FYI.

This story is over 5 years old.

Popkultur

Rechte haben unglaublich beschissene Memes

Die Bilder sind wie das rechte Lager selbst: Sie verdrehen Fakten, sind beleidigend und geschmacklos und bewegen sich häufig an der Grenze zum nationalsozialistischen Gedankengut.
30.6.15
Screenshot der Facebook Page „Österreich Revolution“

Manchmal finde ich mich in Ecken des Internets wieder, die beinahe körperliches Unbehagen auslösen. Das fühlt sich dann ungefähr so an, als wäre man unabsichtlich in der bedrohlichsten Gegend einer fremden Stadt gelandet. Mir passiert das immer dann, wenn ich beginne, Kommentare auf der Facebook-Seite von Heinz-Christian Strache zu lesen und in Folge die Profile jener Leute anklicke, die dort die ausländerfeindlichsten oder ganz einfach die dümmsten Kommentare hinterlassen. Das Maß an Feindseligkeit und Hass, dass einem da auf der einen oder anderen Pinnwand oder Fanpage entgegenschlägt, verblüfft immer wieder. Was dabei immer wieder auffällt, ist die Vorliebe mancher Rechter für Memes—oder zumindest für meme-ähnliche Bilder, denn die meisten Grafiken, die da so kursieren, haben irgendwie gar nichts von dem Schmäh geschweige denn dem Verbreitungsgrad, für die man Memes ja eigentlich mag und kennt. Sie sind einfach nur boshaft. Das bekannteste und wahrscheinlich arschlochhafteste Meme, das in diesen Kreisen in den letzten Wochen kursiert ist, war dieses hier, das unter anderem von der FPÖ Graz-Liebenau geteilt (und später wieder offline genommen) wurde:

Orf.at hat unter anderem anhand dieses Memes in einem viral gegangenen Artikel über Asylmythen bereits sachlich erläutert, dass die Flucht nach Europa für Frauen und Kinder teilweise ganz einfach zu gefährlich und kräftezehrend ist, und Männer deshalb oft zuerst die Reise antreten, um ihre Familien dann auf sichereren Wegen nachzuholen. Eigentlich sollte man aber gar nicht diskutieren müssen, um zum Entschluss zu kommen, dass man ziemlich niederträchtig sein muss, um solche Unterstellungen öffentlich zu verbreiten—erst recht gegen Menschen, die wahrscheinlich die absolut schlimmsten Erlebnisse durchgemacht haben, die man sich vorstellen kann.

Klickt man sich aber einmal etwas länger durch die Profile der selbsternannten Abendland-Verteidiger, dann findet man eine ziemlich erstaunliche Bandbreite an wirklich geschmacklosen (aber vor allem auch äußerst hässlichen) Memes. Etwa dieses hier, das in zahlreichen Profilen und unter anderem auch in der Facebook-Gruppe „ISLAM GEHÖRT NICHT ZU ÖSTERREICH (EUROPA)" zu finden ist, in der laut Heimat ohne Hass auch zahlreiche FPÖ-Politiker Mitglieder sind:

Ja, der Ersteller dieses Bildes tut sich offensichtlich mit Groß- und Kleinschreibung schwer, aber das ist hier nicht der springende Punkt. Viel wichtiger ist, dass der Glatzkopf auf diesem Bild hier Edward Norton ist—und zwar in der Rolle des Neo-Nazis Derek Vinyard aus dem Film American History X. Lediglich das Hakenkreuz auf seiner Brust wurde in diesem Bild entfernt. Mit „unserem Österreich" hat der abgebildete fiktive Charakter bestenfalls die politische Gesinnung gemeinsam. Nachzuvollziehen, wo diese Memes ihren eigentlichen Ursprung haben, schafft man leider nur selten. In manchen Fällen würde man die Leute, die für diese Bilder verantwortlich sind, einfach gerne an der Hand nehmen, und mit ihnen ganz sachlich ein paar grundlegende Stunden des Geschichtsunterricht wiederholen:

