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Abheben mit Dr. DMT

Dr. Rick Strassmann hat Hunderte Patienten auf ihrem DMT-Trip begleitet. Was sie ihm dabei berichtet haben, überstieg sogar sein buddhistisch geschultes Fassungsvermögen.

von Gabriel D. Roberts
04 April 2014, 10:48am

Dr. Rick Strassman, Autor des Buches DMT - Das Molekül des Bewusstseins, ist verantwortlich für die bahnbrechende Erforschung von Dimethyltryptamin, die nach Dekaden der Stagnation die legalen Türen für das ernsthafte Studium von Psychedelika öffnete. Zwischen 1990 und 1995 half Dr. Strassman 60 Patienten dabei, den „Sprung ins Nichts“ zu wagen. Dabei dokumentierte er ihre Erfahrungen an der medizinischen Abteilung der Universität von New Mexico. Abgesehen von seinen wissenschaftlichen Observationen hat er auch angeregt, dass DMT etwas mit den Geschichten von Entführungen durch Außerirdische zu tun haben könnte, und dass der Erguss von DMT aus der Pinealdrüße in den Fötus etwa sieben Wochen nach der Empfängnis „den Eintritt des Geistes markiert”.

Mein drittes Buch, The Quest for Gnosis, wurde letzten Monat veröffentlicht und enthält Interviews mit vielen führenden Köpfe des psychedelischen Studiums, inklusive Dr. Strassman. Seine Arbeit war ein tiefgehender Einfluss auf mein eigenes Leben und meine Forschung, und ich fühlte mich privilegiert, mit ihm über DMT, ekstatische Zustände, Begegnungen mit Aliens, Religion, Tod und die Legalisierung von Psychedelika zu sprechen. Die unten stehende Konversation ist ein Auszug aus dem Buch, das du hier kaufen kannst. 

Eine junge Frau, die DMT raucht und wahrscheinlich gerade Gott sieht. Foto von John Barclay.

VICE: Sie haben das bahnbrechende Buch DMT - Das Molekül des Bewusstseins geschrieben, und ihnen wurde die erste klinische Studie von Psychedelika seit 20 Jahren genehmigt. Wie fühlte es sich an, wenn so viele Erwartungen auf der Forschung lasten?
Dr. Rick Strassman: Ich fühlte eine Menge Verantwortungsbewusstsein, aber gleichzeitig wusste ich, dass die Leute, die sich meiner Forschung bewusst waren und sie beobachteten, relativ wenige waren. Ich war gar nicht für so viele Menschen verantwortlich—auch wenn die längerfristige Wirkung meiner Forschung mir das Gefühl gab, verantwortlich dafür zu sein, die Studie mit höchster Vorsicht und Strenge durchzuführen. Außer sicherzustellen, dass es keine negativen Nebenwirkungen gibt, war der Grad an Observation und Überwachung handhabbar. Ich erkannte die Wichtigkeit meiner Arbeit für die Zukunft des psychedelischen Studiums in Amerika. Deshalb wollte ich sicherstellen, dass die Studie so transparent wie nur möglich durchgeführt wird. So fühlte es sich an, als wäre die Verantwortung auf alle, die an dem Prozess beteiligt waren, aufgeteilt. 

Es gibt eine große Debatte darum, ob die psychedelische Erfahrung komplett im eigenen Denken stattfindet oder möglicherweise auch nach außen wirkt. Können Sie ein Beispiel in Ihrer Forschung angeben, das die eine oder die andere Seite unterstützt? 
Ich glaube mittlerweile nicht, dass es möglich ist, objektiv zu entscheiden, wie viel dessen, was wir unter dem Einfluss psychedelischer Drogen erleben, intern generiert oder extern erlebt ist. Es würde Sinn für mich machen, das Phänomen als Spektrum zu sehen. Es gibt Zeiten, in denen unsere eigene Persönlichkeit überwiegt, anstatt sich bewusst über etwas Externes zu sein. Machmal jedoch ist das, was wir sehen, extern und nicht selbst-generiert. Es ist jedoch unmöglich, strikt das eine oder andere zu haben. Ohne unsere Lebenserfahrungen und unseren biologischen Aufbau könnten wir das, was wir sehen, nicht entschlüsseln. 

Marsha zum Beispiel, eins unserer DMT-Subjekte, hatte eine tiefgreifend psychedelische Vision von Schaufensterpuppen aus den 1890ern auf einem Karussell. Durch etwas Befragung entschieden wir, dass die Vision genau so viel mit ihrem eigenen Körperbild im Kontext ihrer Ehe zu tun hatte wie mit etwas Metaphysischem. Chris, ein weiterer Freiwilliger in der Studie, betrat ein seliges, gelb-weißes Licht und wurde eins mit ihm. Er hatte aber sehr wenige Visionen, die er mit persönlichen psychologischen Themen assoziieren konnte. 

