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Kokain

Durch die Nase: Auch beim Ziehen gilt Safer Use

Viele Menschen konsumieren Drogen nasal. Doch wie sieht in diesem Fall Aufklärung und Schadensminimierung aus?

von Samantha Tobisch
14 November 2016, 2:55pm

So macht man es nicht. Warum, liest du unten. Foto: imago/blickwinkel. Dieser Artikel ist zuerst bei Noisey Alps erschienen

Erfreulicherweise ist Safer Use ein immer wichtigeres Thema geworden. Viele Nutzerinnen lesen bereits auf Seiten wie zum Beispiel CheckIt nach, was sie da eigentlich konsumieren. Oder inwiefern die verschiedenen Partysubstanzen die Gesundheit beeinträchtigen. Es gibt Infos darüber, wie du Folgeschäden von Ecstasy durch bewusst eingeschränkten Konsum vermeiden kannst (mindestens acht Wochen Abstinenz) und darüber, ob und wie dein Bier zu deinem Joint passt. Kurzum: In Sachen Mischkonsum, Wirkung und Portionierung sind viele hoffentlich schon etwas belesen. Aber wie sieht es mit dem Thema "Safer Sniffing", dem Verhüten beim nasalen Konsum von Drogen, aus?

Hast du gewusst, dass du dir durch das Teilen des "Ziehrohrs" Hepatitis C holen kannst? Auch Herpes oder Erkältungen haben es durch weitergereichtes Ziehbesteck einfacher, deiner Gesundheit eins draufzusetzen. Deine Nase und die Nasenschleimhaut machen enorm viel mit, wenn du regelmäßiger Konsument bist und es gibt Wege, sie ein bisschen zu pflegen und dich damit zumindest etwas zu schützen.

Es gibt ziemlich witzige Ziehgeräte. Dieses hier bekommst du bei Formax420 über Amazon.

Und nein, Drogen an sich sind nicht cool, aber wenn du konsumieren solltest, ist es cool, wenn du das wenigstens so sauber wie möglich machst und dir selbst nicht ganz scheißegal bist. Wenn dich das Gesetz schon nicht abschreckt, dann solltest du zumindest eigenverantwortlich handeln.

Ich bin zur CheckIt-Homebase gefahren und habe mich dort mit Karl Kociper zum Thema "Safer Sniffing" unterhalten. Diese Hinweise sind dabei herausgekommen:

Das Ziehgerät sollte exklusiv bleiben

Sharing is caring—aber Krankheiten machen vor großzügigen Gesten keinen Halt. Du bestimmts über dein Ziehrohr. Das kannst du dir aus einem Strohhalm zusammenschneiden (aber aufpassen, kann scharfe Kanten haben—Verletzungsgefahr) oder dir extra ein professionelles Ziehgerät aus Glas oder Metall zulegen. Wenn du ein eigenes Röhrchen hast, dann reinige es regelmäßig. Pfeifen-putzende Gerätschaften sind dafür optimal.

Solltest du oder dein Zieh-Buddy nichts zum Durchziehen parat haben, nimm trotzdem keine Geldscheine, die waren schon in allen möglichen Händen und Ortschaften oder in Händen, die an allen möglichen Ortschaften waren—nicht so lecker, oder? Vorsicht ist überhaupt auch vor dem 10-Euro-Schein geboten, in dem sind giftige zinnorganische Verbindungen enthalten. Nimm bitte lieber einen Fahrschein oder Flyer.

Und wie gesagt: Auch wenn du dir denkst, einmal ist keinmal—oder du grad so viel Liebe empfindest und überzeugt bist, sie könnte alles besiegen: Ruf dir selbst auch einfach so unangenehme Realitäts-Watschen wie HIV, Herpes und Hepatitis C ins Gedächtnis—damit du "safe" bleibst.

Auf Partys, bei denen CheckIt dabei ist, werden Röhrchen verteilt. Sie haben extra keine Scharfen Kanten.

Je feiner umso reiner?

