Brasilien tobt, weil Profiklub den Kopf eines Mordkomplotts ins Tor stellt

Bruno de Souza gab den Mord an seiner Freundin in Auftrag und ließ sie an seine Hunde verfüttern. Der ehemalige Star-Torhüter heuert jetzt bei einem neuen Klub an, weil er nur 7 seiner 22 Jahre absitzen musste.

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14 März 2017, 12:05pm

Foto: Imago

Torhüter Bruno Fernandes das Dores de Souza hat einen Vertrag beim brasilianischen Zweitligisten Boa Esporte unterschrieben. Was sich nach einem völlig normalen Transfer anhört, sorgte nun in ganz Brasilien für einen Aufschrei. Der ehemalige Keeper von Spitzenteams wie Flamengo und Atlético Mineiro müsste nämlich eigentlich noch 15 Jahre im Gefängnis sitzen – wegen einer Beteiligung an einem Mord. Aber von Anfang an.

Im Jahr 2010 verschwand Brunos damalige Freundin Eliza Samudio spurlos und er wurde verdächtigt sie ermordet zu haben – auch wenn die Leiche der Frau bis heute nicht gefunden wurde. Zuvor soll sie sich geweigert haben ein gemeinsames Kind abzutreiben und sie suchte nach der Geburt des Kindes die finanzielle Unterstützung des Torhüters. Im Jahr 2013 gab der damals 26-Jährige Torwart dann jedoch zu, von der Tat gewusst zu haben und sie in Kauf genommen zu haben. Zur Vertuschung der Tat soll die Leiche der Frau zerstückelt und unter anderem an seine Rottweiler-Welpen verfüttert worden sein. Bruno aber beteuerte weder Täter noch Auftraggeber gewesen zu sein. Das glaubte ihm jedoch keiner: Von einem Gericht wurde er zu einer Haftstrafe von 22 Jahren und drei Monaten verurteilt, weil er Auftraggeber für den Mord gewesen sei.

Das Urteil schlug in ganz Brasilien Wellen, auch weil Bruno – der auch immer wieder mit europäischen Topklubs wie dem FC Barcelona in Verbindung gebracht wurde – vor einer großen Profikarriere stand. Nun wurde der 32-Jährige nach sieben Jahren (mit Anerkennung seiner dreijährigen U-Haft) wegen seiner „tadellosen Vergangenheit" vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen und konnte sogar einen neuen Verein finden. Dafür muss auch die brasilianische Justiz ziemlich viel Kritik einstecken. Warme Worte oder Reue waren bei seiner Entlassung übrigens kaum zu erkennen: „Ich habe viel Lehrgeld bezahlt, es war nicht einfach. Aber diese Erfahrung wird mir weiterhelfen. Ich sehe es nicht als Strafe, sondern als lehrreiche Erfahrung", sagte Bruno. Nur um dann zu erklären: „Egal wie lange ich nun im Gefängnis war, eine lebenslange Strafe hätte sie auch nicht wieder lebendig gemacht."

Vor seiner Verurteilung gehörte Bruno de Souza zu den besten Torhütern Brasiliens.

Nun heuert er unter Protesten im Land beim brasilianischen Zweitligisten Boa Esporte an. Rone Moraes da Costa, Präsident des Klubs, verteidigte die Entscheidung des Vereins übrigens und behauptet, dass sie Bruno nur die Möglichkeit geben wollen, damit er zeigen kann, dass er sich gewandelt hat. Dabei widersprach er auch den den Vorwürfen, dass der Fußball Einfluss auf die vorzeitige Freilassung hatte: „Boa Esporte war nicht für die Freilassung und die Freiheit des Athleten verantwortlich", erklärte er ZH Sports.

Ob es eine gute Idee ist einen Mann unter Vertrag zu nehmen, der eigentlich noch 15 Jahre sitzen müsste und einen Mord in Auftrag gab, ist höchst fragwürdig. Der Verein hat im Land damit eine Kontroverse entfacht und hat mit viel Gegenwehr zu kämpfen. Der Sponsor Nutrend, ein Ernährungsergänzungsmittel-Unternehmen, zog schon die Reißleine und beendete die Zusammenarbeit mit Boa Esporte. Auf Facebook wird der Klub zudem mit tausenden Hass-Kommentaren zugetextet und eine Petition, die gegen ein Profi-Comeback des Torhüters ist, wurde schon von über 34.000 Menschen unterschrieben.