Screenshot der FB-Page „Für immer und ewig Österreich"

Natürlich mussten eben sehr wohl unzählige Österreicher vor dem Nazi-Regime ins Ausland fliehen. Genauso sind Menschen aus anderen europäischen Ländern nach dem zweiten Weltkrieg nach Österreich geflohen, und manche dieser Leute sind nun „unsere Vorfahren". Aber das sind geschichtliche Tatsachen, die von Flüchtlings-Gegnern gerne einmal ignoriert werden. Eigentlich repräsentieren all diese Memes den rechten Flügel dieses Landes sehr gut: Fakten werden in den Grafiken mit Vorliebe durch den Fleischwolf gedreht, Beleidigungen und Geschmacklosigkeiten (man beachte das Titelbild des Artikels) haben Regelmäßigkeit und manche der Bilder schrammen beängstigend nah am nationalsozialistischen Gedankengut entlang. Der Spruch „Minirock statt Minarett", über den ich auf einer Facebook-Seite namens „Österreich Revolution" gestolpert bin, wurde 2014 übrigens auch von der NPD auf Plakaten propagiert.

Dass sich politische Inhalte sehr gut in der Form von Memes verbreiten lassen, ist hellen Köpfen schon vor einigen Jahren aufgefallen. Rechtspopulistische Inhalte und Memes passen aber offensichtlich besonders gut zusammen—immerhin geht es beiden im Grunde darum, komplexe Themen so weit herunterzubrechen und zu vereinfachen, bis sie nur noch noch aus kurzen, eingängigen Phrasen bestehen. Und beide funktionieren am besten, wenn sie beim Zuschauer oder Leser gezielt eine ganz bestimmte Emotion auslösen oder ansprechen. Bei den Memes, die wir hier behandeln, sind diese Emotionen eben offensichtlich Wut und Hass, oder auch eine Art vermeintlicher Patriotismus oder Nationalstolz.

Nicht nur Fans der rechten Politik, sondern auch freiheitliche Politiker selbst setzen auf Memes—man denke nur an das „Je Suis Gabalier"-Profilbild von Christian Höbart oder durchforste die Facebook-Präsenz von Susanne Winter.

Eigentlich fängt die Vorgeschichte der Meme-ähnlichen FPÖ-Kommunikation schon vor etwa 20 Jahren mit Jörg Haiders berühmt-berüchtigten Taferln an. Schon lange, bevor die meisten Familien ihr erstes Dial-up-Modem zuhause hatten, war Haider im Fernsehen schon völlig analog damit beschäftigt, Zahlen aus dem Zusammenhang zu reißen und komplizierte politische Zusammenhänge auf Empörungsniveau zu verdrehen.

Screenshot: ORF-TVthek

Und denkt man genauer darüber nach, ähneln die FP-Wahlplakate der letzten zwei Jahrzehnte mit ihren ebenso knappen wie provokanten Slogans in ihrer Machart dem klassischen Meme eigentlich sehr stark. Wenn meine Ausflüge auf rechte Facebook-Seiten mich aber eines gelehrt haben, dann, dass Rechte und Photoshop ganz offensichtlich eine sehr schlechte Kombination abgeben.

Es ist fast so, als würden sie sich extra viel Mühe geben, damit ihre Memes immer besonders geringe Auflösung haben und Schriftarten verwenden, die mindestens so hässlich (aber doch noch eine Spur auffälliger) sind wie Comic Sans. Letztendlich muss man aber eh darüber froh sein, dass diese Bilder qualitativ und inhaltlich Müll sind—so schaffen sie es zumindest nur in den seltensten Fällen, wirklich viral zu gehen und zu richtigen Memes im klassischen Sinne zu werden.

Folgt Tori auf Twitter:@TorisNest


Titelbild: Screenshot der Facebook Page „Österreich Revolution"