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„Finanzterror" – das Internet macht den Kapitalismus für das BVB-Attentat verantwortlich

Der mutmaßliche Attentäter auf den BVB-Bus ist gefasst. Ein Börsenspekulant wollte die Dortmunder umbringen, damit die BVB-Aktie fällt. Twitter-User und Kommentierende machen den Kapitalismus für die Tat verantwortlich.

von VICE Sports
21 April 2017, 9:20am

Das Rätsel um den Bombenanschlag auf den BVB-Teambus am vorletzten Dienstag scheint gelöst. Das vielleicht Wichtigste zuerst: Die Tat war mitnichten islamistisch motiviert, der Täter handelte anscheinend einzig und allein aus Habgier.

Nach SPIEGEL-Informationen haben Spezialkräfte heute Morgen in Baden-Württemberg den mutmaßlichen Täter gefasst: Sergej W., 28 Jahre alt und aus dem Raum Tübingen stammend.

Der soll sich im Vorfeld des Anschlags massenweise mit „Put-Optionen" eingedeckt haben. Bei Put-Optionen spekuliert man, dass ein gegebener Aktienkurs nachgibt, in dem Fall die Aktie der Borussia Dortmund GmbH & Co.KGaA (im Jahr 2000 ging der BVB als erster deutscher Sportverein überhaupt an die Börse). Insgesamt 15.000 solcher Scheine soll Sergej W. mithilfe eines Bankdarlehens erworben haben.

Jetzt ging es nur noch darum, den Dortmund-Kurs irgendwie abstürzen zu lassen, und zwar am besten so kräftig, dass man mit einem Aktieneinbruch Millionen verdienen kann. Und genau hier kommt der Bombenanschlag ins Spiel. Sergej W. wollte mit den Sprengsätzen möglichst viele BVB-Spieler töten oder zumindest schwer verletzen, um die BVB-Aktie einbrechen zu lassen. Dafür hat er die Bomben extra mit Metallstiften versehen. Dass der Anschlag am Ende noch einigermaßen glimpflich ausging, lag augenscheinlich nur daran, dass die zweite und wichtigste Bombe falsch platziert worden war und so nicht ihre volle Zerstörungskraft entfalten konnte.

Der Dortmunder Bus einen Tag nach dem Anschlag; Foto: Imago

Neben den 15.000 gekauften Optionsscheinen sprechen noch weitere Indizien dafür, dass die Ermittler den richtigen Mann gefasst haben. Nach SPIEGEL-Informationen soll der mutmaßliche Täter Gast des BVB-Teamhotels L'Arrivée gewesen sein. Und als er im März ein Zimmer buchte, soll er darauf bestanden haben, Ausblick auf just die Stelle zu bekommen, an der letzte Woche die Bomben hochgingen, was für eine Detonation per Funk sprechen könnte.

Dass zwischenzeitlich überhaupt ein islamistischer Anschlag in Betracht gezogen wurde, lag an dem am Tatort gefundenen Schreiben, in dem sich der Täter zum IS bekannte. Doch die Ermittler blieben skeptisch, da nach IS-Anschlägen in der Regel keine Bekennerschreiben hinterlegt werden. Und auch das Schreiben per se warf Fragen auf. Es fehlten unter anderem IS-typische religiöse Formeln, außerdem wurden in dem Schreiben konkrete politische Forderungen gestellt (der IS ist nicht dafür bekannt, mit der westlichen Welt verhandeln zu wollen). Somit scheint festzustehen, dass der mutmaßliche Täter islamistischen Extremisten die Tat „in die Schuhe schieben" wollte.

Wichtigen Anteil an dem Ermittlungserfolg hatten laut SPIEGEL-Informationen übrigens Hinweisgeber aus dem Finanzsektor, denen Unregelmäßigkeiten aufgefallen waren und die die Polizei auf die richtige Fährte lenkten. Doch eine wichtige Hürde muss für ein erfolgreiches Verfahren gegen Sergej W. noch genommen werden: Die Ermittler sollen es bis dato nicht geschafft haben, einen Zusammenhang zwischen dem mutmaßlichen Täter und den Sprengsätzen herzustellen.

Die schier absurden Beweggründe von Sergej W. haben das Internet zum Glühen gebracht. Viele Twitter-User oder Kommentierende auf Facebook machen den Kapitalismus halbironisch-halbernst für den Anschlag verantwortlich. Nico Wesser schreibt unter dem Facebook-Post von SPIEGEL Online: „Freunde, das war hier eindeutig kapitalistischer Terrorismus. Gier und Habgier sind seine Triebfedern. Gewinn und Rendite sind das angestrebte Himmelreich."

Auf Twitter zeigt sich ein sehr ähnliches Bild:

Auch wenn die Auswüchse des Kapitalismus in unserer Gesellschaft viel zu wenig hinterfragt werden, ist der Vergleich mit Terrorismus ziemlich mutig. Auch der Islam ist keine Religion des Terrors, nur missbrauchen ihn Fundamentalisten. Ähnlich ist es beim Kapitalismus. Was allerdings bleibt, ist die Erkenntnis: Dort, wo viel Geld ist, da steckt auch viel kriminelle Energie. Es ist also kein Wunder, dass der Fußball für so einen Anschlag ausgesucht wurde.