Ein Profi erklärt, wie du als Pflanzenmuffel deine Zimmerpflanzen nicht killst

Düngen, Gießen, Licht und Schatten: Wir präsentieren dir die absoluten Basics von einem Experten.

Sehr viele Menschen haben mindestens ein Leben auf dem Gewissen – genauer gesagt ein Pflanzenleben. Schon klar, man muss sie gießen, sie brauchen Licht und die meisten frieren auch nicht so gerne. Aber wie oft muss ich welche Pflanze gießen? Und warum verlieren die Dinger ständig Blätter? René Wadas ist Gärtnermeister, arbeitet seit beinahe 30 Jahren in dem Beruf und ist selbsternannter Pflanzenarzt. Er hat uns alle Trottelfragen beantwortet, damit alle Pflanzenmuffel ihre uninstagramable Zimmerpflanzen nicht mehr ständig im Biomüll beerdigen müssen. 


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Zimmerpflanzen pflegen: Einsteigerpflanzen

VICE: Welche sind die drei pflegeleichtesten Zimmerpflanzen?
René Wadas:
Leuten ohne grünen Daumen würde ich die Schusterpalme, die Glücksfeder und die Monstera empfehlen. Die Schusterpalme braucht ab und zu mal ein bisschen Wasser und Dünger, kann ansonsten aber über Jahre einfach stehen gelassen werden. So ist auch die Glücksfeder, die ebenfalls nur dann gedeiht, wenn man sie vergisst. Die Monstera ist auch einfach in der Pflege. Picasso hatte eine Monstera und immer wenn er auf Reisen war, hat er sie einfach in eine Wanne gestellt. Wenn er wiederkam, hat er sich gefreut, dass die Pflanze wieder ein Stückchen größer geworden ist. Die Monstera hat ja Luftwurzeln, deshalb kann man die Pflanze, wenn man in den Urlaub fährt, einfach in einen großen Wassereimer stellen und dann versorgt sich die Pflanze selbst.

Glücksfeder | Foto: IMAGO / agefotostock

Zimmerpflanzen pflegen: Licht

Woher weiß ich, wie viel Licht eine Pflanze benötigt?
Das zeigt mir die Pflanze anhand der Blätter. Eine Merkregel: Umso dunkler das Blatt, desto schattiger darf die Pflanze stehen und umso weniger Sonne verträgt sie. Umso heller das Blatt, desto mehr Licht braucht die Pflanze. Hat die Pflanze einen Flaum oder ist dickfleischig, kann sie auch in der prallen Sonne stehen.

Gerade im Sommer muss man sich entscheiden: Licht und Hitze oder Dunkelheit und kühle Räume. Ich entscheide mich immer für die Dunkelheit. Wie lang machen meine Pflanzen das mit?
Das machen Ihre Pflanzen natürlich nicht lange mit. Pflanzen brauchen Licht. Erst recht jetzt im Sommer, wenn die Tage so lang sind und die Pflanzen sich Reserven für den Winter speichern, sollte man ihnen das Licht lassen. Wenn man einen kühlen Raum haben möchte, kann man sich einfach große Pflanzen anschaffen. Die lassen Wasser verdunsten und kühlen den Raum – gerade jetzt, da die Energiepreise steigen, ist eine Monstera die günstigste Klimaanlage. Außerdem ist Licht auch gut für den Menschen. Wir brauchen auch Licht, sonst wird man ja gar nicht fröhlich.

Zimmerpflanzen pflegen: Bewässerung

Der Ficus Alii gilt ja als sehr pflegeleicht und deshalb schaffen sich viele Menschen diese Pflanze an. Ich habe absolut keine Ahnung, wie oft ich das Teil gießen soll. 
Grundsätzlich sollte man immer eine Fingerprobe machen: Die oberste Schicht sollte immer angetrocknet sein, dann erst gieße ich nach. Es ist immer besser, mehrmals wenig als seltener viel zu gießen. Steht der Ficus heller, braucht er mehr Wasser, steht er dunkler, braucht er weniger. Im Winter braucht der Ficus kaum Wasser und im Sommer mehr. Übrigens müssen auch Kakteen mal gegossen werden: Im Winter kaum, im Sommer alle vier Wochen ein kleines Schlückchen. Ein Kaktus, der niemals Wasser bekommt, wird irgendwann vertrocknen.

