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Kultur

​Warum die Rückkehr von ‚Dragon Ball‘ die beste Nachricht seit langem ist

Nach 18 Jahren Pause meldet sich eine der Lieblingsserien unserer Kindheit zurück. Fünf Gründe, sich auf ‚Dragon Ball Super' zu freuen.

von Lisa Ludwig
30 April 2015, 8:50am

Foto: Televisione Streaming | Flickr | CC BY 2.0

Ich war gestern ein bisschen aufgeregt, als ich in meiner Twitter-Timeline auf die Nachricht stieß, dass eine DER Serien meiner Kindheit, Dragon Ball, fortgesetzt werden sollte. 18 Jahre nach dem Ende von der dritten und vorerst letzten Staffel Dragon Ball GT—die zugegebenermaßen absolut grauenhaft war—soll schon im Juli dieses Jahres Dragon Ball Super anlaufen. Ab wann man mit einer deutschen Synchronfassung rechnen kann und ob die Serie überhaupt im deutschsprachigen Free-TV zu sehen sein wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist: Den bisherigen, größtenteils positiven Reaktionen der Fans zufolge scheine ich nicht die Einzige zu sein, die den außerirdischen Affenmenschen Son Goku und seine kampferfahrenen Mitstreiter vermisst hat.

Wenn ihr bisher noch nicht bei euren Eltern angerufen habt, um zu fragen, ob eure alten DB-Mangas noch irgendwo im Keller rumliegen—hier kommen die ultimativen Gründe, warum wir uns alle auf Dragon Ball Super freuen sollten:

Go home, Dragon Ball GT. You're drunk. Foto: xmoltarx | Flickr | CC BY-SA 2.0

Die Geschichte knüpft direkt an Dragon Ball Z an

Wirklich viel wissen wir noch nicht darüber, um was genau es in Dragon Ball Super gehen wird. Allerdings soll mit Akira Toriyama der Vater der Comics selbst für die Story verantwortlich sein, die direkt an die Geschehnisse in Dragon Ball Z anknüpft. Genauer gesagt: an den Kampf gegen Buu. Einige Jahre nach dem finalen Kampf der Z-Serie herrscht Frieden auf der Welt—zumindest scheinbar. Denn natürlich wartet der nächste, noch stärkere, noch bösere Gegner auf Goku und sein Team, wobei sicherlich die Frage gestellt werden muss, wie man die komplette Zerstörung der Erde aus der letzten großen Auseinandersetzung noch toppen möchte. Auch deshalb ist es so gut, dass Toriyama selbst den Stift in die Hand genommen hat.

Während nämlich Dragon Ball und Dragon Ball Z zumindest noch auf dem Original-Manga basierten, hatten sich die Serienmacher bei Dragon Ball GT komplett eigene Geschichten ausgedacht—und sind dabei bekanntermaßen komplett freigedreht. Plötzlich sahen die Helden unserer Kindheit aus wie Charaktere aus Jersey Shore und wer auch immer dafür verantwortlich war, Vegeta aussehen zu lassen wie einen Igel auf Steroiden: Ich werde dich finden und ich werde dich töten. Vollkommen zu Recht wurde GT von Fans und Presse nicht sonderlich positiv aufgenommen. Dragon Ball Super könnte also genau die Fortsetzung sein, die alle verbitterten Fans der ersten Stunde brauchen, um dieses dunkle Kapitel der Anime-Historie zu vergessen und sich wieder mit einer der Lieblingsserien ihrer Kindheit zu versöhnen.

Nur wenige andere Serien verzichten so nonchalant auf Inhalt

In dieser Zeit der Überinformation, in der wir Serien konsumieren, wie Betrunkene Cheeseburger in der U-Bahn, gibt es nichts wohltuenderes, einfach mal fünf Folgen am Stück zu bingewatchen, ohne dabei mehr Story schlucken zu müssen als auf den ersten 300 Seiten der Buddenbrooks. Damals hat es einen geärgert, dass über lange Strecken absolut gar nichts passiert ist und ganze Folgen aus einem einzigen, geschrienen Schwachsinnsdialog mitten im Kampf (gerne auch in der Luft) bestanden haben. Mittlerweile empfinde ich diese Mut zum inhaltlichen Stillstand als absolut entspannend. Man war eben kurz von Twitter oder Facebook abgelenkt? Kein Problem, Son Goku kündigt immer noch sein Kamehameha an. Ihr musstet kurz aufs Klo und wart zu faul, den Stream zu pausieren? Nevermind. Vegeta starrt immer noch wütend vor sich hin. Allerdings könntet ihr verpasst haben, wie seine Augenbrauen sich ein bisschen bewegen.

