Wirre Welt

Kiffen gegen den US-Imperialismus

Das Compact-Magazin erschließt gerade eine neue Zielgruppe: Kiffer.

von Stefan Lauer
07 Jänner 2016, 5:00am

Dies ist eine Collage. Wir wissen nicht, ob Jürgen Elsässer eine Cannabis-Brille besitzt und/oder kifft. (Collage: VICE, Brillenfoto: Sarah Schmitt, Elsässer-Foto: Imago/Gergard Leber)

Compact, sonst eher bekannt für Verschwörungsideologien, Hetze gegen die „Asylflut", Homosexuelle und alle anderen, die Chefredakteur Jürgen Elsässer nicht ins Konzept passen, hat ein neues Thema gefunden: Kiffen gegen den US-Imperialismus. Und Mode.

In einem Artikel, der gestern erschien, wird dem geneigten Leser, der sich sonst tendenziell eher damit beschäftigt, Angela Merkel zu hassen und über die „Umvolkung" nachzudenken, erstmal die Signifikanz von 420 erklärt. Diese Zahl wiederum soll jetzt zum neuen Logo der Legalisierungsbewegung werden, wenn es nach einem Fashion-Start-up namens 420in geht.

420in hat uns eine Mail geschickt und (außer auf den Compact-Artikel hinzuweisen) und erklärt, worum es ihnen geht: „Das Deutschland hinsichtlich der Legalisierung nachziehen wird, wird nur dazu führen, dass bereits etablierte Großunternehmen aus den USA den Markt sich hier erschließen werden und somit eine Förderung deutscher Unternehmer fast nicht mehr möglich sein wird."

Und das ist natürlich genau auf der Linie von Compact: Man will schon mal vorbauen, damit, wenn denn Gras legal zu haben ist, nicht der furchtbare US-Imperialismus auf den Plan tritt und gutes heimisches THC amerikanisiert. Zumindest will 420in einen Brückenkopf verteidigen, damit zumindest das T-Shirt-Geschäft in deutscher Hand bleibt. Wo kommen wir denn auch hin, wenn der Ami uns auch noch die Cannabis-Shirts wegnimmt. Dass 420 als Code für Cannabis, Kiffen und alles drum herum aus den USA kommt, ist dabei aber scheinbar niemandem so richtig klar gewesen.

Christian Rupp, Mitgründer von 420in sagt uns am Telefon dann auch, dass er kein Problem hat, dass sein Produkt auf einer Website gelandet ist, auf der man auch ein „Schwarzbuch Lügenpresse" kaufen kann und Pegida und AfD extrem gelobt werden. Rupp sagt, dass er und sein Team Compact nur von Facebook-Posts und der Anonymous-Kollektiv-Seite kennen.

Und nur mal so: Im auf der Facebook-Seite von Compact gerade gepinnten Post geht es darum, dass Angela Merkel zusammen mit „globalen Eliten" Deutschland abschaffen will. Bei Anonymous-Kollektiv spricht man derweil nicht mehr von der „Asylflut", sondern vom „Asyl-Tsunami", und in Kommentaren wird Antifa-Aktivisten der Tod gewünscht.

Screenshot von der Facebookseite Anonymous.Kollektiv

Aber vielleicht ist ja auch nicht alles schlecht. Vielleicht entdecken die „Asylkritiker" und Elsässer-Jünger jetzt Cannabis und entspannen sich eher bei einem Joint als dabei, „Lügenpresse" zu grölen.

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Das Titelfoto ist eine Collage. Wir wissen nicht, ob Jürgen Elsässer eine Cannabis-Brille besitzt und/oder kifft. (Collage: VICE, Brillenfoto: Sarah Schmitt, Elsässer-Foto: Imago | Gergard Leber)