foto: Pixabay

Ab Sonntag bringt ProSieben eine neue Survival-Show. Wild Island heißt sie und führt 14 Kandidaten auf eine einsame Insel. Dort kämpfen sie „ums pure Überleben"—das verspricht zumindest der Trailer. Um nicht zu verhungern, bleibt den Teilnehmern—Frauen und Männer im Alter zwischen 21 und 43 Jahren—nur eine Möglichkeit: wilde Tiere auf der Insel jagen, fangen und töten. Im ominösen Trailer zur Show bekommt man einen Sneak Peak: Ein Teilnehmer versucht einen Pelikan mit bloßen Händen zu fangen und ein anderer durchbohrt einen Rochen mit einem Spieß.

Der Trailer löste sofort eine heftige Reaktion aus. In den sozialen Medien rollt unter dem Hashtag #stopwildisland auf ProSieben eine Protestwelle gegen die angebliche Tierquälerei bei der Show zu. Auf Twitter wird ProSieben schon ordentlich zugespammt—der Hashtag gelangte schnell in die deutschen Twitter-Trends. Auch YouTuberin Barbierella empörte sich über Wild Island in einem dreiminütigen Video, in dem sie der Reality-Show einen Verstoß gegen das deutsche Tierschutzgesetz vorwirft und ihre Zuschauer dazu auffordert, diese Message zu verbreiten. Ihr Video ist mittlerweile mehr als 50.000 mal gesehen worden.

ProSieben zeigt sich von der ganzen Sache bisher ungerührt und lässt sich durch den Shitstorm vorerst nicht aus der Ruhe bringen. In Tweets hört sich der Schlagabtausch zwischen ProSieben und den Stopwildisland-Fans etwa so an:

1. Die allgemeinen Vorwürfe zu Beginn:

ProSieben wird Tierquälerei, Unmenschlichkeit und die Instrumentalisierung des Leidens von Tieren für Unterhaltungszwecke vorgeworfen.

2. ProSieben kontert mit einer Stellungnahme, die gleich noch Werbung für die Show macht:

Sich die Sendung erstmal anzuschauen, bevor man ein endgültiges Urteil gefällt hat, ist vielleicht kein ganz so abwegiger Vorschlag. Aber das Argument, dass es jedem freisteht, Tiere zu essen oder nicht zu essen, geht am Kernpunkt vorbei. Tiere zu töten und zu essen, gehört zum Konzept der Sendung. Natürlich kann man sich als Normalbürger bewusst dafür entscheiden, kein Fleisch zu essen, aber die Teilnehmer bei Wild Island werden mit vegetarischer Ernährung wohl nicht weit kommen.

3. Der Shitstorm kommt so richtig in Gang:

Der klassische Meltingpoint eines Shitstorms: Anfeindungen und Beleidigungen.

4. ProSieben zeigt sich weiter unbeeindruckt:

Noch reagiert ProSieben mit lockeren, teils humorvollen Tweets. Die Anmerkung, die moralische Entrüstung über Wild Island sei angesichts der 750 Millionen jährlichen Tiertode in Schlachthöfen vielleicht nicht ganz angemessen, ist durchaus einen Gedanken wert. Doch auf Schlachthöfen kann man (meistens) von einer fachgerechten Tötung ausgehen. Bei Wild Island sieht es nicht danach aus.

Für ProSieben ziehen immer mehr dunkle Wolken auf. Stefanie Lenz von Animal Equality Germany kritisiert: „Ich bin empört darüber, dass ProSieben so eine Sendung schaltet und das Leiden von Tieren zum Entertainment macht." Auch die Tierrechtsorganisation PETA fordert ProSieben dazu auf, die Produktion der Show unverzüglich zu beenden.

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