Ecstasy: Die Pillenwarnungen zum dritten Juli-Wochenende

Es gibt vier neue Testergebnisse und Warnungen für verunreinigte oder extrem hoch dosierte Pillen. Bei einer besteht definitiv Lebensgefahr.

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20 Juli 2018, 2:54pm

Ecstasy-Pillen sollen kontaktfreudig machen. Manchmal ist der Kontakt allerdings ein Notarzt oder eine Notärztin. Fast zwei aus Hundert konsumierenden Briten wurden schon einmal nach dem Konsum ärztlich behandelt. Das gaben Teilnehmende bei der Global Drug Survey 2018 an, der weltweit grössten Umfrage unter Menschen, die bereits Erfahrungen mit Drogen gemacht haben. In manchen Fällen hatten die zu Behandelnden keine Safer-Use-Regeln beachtet, in anderen wussten sie nicht, was in ihren Pillen steckt und waren an extrem hoch dosierte oder verunreinigte Pillen geraten. Drogentest, das sogenannte Drug Checking, hätten da Abhilfe schaffen können.

In Grossbritannien ist Drug Checking nur in wenigen Gemeinden und auf manchen Festivals möglich, in Deutschland ist es illegal. Deswegen haben wir die Drogenwarnungen aus unseren Nachbarländern und aus Grossbritannien zusammengetragen. Getestet wurden die Pillen von der gemeinnützigen britischen Firma The Loop, dem niederländischen Trimbos Institut, "Checkit!" von der Suchthilfe Wien, der Innsbrucker Drogenarbeit Z6, dem Drogeninformationszentrum der Stadt Zürich (DIZ) und der Drogeninfo Bern Plus (DIB+).

Die folgenden Pillenwarnungen wurden in den letzten sieben Tagen veröffentlicht. Alle Warnungen seit Mai diesen Jahres – einschliesslich der neuen – haben wir in einem Artikel zusammengefasst, der hier zu lesen ist und als Lesezeichen gesetzt werden kann. Jede Pille ist entweder hoch oder extrem hoch dosiert, oder sie enthält gar kein oder nicht nur MDMA. Wenn eine Pille nicht gelistet ist, heisst das nicht, dass sie rein und niedrig dosiert ist. Der Artikel enthält zudem eine Reihe sogenannter Safer-Use-Regeln, um unnötige Risiken und mögliche Schäden durch Ecstasy-Konsum zu reduzieren. Wir erklären dort auch, warum wir überhaupt Pillenwarnungen veröffentlichen.

Die Seite pillen.sauberdrauf.com der bayrischen Drogenberatungsstelle mindzone und das Drug-Checking-Tool von saferparty.ch listen viele weitere und ältere Pillentests.

Die Pillenwarnungen der dritten Juli-Woche 2018

Grün-gelbe "Porsche"

Pillenfotos: Checkit! | DIB+ | DIZ | Drogenarbeit Z6 | The Loop | Trimbos || Hintergründe, sofern nicht anders angegeben unter CC0

Hellgrün oder grün-gelb ist die Pille, die das DIZ in Zürich Anfang Juli getestet hat. Sie enthielt die hohe Dosis von 157 Milligramm MDMA.

Blaue "duplo" *LEBENSGEFAHR

Am 7. Juli starb ein 15-jähriges Mädchen in Grossbritannien, drei weitere Jugendliche landeten mit Vergiftungssymptomen im Krankenhaus. Alle vier sollen zuvor blaue Pillen mit der Aufschrift "duplo" genommen haben. Die britische Polizei hat bis heute nicht veröffentlicht, was die Pillen enthalten, die von Darknet-Shops als "reines MDMA" verkauft werden.

Blaue "KTM"

In Zürich wurde Anfang Juli eine blaue Pille mit dem Logo des Motorradherstellers getestet. Der Test ergab eine hohe Dosis von 148 Milligramm MDMA in der Tablette.

Lilafarbene "FC Barcelona"

Die Logos von Fussballclubs finden sich oft auf Ecstasy-Pillen, etwa das von Eintracht Frankfurt. Die lilafarbene "FC Barcelona" ist wohl die am weitesten verbreitete Pille dieser Art, Anfang Juli testete das DIZ eine solche Pille auf 135 Milligramm MDMA, doch es gilt besondere Vorsicht: Ähnlich aussehende Pillen mit gleicher Form, Farbe und Logo wurden in den letzten zwei Jahren mindestens 15 Mal getestet. Der MDMA-Gehalt lag dabei immer höher als beim aktuellen Ergebnis. Eine Pille wurde 2016 in Zürich auf 192 Milligramm MDMA getestet.

Wenn du schon einmal ambulant behandelt werden musstest, nachdem du Drogen genommen hast, (oder Freunde von dir) und du mit VICE über deine Erfahrung sprechen möchtest, erreichst du unseren Redakteur Thomas Vorreyer per E-mail oder Twitter-DM.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE DE.