Zur Zeit Ihrer Forschung mit DMT waren Sie ein Buddhist. Welche Vorteile brachte Ihr spiritueller Pfad zusammen mit dem wissenschaftlichen, falls überhaupt irgendwelche?
Heutzutage bin ich kein aktives Mitglied einer Zen-Organisation mehr. An den meisten Tage praktiziere ich Sitzmeditation. Auf jeden Fall wäre ich unfähig gewesen, ohne meine buddhistische Ausbildung ernsthaft die hebräische Bibel zu studieren. Während die Dinge, die meine DMT-Freiwilligen berichtet haben, über mein buddhistisches Verständnis hinausgingen, half mir die meditative Praxis zu entscheiden, wie wir die Drogensitzungen überwachten. Aus Sichtweise der Ergebnisse waren die Interaktion während meines Sitzens—einer spirituellen Praxis, die aus einer gut charakterisierten Religion kommt—und die Art und Weise, wie ich Informationen als Wissenschaftler erhalten und analysiert habe, verbunden. Die größte Auswirkung darauf, wie ich unsere Ergebnisse interpretierte, war die Entwicklung unserer Bewertungsskala für die Wirkung des DMT. Sie basierte auf psychologischen Konzepten des Buddhismus und wies auf zukünftige Studien hin, die die pharmazeutischen Grundlagen des buddhistischen Skandhas auseinandernehmen könnten. 

Gnosis im traditionellen Sinne ist ein experimentales Wissen, das die Notwendigkeit für „blinden Glauben“ eliminiert. Wie wichtig, falls überhaupt wichtig, ist Gnosis in diesem Sinne für das spirituelle Streben?
Wenn Sie von Gnosis als eine bestimmte Art spiritueller Erfahrung reden, könnte sie als Ziel der spirituellen Praxis funktionieren. Damit Gnosis wichtig sein kann, muss die Information, die sie enthält, übertragbar sein. Ich sage das aus mindestens zwei Gründen: Um die Erfahrung als tatsächlich gnostisch zu verifizieren, und um andere zu lehren und zu ermutigen. 

Wie soll unsere Gesellschaft deiner Meinung nach in Zukunft mit Psychedelika umgehen? Graham Hancock beispielsweise behauptet, dass die Fähigkeit, unser eigenes Bewusstsein zu erkunden, ein grundlegendes menschliches Recht ist und dass wir legalen Zugriff auf diese Substanzen verlangen sollten. Was ist Ihre Meinung dazu, sowohl als Bürger als auch als Wissenschaftler? 
Psychedelika können potenziell destabilisierend wirken, und sie zu nehmen oder zu verabreichen, erfordert eine solide Ausbildung, um das Optimum an positiver Wirkung und das Minimum an negativer zu erreichen. Man könnte also zum Beispiel spezialisierte Zentren für diese Art Ausbildung aufmachen. Die verschiedenen Settings könnten religiös, kreativ, psychotherapeutisch und so weiter sein. 

Inwiefern verändert Glaube die Testergebnisse und wie halten Sie, als Wissenschaftler, Ihre eigenen Vermutungen zurück, um das objektivste Testergebnis in Ihrer Forschung zu erhalten, das möglich ist? 
Generell können Testergebnisse nur schwer durch den Glauben verändert werden. Man könnte eine Studie erstellen, die basierend auf dem eigenen Glauben eher bestimmte Ergebnisse erbringen würde, die den eigenen Glauben bestärken. Oftmals wirkt sich der eigene Glaube auf die Interpretation dieser Ergebnisse aus. Die Statistiken unserer DMT-Studie teilten wir in Objektiv und Subjektiv auf. Oder eher gesagt, verwandelten wir das Subjektive in das Objektive durch unsere Bewertungsskala. So hatten wir dann objektive Statistiken, die wir auf verschiedene Arten analysieren konnten. In meinem wissenschaftlichen Werk waren meine Ergebnisse mit den Modellen, in denen die Studien stattfanden, abgestimmt: Menschliche Psychopharmakologie, Psychometrik und Psychologie. Ich schlug verschiedene Erklärungen für unsere Funde für zukünftige Forschung vor, um zu helfen, unbeantwortete Fragen zu lösen. 

Schließen wir mit der uralten existenziellen Frage: Was, glauben Sie, passiert, wenn wir sterben? Warum sind wir hier? 
Der Gründer des japanischen Zen, Dogen, sagt, dass unser Tod nur ein weiterer Moment in der Zeit ist. Das Leben geht ohne uns weiter. Allerdings hat unser Einschlag das Potenzial, unsterblich zu sein. Einer meiner Lieblingsautoren ist Olaf Stapledon, der vorschlug, dass unsere Aufgabe auf der Erde ist, kreativ mit unserer Umwelt zu interagieren. Maimonides, einer meiner Lieblingsphilosophen aus dem Mittelalter, erinnert daran, dass das Universum nicht für die Menschheit erschaffen wurde. Das lässt uns viel Spielraum.