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Motherboard

SilkRoad 2.0 beweist die Sinnlosigkeit des digitalen Kampfs gegen Drogen

Selbst wenn die Behörden an der Onlinefront mit ihrem „War on Drugs" Erfolg hätten und die Seite abschalten, so wäre SilkRoad 3.0 nach 15 Minuten online.

von Brian Anderson
13 November 2013, 8:46am

Foto via Flickr

Es dauerte nur einen Monat, bis SilkRoad 2.0 wieder online war. Mit dieser kurzen Erholungsphase bewies der berüchtigte Online-Schwarzmarkt sein Durchsetzungsvermögen. Aber könnte der neuen Version des „Deep-Web-Basar" ein ähnliches Schicksal widerfahren wie seinem Vorgänger? Aber selbst wenn die Behörden Erfolg hätten mit ihrem „War on Drugs" an der Onlinefront, und die Seite abschalten, so wäre SilkRoad 3.0 nach 15 Minuten online.

Das behauptet zumindest Dread Pirate Roberts, der Anführer und Sprecher von SilkRoad 2.0. Der „neue“ Dread Pirate Roberts hat entweder einfach das Pseudonym übernommen oder er könnte tatsächlich der ursprünglichen Betreiber der SilkRoad sein, der sich dank Anfängerfehlern auf dem Weg ins Gefängnis befindet. Wie dem auch sei, DPR hat nun Mike Power von seiner langfristigen Vision für die Seite erzählte.

Dread Pirate Roberts sieht jedenfalls einen großen Bedarf an einem geprüften und kontrollierten Angebot auf einem Online-Marktplatz, über den eben auch Drogen zu beziehen sind. Die Behörden sollten wieder zu ihren Sinnen kommen und „richtige Kriminelle" jagen, sagt DPR. Solltest du allerdings gehofft haben, etwas mehr über die hinter der Seite liegende technische Struktur zu erfahren, oder gar einen kurzen Blick auf das Backend von SilkRoad 2.0 werfen zu können, dann muss ich dich leider enttäuschen. DPR ist in der Hinsicht ausgesprochen schweigsam.

Trotzdem gewährt er Mike Power einen aufschlussreichen Hinweis auf die regenerativen Fähigkeiten der Seite, die wieder zur Nummer eins unter den Online-Märkten werden möchte. „Du wirst mich jagen—aber frage dich zuerst, ist es das auch wert?“, fragt DPR. „Mich auszuschalten, wird SilkRoad nicht beeinträchtigen":

… Backups wurden bereits ausgeteilt, die gesamte Infrastruktur kann in weniger als 15 Minuten wieder entwickelt werden und du wirst nichts aus unseren Datenbank bekommen.

Der Gedanke, dass SR 3.0—und wenn es soweit kommt, SR 4.0 und 5.0 und 6.0 und so weiter—jederzeit und sofort als Infrastruktur-Klon des Vorgängers wieder auferstehen kann, stellt ein großes Problem für die Strafverfolgungsbehörden dar, die den illegalen Darknethandel insgesamt ausschalten möchten. Senator Tom Carper, Vorsitzender im US-amerikanischen Ausschuss für Innere Sicherheit, fordert dann auch schon eine „flexiblere" Vorgehensweise im Umgang mit Diensten wie SilkRoad. Die Anspielung von DPR auf einen viertelstündigen Reboot ist wahrscheinlich nur eine weitere Erinnerung daran, dass der „War on Drugs" an der Onlinefront nutzlos ist.

Außerdem dienen die offensiven Statements auch dazu, Dread Pirate Roberts und die anderen Administratoren der Seite—bei vielen wird vermutet, dass sie auch schon beim originalen SR dabei waren—von den zwielichtigen Gestalten und anderen Drecksäcken zu unterscheiden, die in Wild-West-Manier mit zwielichtigen Darknet-Angeboten nach der SilkRoad Abschaltung arme Drogennutzer abziehen. Wenn er es nicht aufgebaut hätte, fragt DPR, „wer hätte es dann gemacht? Es gibt doch tausende DPR's, die es für die Sache machen würden?“

Er bezieht sich hier auf die betrügerische Spitze vom Projekt Black Flag. Eigentlich wollten sie der neue Schwarzmarktführer werden, aber Anfang des Monats tauchte der Betreiber auf, der sich MettaDPR nannte, und machte sich mit dem Geld der Nutzer aus dem Staub. Betüger sind immer schnell zur Stelle. Aber eine exakte Kopie des allseits beliebten Dark-Web-Basars wieder Online zu stellen, geht anscheinend auch schneller, als wir es für möglich gehalten hätten.

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