Ich gieße Pflanzen, indem ich Wasser in den Topf kippe. Ist das so in Ordnung?
Es gibt da verschiedene Möglichkeiten. Entweder, man gießt das Wasser in den Topf und dann zieht sich die Pflanze das Wasser nach. Das ist in Ordnung, aber man sollte zwischendurch auch immer mal wieder von oben bewässern. Wenn man nur von unten gießt, werden durch die Kapillarkräfte auch die Nährstoffe nur nach oben und nicht nach unten befördert. Also gerne immer mal wieder ein bisschen durchwechseln. Pflanzen mögen es auch, wenn man die Blätter mit abgestandenem, kalkfreiem Wasser besprüht.

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Ich bin bald für zwei Wochen im Urlaub. Wie überleben meine Pflanzen das im Sommer?
Es gibt da zwei Flaschentricks. Der erste geht so: Man nimmt eine Plastikflasche, bohrt kleine Löcher in den Deckel, füllt die Flasche mit Wasser und bringt sie verkehrt herum über dem Topf an. Dann tropft immer ein bisschen Wasser in den Blumentopf und die Pflanze überlebt. Der zweite Flaschentrick funktioniert mit einer Weinflasche. Die muss man zusammen mit dem Wohnungsschlüssel den Nachbarn bringen und sie um Hilfe bitten.

Stimmt es, dass man manche Pflanzen duschen soll, damit sie sich fühlen, als seien sie wieder im Regenwald?
Man sollte Pflanzen eher nicht duschen, es sei denn man möchte schnell den Staub von den Blättern entfernen. Wenn man sie duscht, dann mit Regenwasser – das ist ganz wichtig. Oder können Sie mir einen Regenwald nennen, in dem es kalkhaltiges Wasser regnet? Pflanzen, die eigentlich im Regenwald stehen, brauchen einen leicht sauren Boden. Dann ist es schöner, die Pflanzen raus in den Sommerregen zu stellen. Regen – die Dusche für die Pflanze.

Zimmerpflanzen pflegen: Erde und Düngen

Muss man Blumenerde wechseln? Wenn ja, wie oft?
Grundsätzlich ist es so: Man wechselt die Blumenerde dann, wenn man umtopft. Umtopfen muss man dann, wenn die Wurzeln der Pflanze unterhalb oder oberhalb des Topfes hervordringen. Wenn dem so ist, nimmt man einen Topf, der zwei Finger breiter ist als der alte und gibt frische neue Blumenerde dazu. Und dann bitte ganz normale Blumenerde. Ohne Firlefanz aus dem Netz mit sogenannten Spezialmischungen. Eine gute Blumenerde kann man daran erkennen, dass die Blumenerde nicht verklumpt und wieder auseinanderfällt, nachdem man sie in der Hand zusammendrückt hat. Bei billigen Blumenerden ist meist so viel Kompost enthalten, dass die Erde ganz matschig ist und darin fühlen sich die Pflanzen nicht wohl. Deswegen: Mit einer normalen mittelpreisigen Blumenerde macht man nichts verkehrt. 

Muss man Zimmerpflanzen düngen? Wenn ja, womit und wie oft? Gibt es Alternativen zu künstlichem Dünger?
Natürlich. Pflanzen leben nicht nur von Luft und Liebe allein, Pflanzen brauchen auch Nährstoffe. In der Natur haben die Wurzeln viel mehr Raum, um sich auszubreiten und auf Nährstoffsuche zu gehen. Bei uns stehen die Pflanzen in einem kleinen Topf und haben diese Möglichkeit gar nicht. Wir müssen die Pflanzen also füttern. Es gibt überall, wo man Pflanzen kaufen kann, auch zahlreiche tolle natürliche, vegane Dünger mit Mineralien und Melasse. Das macht man dann jede Woche, aber immer nur in der Sommerzeit. Sobald die Uhren auf Winterzeit umgestellt werden, hört man auf mit dem Düngen und fängt erst im Frühjahr wieder an. 

