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Chinesische medizin

Für diesen Schnaps wurden Eulen lebendig ertränkt

Exotische Tiere wie Schlangen oder Tiger sind seit Jahrtausenden Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin. Bei Eulen verstehen die Chinesen aber keinen Spaß mehr, auch wenn das „Wunderelixier“ angeblich gegen Kopf- und Gelenkschmerzen helfen...

von Nick Rose
14 Januar 2016, 12:00pm

Die traditionelle chinesische Medizin bedient sich gerne außergewöhnlicher Zutaten: ganze Schlangen, Tigerknochen, Stierpenisse.

Und die Nachfrage nach dieser althergebrachten Tiermedizin reißt nicht ab, sodass in China ein riesiger Schwarzmarkt entstanden ist, obwohl erst kürzlich Gesetze erlassen wurden, die die Jagd und den Verzehr von gefährdeten Tieren wie den Riesenpanda, die Goldstumpfnase oder den Kragenbär verbieten.

Für uns, die wir bei den kleinsten Krankheitsanzeichen einfach ein paar Tabletten nehmen, mag es nur schwer verständlich sein, wie ein 30 Jahre alter Kobraschnaps denn überhaupt gegen Weitsichtigkeit und Haarausfall helfen soll. In China aber schwört man seit Jahrtausenden auf solche Elixiere.

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Die Chinesen setzen zwar gerne mal exotische Tierkörperteile gegen die eigenen Wehwehchen ein, aber bei Eulen ist dann doch Schluss. Vor Kurzem tauchten Fotos von weißäugigen Eulen in großen Gläsern auf—„Eulenschnaps" sozusagen—und sorgten für ziemlich für Aufsehen in China. Wie The Shangaiist berichtet, waren die Leute zutiefst empört und forderten harte Strafen.

Ursprünglich wurde das Bild auf dem chinesischen Twitter-Pendant Weibo gepostet und innerhalb von vier Stunden über 6.000 Mal geteilt und kommentiert. Die meisten Reaktionen waren eher negativ.

Journalisten des chinesischen Webportals Sina.com kontaktierten nach diesem Internetaufschrei den Verkäufer des Eulenschnaps: „Li" behauptete, dass die 5-Kilo-Gläser des Elixiers gegen Kopf- und Gelenkschmerzen helfen würden.

Außerdem verriet er das Geheimnis seines perfekten Schnaps: Die Vögel reiften bereits zehn Jahre lang in den Gläsern, sodass der Alkohol richtig gut in die Eulen eindringen konnte.

Li gestand außerdem, dass er die Tiere noch lebend in den Alkohol getaucht hat, was bei solchen Elixieren nicht unüblich ist, wie ein Video kürzlich bewies, in dem eine Schlange bei lebendigem Leib in Reiswein gesteckt wird.

„Alle Eulen werden lebendig ertränkt", so Li gegenüber den Journalisten. „Sie werden tief in die Flüssigkeit getaucht. Dann muss man immer wieder Alkohol hinzugeben, sodass sie gut durchziehen können. Das verbessert die medizinische Wirkung."

Und noch ein letzter Tipp des „Eulendestillateurs": Nur die Flüssigkeit trinken und nicht den Vogel essen. Der „könnte Bakterien enthalten, deren Verzehr gesundheitsschädlich sein könnte." Es ist eben kein normaler Schnaps…

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Obwohl es für die Wirksamkeit der traditionellen chinesischen Heilmethoden keine wissenschaftlichen Beweise gibt, beruhen sie doch vorwiegend auf Aberglauben und dem (etwas schwammigen) Konzept der Lebensenergie, werden sie dennoch im Reich der Mitte allerorts praktiziert—und das eben auf Kosten bedrohter Tierarten. In China gibt es sogar „Hybrid-Schnaps" aus Schlangen und Eulen, wahrscheinlich für diejenigen, die gleichzeitig etwas gegen Gelenkschmerzen und Potenzprobleme brauchen.

Mit dem neuen Tierschutzgesetz in China drohen jedem, der „eine seltene und gefährdete Art" jagt, tötet, kauft, isst oder verkauft, bis zu zehn Jahre Gefängnis. In China fallen Eulen in genau diese Artenschutzkategorie—wer sie in Flaschen abfüllt, handelt also strafbar.