Sex

Dank Corona: Das Geschäft mit Sexpuppen boomt

Einige Unternehmen konnten ihre Verkaufszahlen verdoppeln – viele Puppen gehen an verheiratete Paare.
19.8.20
Vier Sexpuppen sitzen auf einem Sofa. Im Zuge des Corona-Lockdowns kaufen immer mehr Menschen Sexpuppen
Foto: imago images | IP3press 

Neben Amazon und Netflix gehören auch Hersteller von Sexpuppen zu den großen Pandemie-Gewinnern. Viele Menschen isolieren sich zu Hause, Sexarbeit ist verboten oder nur unter großen Einschränkungen möglich. Kein Wunder also, dass  das Interesse an hyperrealistischen Silikongefährtinnen und -gefährten so hoch ist wie noch nie. Aber es sind nicht nur einsame Singles, die der Branche einen Boom bescheren.

Eine Reihe australischer Sexpuppenhersteller und Vertriebe bestätigt gegenüber VICE, dass die Verkäufe dort seit März gestiegen sind. Einige Händler verzeichnen sogar doppelt so viele Bestellungen pro Woche wie vor dem Corona-Ausbruch. Auch in Deutschland und Österreich sind die Puppen gefragt wie nie.

"Seit Corona haben wir eine signifikanten Verkaufsanstieg unserer Sexpuppen bemerkt", schreibt Matt vom Online-Sexshop Cherry Banana VICE in einer E-Mail. "Unsere Cherry-Doll-Verkäufe haben sich seit März verdoppelt. Wir verkaufen jetzt vier bis fünf Puppen pro Woche – das sind 20 bis 25 im Monat."


VICE-Video: Zu Besuch im ersten Sexpuppen-Bordell Europas


Auch Andrew von Sex Doll Australia kann Ähnliches berichten. "Seit dem strengen Lockdown in Australien haben wir einen Verkaufsanstieg um 30 bis 40 Prozent erlebt. Das fing etwa im Mai an und hat sich seitdem gehalten."

Andrew ist auch eine überraschende Entwicklung aufgefallen: Immer mehr Paare und Menschen in Beziehungen kaufen Puppen für sich selbst und füreinander.

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"Verheiratete Männer kaufen weibliche Sexpuppen für sich selbst; Ehepaare kaufen sich gemeinsam Puppen, jeweils eine für jeden Partner, und immer mehr Frauen kaufen männliche Puppen", beschreibt Andrew die Trends.

Vor Corona war es zwar nicht unüblich, dass Paare ihre Beziehung um Silikongefährten erweitern, aber laut Andrew, hat es besonders in diesem Kundenkreis in den vergangenen Monaten ein gesteigertes Interesse gegeben.

Matt von Cherry Banana hat in den vergangenen Monaten auch andere ungewöhnliche Kundenwünsche bemerkt: Sexpuppen ohne Genitalien, eine mit einem Schwanz und eine Puppe mit drei Brüsten.

"Wir haben auch vermehrt Anfragen für speziell angefertigte Köpfe bekommen", ergänzt er.

Aber Corona hat nicht nur positive Auswirkungen auf das Geschäft. Kirk von Pleasure Dolls Australia sagt, dass zwar die Nachfrage gestiegen sei, die pandemiebedingten Störungen im Logistikbereich hätten jedoch einen großen Einfluss auf den Versand gehabt. Auch die verstärkten Zollkontrollen seit Beginn der Pandemie verzögerten die Einfuhr von Sexpuppen.

Insgesamt haben das Coronavirus und die Lockdownregelungen das Geschäft mit lebensechten Partnerinnen und Partnern extrem angekurbelt – für explizit sexuelle Zwecke oder so etwas wie menschliche Nähe.

"Wir haben Probleme, bei der Nachfrage hinterherzukommen; die verkaufen sich wie geschnitten Brot", sagt Ryan vom Online-Sexshop Southern Treasures. "Wir glauben, dass Singles oder Menschen, die allein leben, in diesen Zeiten einfach ein menschenartiges Konstrukt in ihrer Nähe haben wollen. Durch Gespräche mit unseren Kunden wissen wir, dass unsere Puppen neben ihren sexuellen Einsatzmöglichkeiten tatsächlich emotionale Geborgenheit bieten."

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