Zimmerpflanzen pflegen: SOS

Was kann ich machen, wenn mir meine Monstera (oder ähnliche Pflanzen) über den Kopf wächst?
AIs Gärtner braucht man manchmal leider zwei Dinge: ein hartes Herz und eine scharfe Schere. Man kann die wuchernde Pflanze also einfach beschneiden. Man kürzt Pflanzen immer an einer Blattachse oder dort, wo eine Luftwurzel ist. Den abgeschnittenen Teil kann man dann wieder in Blumenerde eintopfen und dann hat man eine zweite Pflanze, die man zur nächsten Party als Geschenk mitbringen kann. Ansonsten sollten Pflanzen noch beschnitten werden, wenn sie verblüht sind. Wenn man alte Blütenstämme entfernt, kann die Kraft der Pflanze wieder in die Blätter gehen.

Was soll ich machen, wenn die Pflanzenblätter an den Rändern eingetrocknet sind? Den Teil abschneiden? Das ganze Blatt entfernen? Gar nichts tun?
Ich sage immer: nobody is perfect. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Pflanzen. Diese Blattränder entstehen dadurch, dass zu viel oder zu wenig gegossen wurde oder es wird ein Nährstoffmangel angezeigt. Die braunen Blattränder sind eigentlich ein gutes Warnzeichen und man muss dann selbst erkennen, was man falsch gemacht hat. Wenn ich weiß, dass ich nie gedüngt habe, dann weiß ich durch die braunen Ränder: ich muss jetzt düngen. Wenn ich zu wenig gegossen habe weiß ich: ich muss jetzt gießen. Wenn ich sehr viel gegossen habe – Sie ahnen es – weiß ich: ich muss weniger gießen. 

Gibt es Zimmerpflanzen, die im Winter Blätter fallen lassen, egal was man macht?
Pflanzen lassen entweder Blätter fallen, weil es die Natur so vorgibt oder weil ein Mangel besteht. Zimmerpflanzen sind ja meist immergrün. Die dürfen hier und da mal ein paar Blätter verlieren, aber wenn zum Beispiel im Winter übermäßig Blätter abfallen heißt das, dass im Sommer nicht genügend Reserverstoffe eingelagert wurden. Das heißt, wir haben nicht genug gedüngt. Damit die Pflanze nicht stirbt, schmeißt sie dann erstmal alle Blätter ab, die sie nicht zum Leben braucht. Wenn es ganz schlimm wird, werden einige Pflanzen eine Notblüte bilden. Die ist da, um die Art zu erhalten. Bei einer Zimmerpflanze wird das aber nicht so gut funktionieren, weil die Blütensamen ja nicht durch Wind oder Tiere verstäubt werden. 

Welche weit verbreitete Zimmerpflanze sollte ich auf gar keinen Fall essen?
Die Dieffenbachia. Das ist eine unglaublich giftige Pflanze, die sehr weit verbreitet ist und in jedem Wohnzimmer steht. Wenn eine Katze daran knabbert, liegt sie danach neben dem Blumentopf. Und Menschen sollten daran auch nicht knabbern. Wenn man ein bisschen dran leckt, bekommt man vielleicht nur Bauchschmerzen, aber ich würde es nicht drauf ankommen lassen. 

Dieffenbachia | Foto: IMAGO / agefotostock

Welcher häufige Fehler bei der Pflanzenpflege lässt sich leicht vermeiden?
Düngen. Die meisten düngen ihre Zimmerpflanzen nicht. Das ist immer wieder der Fehler. Punkt zwei ist zu viel Wasser.

Zimmerpflanzen pflegen: Liebe

Welche Zimmerpflanze hat ihren Hype nicht verdient?
Jede Pflanze hat jeden Hype verdient. Und jede Pflanze braucht einen Hype. Es ist ganz wichtig, dass wir uns mit Pflanzen umgeben. Ich bin der Meinung: Menschen, die sich mit Pflanzen umgeben, sind nette Menschen. Es kann nie genügend Pflanzen geben. Man muss einfach nur wissen, was die Pflanze braucht und dann wird das auch ein nachhaltiges Vergnügen. Anfänger sollten eben einfach starten und sich nicht irgendwelche tropischen Raritäten ins Haus holen. Außerdem muss man lernen zu scheitern. Das passiert und das ist auch nicht schlimm. Aus Fehlern lernt man.

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