Verarbeite deine Materie zu allerfeinstem Staub, bevor du sie dir durch deine Nasenlöcher jagst, weil deine Nasenschleimhaut sonst verletzt werden kann. Das machst du am besten mit einer Rasierklinge (bitte nicht verletzten dabei). Damit hackst du den Stoff in minimalste Partikel. Nimm dir auch immer einen Taschenspiegel mit, denn du willst den Schnee sicher nicht auf deinem Smartphone mit einer Rasierklinge bearbeiten. Aber viel wichtiger ist es deswegen, weil auf deinem Handy ungemein viele Bakterien sind. Das ist eigentlich nicht nur ekelerregend, sondern kann auch deiner Gesundheit schaden—wieder einmal. Zur Not geht aber auch da wieder ein Flyer.

Auch diverse Streckmittel, die nicht fein säuberlich gehackt und nicht wasserlöslich sind, können in die Atemwege gelangen und für Verklumpungen in der Lunge sorgen. Du solltest nach spätestens einer Viertelstunde deine Nase putzen. Nein, es ist dann auch nicht mehr schade ums Geld. Der Wirkstoff ist schon im System und stimuliert schon längst dein Gehirn. Fahr dir auch mit dem Taschentuch ins Nasenloch rein und säubere die Naseninnenwände.

Du musst auch nicht jede Substanz mit deinen Atemwegen einnehmen. Bei Ecstasy und MDMA zahlt es sich auch gar nicht aus. Durch die Nase befördert, bekommst du nur den stimulierenden Flash und nicht den euphorisierenden—zudem hält die Wirkung auch nicht lange an—es schadet dem Körper nur mehr, als es einfach nur runterzuschlucken.

Und zu guter Letzt: Frag lieber zweimal, was du zu dir nimmst, wenn dir jemand etwas spendieren möchte. Die ganzen weißen Pülverchens schauen ziemlich ähnlich aus. Die Wirkung von Ketamin und Speed ist dann aber alles andere als ähnlich. Sollte dir das einmal passieren und du packst es gerade irgendwie nicht, mit dem Zustand klar zu kommen, dann versuche einfach, so ruhig wie möglich zu bleiben. Die Wirkung von Ketamin hält meistens nicht länger als eine Stunde—ganz egal ob du das gut oder schlecht findest.

Vor dem Ziehen ist nach dem Ziehen

Deine Nase braucht viel Pflege. Vor allem, wenn du öfters mit Discoschnupfen nach Hause gehst. Das machst du am besten mit einer regelmäßigen Nasendusche. Das Gerät dafür bekommst du online, in der Apotheke oder in Drogeriemärkten. Du kannst dir entweder extra dieses "Spezial"-Salz dazu kaufen oder du löst einfach einen gestrichenen Teelöffel jodiertes Salz in lauwarmem Wasser auf. Wenn du dir das Wasser durch die Nase jagst, solltest du unbedingt den Mund dabei geöffnet haben, sonst kannst du nicht atmen. Je nach Verstopfungs-Grad musst du auch damit rechnen, dass dir der Rotz hinten runter kommt. Den solltest du ausspucken—ihn irrtümlich zu schlucken, kann wirklich super-eklig sein. Mit so einer Nasenspülung kriegst du Schleim, Dreck, Pollen und diverse Krankheitserreger aus deinem "Ziehorgan". Wenn du zu verschnupft bist, kannst du das Ganze auch mit etwas Pfefferminzöl in Wasser aufgelöst machen. Oder gleich etwas Pfefferminztee inhalieren.

Für zwischendurch empfehlen sich auch Meersalzsprays (die kann man auch langfristig anwenden), sowie Nasenöle und -salben. Bekommst du alles in der Apotheke. Sag den Leuten am Tresen einfach, dass du eine trockene Nase hast. Abzuraten ist allerdings von Anti-Schnupfen-Sprays, die machen schnell abhängig (vor allem weil sich die Nase danach so frei anfühlt) und trocknen aber noch mehr aus.

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