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In Neuruppin lösen Neonazis ihre eigene Demo auf, beim ,Rock am Ring' werden 33 Menschen durch Blitzeinschläge verletzt, in Kiew machen Rechtsradikale Jagd auf Homosexuelle und in Paris starb ,Winnetou' an einer Lungenentzündung.

von Paul Garbulski
08 Juni 2015, 6:00am

Neuruppin zeigt Neonazis im Sitzen, wo es lang geht

Foto: Imago | Markus Heine

Die Neonazis haben sich ihren Tag der deutschen Zukunft so schön ausgemalt: Es sollte marschiert werden als ein „Signal gegen Überfremdung." Dazu wählte man Neuruppin–den Geburtsort des großen, deutschen Theodor Fontane. An seinem Denkmal sollte der Neonazi-Aufmarsch schließlich enden, wo bei schönstem Sonnenschein erlesene Gäste noch ein paar Reden auf die deutsche Zukunft schwingen wollten. Am Samstag um 13 Uhr war es dann so weit: Das Wetter spielte mit, 30 Grad, die 600 Neonazis marschierten los, doch bereits nach wenigen Schritten erwartete sie eine Sitzblockade von 1400 Gegendemonstranten. Unter dem Motto „Schöner leben ohne Nazis" haben Vereine, Kirchen und Verbände eingeladen, die Menschen kamen und weil sich die rechtsdeutschen Visionäre weigerten eine alternative Route einzuschlagen, lösten sie ihren eigenen Marsch auf und wurden von der Polizei zu den Zügen eskortiert.

Winnetou ist tot

Foto: Imago | Ulrich Hässler

Wenn ein Schauspieler in einer Rolle ,aufgeht', kann das für ihn Segen und Fluch zugleich sein. Der Ruhm wird dann so gewaltig, dass die Rolle zur Realität wird. Auf diese Weise wurde Mark Hamill von seiner Rolle assimiliert. Mark wer? Mark Hamill alias Luke Skywalker. Ähnliches Schicksal teilte Pierre Louis Baron de Bris. Vor 53 Jahren spielte er zum ersten Mal den Winnetou, seitdem ließ ihn die Rolle nicht mehr los. Am Samstag verstarben beide in einem Pariser Krankenhaus an einer Lungenentzündung.

Beim ,Rock am Ring' verletzen Blitzeinschläge 33 Menschen

Foto: Imago | Becker & Bredel

Erneut bestätigt sich, dass der größte Feind von Festivals das Wetter ist. Zum ersten Mal fand der Rock am Ring nicht mehr auf der Rennbahn, sondern auf dem Flugplatz in Mendig statt, wo Petrus in der Nacht zum Samstag mit übelsten Gewittern auffuhr. Als wenn der Platzregen nicht genug gewesen wäre, knallte um 01:30 Uhr der erste Blitz herunter. Er schlug in den Backstage-Bereich einer Bühne ein und verletzte acht Mitarbeiter des Bühnenpersonals. Der Auftritt von Fritz Kalkbrenner wurde abgebrochen, die Zuschauer hatten das Feld zu räumen. Zwischen 03:00 und 04:00 Uhr schlugen noch zwei weitere Blitze ein–in einen Campingbereich und in der Nähe des Flugtowers. Dabei wurden insgesamt 25 Menschen verletzt. Als das Unwetter wieder abklang, nahm das Feiern seinen gewohnten Lauf.

50 Peitschenhiebe bekam Badawi, 950 warten auf den Blogger noch

Foto: Imago | Christian Ditsch

Am 9. Januar wurden die ersten 50 Peitschenhiebe an Raif Badawi exekutiert. Verhaftet wurde der Blogger im Juni 2012, weil er auf seiner Webseite für liberale Verhältnisse in Saudi Arabien argumentierte. Das Gericht verurteilte ihn zu 1000 Peitschenhieben, zehn Jahren Gefängnis und einem zu zahlenden Betrag von umgerechnet 240.000 Euro. Badawis Verteidigung focht das Urteil durch alle Instanzen an, bis keine mehr übrig blieb. Das höchste Gericht in Saudi Arabien bestätigte am Wochenende das bestehende Urteil, jetzt kann nur noch die königliche Begnadigung Badawi retten.

Rechtsradikale machen Jagd auf Homosexuelle und Polizisten bei der Gay-Pride-Parade in Kiew

Foto: Imago | ZUMA Press

„Ich werde selber nicht am Marsch teilnehmen, doch ich sehe überhaupt keinen Grund, warum jemand diesen stören sollte, denn demonstrieren ist das verfassungsgemäße Recht eines jeden Bürgers der Ukraine." Das war der Kommentar des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, bevor in Kiew über 200 Demonstranten mit einem „Marsch für Gleichheit" auf die Straße gingen. Der Grund, warum jemand die Gay-Pride-Parade stören sollte, ist denkbar einfach: Homophobie. Offiziell drohten rechte Nationalisten die Demonstranten anzugreifen, wer sich tatsächlich unter den Sturmmasken befand, ist schwer zu sagen. Der Marsch dauerte 30 Minuten, so lange hielt der Polizeischutz. Als sich aber die Demonstranten auf den Weg nach Hause machten, entstanden Hetzjagden um die Häuserblocks, weil die Polizei keine Vorkehrungen für einen gesicherten Abtransport getroffen hatte. Von Chaos war die Rede.

Gregor Gysi zieht sich als Fraktionschef zurück

Foto: Imago | Ecomedia | Robert Fishman

Was von vielen vermutet wurden, gab Gregor Gysi am Sonntag auf dem Parteitag der Linken bekannt: „Es ist die Zeit gekommen, den Vorsitz in jüngere Hände zu übergeben." Nach zehn Jahren an der Spitze wird er nicht erneut für den Fraktionssitz kandidieren; und Gysi machte zudem deutlich, dass er „nicht heimlich versuchen werde, die Fraktion auf indirekte Art weiter zu leiten". Als heißeste Kandidaten mit jungen Händen werden Sahra Wagenknecht (45) und Dietmar Bartsch (57) gehandelt.