Der teuerste Heimatfilm aller Zeiten: Die G7 in Oberbayern

Rund 20.000 Polizisten kontrollieren sich für geschätzte 130 Millionen Euro selbst und etwa 3000 Journalisten filmen sich dabei—unser „Making-of" zum medialen Zirkus rund um den G7-Gipfel.

|
10 Juni 2015, 11:00am

Letztes Wochenende haben sich die Regierungschefs der sieben sogenannten wichtigsten Industrienationen zum G7-Gipfel getroffen. Das Treffen fand im Schlosshotel Elmau in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen in Bayern statt. Nach den gewalttätigen Ausschreitungen beim letzten Treffen in Deutschland in Heiligendamm (Mecklenburg-Vorpommern) 2007 wurde auch in Bayern mit heftigen Protesten durch G7-Gegner gerechnet. Die Polizei reagierte—mit dem größten Polizeiaufgebot in der Geschichte Bayerns.

Für geschätzte 130 Millionen Euro wurden in Garmisch-Partenkirchen 20.000 Polizisten aus ganz Deutschland zusammengezogen. Die trafen auf 4.000 Aktivisten, die aus der ganzen Welt zum Protest angereist waren. Fünf Polizisten auf einen Demonstranten: ein höherer Betreuungsschlüssel als in der Kita. Der Protest konnte sich kaum entfalten, die Polizei demonstrierte in jeder Situation ihre Übermacht. Gewaltszenen: keine. Dafür oft zu sehen: Polizisten, die Polizisten kontrollieren.

Ebenfalls vor Ort: rund 3.000 Journalisten. Auf der Suche nach der besten Geschichte und den dramatischsten Bildern wurde jeder Grashalm dreimal umgedreht. Als Demonstranten einen kleinen Papierpanzer anzünden, nehmen Fotografen und Kameraleute die Szene unter Feuer als wäre es ein Kriegsschauplatz. Weil die Proteste übersichtlich blieben, filmten Journalisten andere Journalisten, um überhaupt über etwas berichten zu können.

Wir haben dazwischen das Making-of zum wohl teuersten Heimatfilm in der Geschichte Deutschlands gedreht. Location: bayrisches Alpenpanorama. Nebenhandlung: Polizisten kontrollieren Polizisten. Und Journalisten filmen sich selbst.