Egal, von welchen Superkräften gerade die Rede war und ob es (mal wieder) um den finalen Kampf um das Schicksal der Erde ging—Dragon Ball hatte immer etwas Gemütliches an sich. Gemütlichkeit mit gelegentlicher Eskalation. Und wenn wir ganz ehrlich sind, ist es genau das, was wir an einem faulen Sonntag im Bett sehen wollen.

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NEUER TITELSONG!!111

Ich gebe es ganz offen zu: Ich kann nach wir vor sämtliche Titelsongs der Serien mitsingen, die ich als Kind jeden Tag nach der Schule geschaut habe. Darunter natürlich Evergreens wie die Openings von Pokémon oder Sailor Moon, ganz vorne dabei waren aber natürlich auch die Intro-Songs aus Dragon Ball. [Anm. d. Red.: Die Autorin hat während der Erstellung dieses Artikels „Cha-La Head-Cha-La" im Loop gehört] Es mag vielleicht meiner Kindheitsnostalgie geschuldet sein, aber: Ich bin mehr als bereit, mein Repertoire an cheesy Titelsongs, die keine 26-jährige Frau auch nur mitsummen können sollte, um einen weiteren schmissigen Ohrwurm zu erweitern.

Niemand muss mehr Beyblade oder Yu-Gi-Oh! schauen

Ich bin ganz ehrlich: Ich bin in der aktuellen Anime-Szene nicht mehr so richtig drin und habe keine Ahnung, was es gerade an absolut abstrusen Over-The-Top-Serien gibt, in denen irgendwelche überzeichneten Personen auf irgendeine Art und Weise gegeneinander antreten. Ich meine, Digimon habe ich schon noch mitgenommen, aber als dann irgendwann Beyblade über die Fernsehbildschirme flimmerte, ein Format, in dem Teenager mit verdammten Kreiseln gegeneinander antreten—da war es genug. Da habe ich gemerkt, dass ich zu alt für die Scheiße bin und endlich erwachsen werden muss.

An einem lauen Samstagnachmittag, irgendwo zwischen Eiswürfel fürs Vortrinken vorbereiten und Nägellackieren, musste ich dann noch die komplett schockierende Feststellung machen, dass die Serienversion der Hunger Games für Kartenspiel-Fans immer noch im Fernsehen läuft. Yu-Gi-Oh! bestand schon immer aus einer verqueren Mischung aus fragwürdigen Sagenfiguren, die in die moderne Welt eindringen, und Kindern, die sich in einem Spiel auf Leben und Tod Monsterkarten um die Ohren werfen. Das einzig Spannende an dem Format war seit jeher, dass sich in jeder Folge neue Spielregeln ausgedacht werden und weil selbst das mittlerweile nicht mehr zu ziehen scheint, spielen sie mittlerweile Karten, WÄHREND SIE MOTORRADRENNEN FAHREN (das denke ich mir nicht aus).

Was soll aus Leuten werden, die mit solchen Formaten aufwachsen? Wo sollen sie lernen, wie man sich ehrenhaft und mit den blanken Fäusten (und Energiestößen. Und durch Transformation in einen Affen und/oder einen blonden Superkrieger mit Heiligenschein) gegenseitig auf die Fresse haut? Genau deswegen brauchen wir Dragon Ball. Echt jetzt.

Wenn ihr zufällig 12 seid und mir glaubhaft versichern könnt, dass sowieso niemand mehr Yu-Gi-Oh! schaut und ihr keine Ahnung habt, was Beyblade ist—umso besser.

Screenshot: Facebook

Endlich neue Übermächtigkeits-Metaphern für deutsche Rapper

Das mag jetzt ein Punkt sein, der dem Gros der Anime-Fans da draußen wahrscheinlich egal ist, aber: Wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann haben Dragon Ball und die deutsche Rapszene ziemlich viel gemein. Schier endlose Auseinandersetzungen zwischen vermeintlich ebenbürtigen Gegnern—und am Schluss gewinnen dann doch immer dieselben (Kollegah, Savas, Bushido, Farid Bang). Die Bosstrafo ist zum geflügelten Wort geworden, wer nicht pumpen geht, dem bleibt nichts anderes übrig, als sich hinter seinem Backpack-Rucksack zu verstecken und wenn wir schon bei Rucksack-Rappern sind: Haben die uns nicht schon immer ein bisschen an den Herrn der Schildkröten erinnert?

Dragon Ball will keine große Geschichte erzählen, es zelebriert die übertrieben inszenierte Auseinandersetzung. Deshalb ist es an der Zeit, dass The Rock als Metapher für absolute Muskelkraft Son Goku weichen muss. Und die etwas smarteren Vertreter können immer noch auf Piccolo oder Vegeta ausweichen. Die waren neben Bulma sowieso die Besten.

Lisa ist ein Popkultur-Junkie. Folgt ihr bei Twitter.

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