Politik

Ein ukrainischer Matrose hat offenbar versucht, die Superjacht seines russischen Chefs zu versenken

Die sieben Millionen Euro teure 'Lady Anastasia' gehört dem Vorstandsvorsitzenden eines russischen Rüstungskonzerns.
KE
SG
Eine Superjacht vor einer weißen Steilküste, auf Mallorca hat am Wochenende ein Matrose versucht, die Jacht seines russischen Chefs zu versenken.
Das ist nicht die 'Lady Anastasia', die der ukrainische Matrose versenken wollte, sie sieht aber ähnlich aus | Symbolbild: Claudio PoggioUnsplash
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Aus Wut über Russlands Angriffskrieg in der Ukraine hat ein ukrainischer Matrose am Wochenende versucht, auf Mallorca die Jacht eines russischen Tycoons zu versenken. 

Der Mann war Maschinenwart auf der Superjacht Lady Anastasia. Am Samstag soll er ein Video gesehen haben, in dem ein russischer Marschflugkörper ein Wohnhaus in Kiew trifft.

Der Matrose soll davon überzeugt gewesen sein, dass die Rakete aus dem Video vom Unternehmen von Alexander Mikheew hergestellt worden war, dem Eigentümer der Lady Anastasia. Der 55-jährige Maschinenwart, der seit zehn Jahren zur Crew der Superjacht gehört, habe daraufhin entschieden, selbst aktiv zu werden. Das berichtet die spanische Zeitung El Pais, die sich auf das Geständnis des Mannes beruft.

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Als das Schiff im edlen Jachthafen Port Adriano auf Mallorca lag, soll der Matrose ein großes Ventil im Maschinenraum und ein weiteres im Mannschaftsquartier geöffnet haben. Um eine größere Umweltverschmutzung zu verhindern, habe er außerdem die Treibstoffventile geschlossen und die Elektrizität abgeschaltet. Dann habe er die restlichen Crewmitglieder aufgefordert, das Schiff zu verlassen. 

Die anderen Besatzungsmitglieder hätten ihn als Antwort auf seine Evakuierungsaufforderung allerdings für verrückt erklärt, heißt es in einer Stellungnahme, die der ukrainische Matrose am Sonntag vor einem spanischen Gericht abgab. Daraufhin soll er die Mannschaft daran erinnert haben, dass auch sie Ukrainer seien und ihr Land angegriffen werde. Er würde volle Verantwortung für die Schäden an der Jacht übernehmen. 

Trotz aller Bemühungen der anderen Crewmitglieder und herbeigeeilter Hafenmitarbeiter, das Eindringen des Wassers aufzuhalten, ging die Lady Anastasia teilweise unter.

"Mein Boss ist ein Verbrecher, der Waffen verkauft, die Menschen in der Ukraine töten", sagte der Maschinenwart bei seiner Festnahme. 

Alexander Mikheev ist CEO von Rosoboronexport, Russlands staatlichem Rüstungs-Exporteur und einem der größten Unternehmen im internationalen Waffengeschäft. Davor stand Mikheev dem Unternehmen Russian Helicopters vor, das zivile und militärische Hubschrauber herstellt.

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Die Lady Anastasia ist eine sieben Millionen Euro teure Luxusjacht, die 2001 vom Stapel lief. Sie ist 48 Meter lang, luxuriös eingerichtet und soll bis zu zehn Gäste in fünf Kabinen beherbergen können. 

Vor Gericht gab der Matrose an, dass er lediglich vorgehabt habe, "Sachschaden" zu verursachen. Den Besitzer habe er zu keinem Zeitpunkt körperlich schaden wollen. Als Motiv gab er Rache an.

"Sie haben Unschuldige angegriffen", sagte er vor Gericht. "Ich bereue nichts, was ich getan habe, und ich würde es wieder tun." 

Der Matrose wurde am Sonntag nach seiner Anhörung wieder entlassen. Bislang ist unklar, wie die Anklage lauten wird.

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