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Das 1.500 Jahre alte 'Vampir-Kind', das mit einem Stein im Mund begraben wurde

"So etwas habe ich noch nie gesehen. Das ist extrem gruselig und seltsam", sagt einer der Archäologen. Der Grund für die verstörende Bestattung ist offenbar ein antiker Aberglaube.

von Becky Ferreira
17 Oktober 2018, 11:48am

Bild: David Pickel | Stanford University

Schon der Name der Ausgrabungsstätte klingt ungewöhnlich: Friedhof der Kinder. Nun haben Archäologen auf dem Friedhof im italienischen Lugnano einen verstörenden Fund gemacht. Es ist das etwa 1.500 Jahre alte Skelett eines Kindes, in dessen aufgerissenem Kiefer ein großer Stein steckt.

"So etwas habe ich noch nie gesehen. Das ist extrem gruselig und seltsam", sagte der Archäologie David Soren, der an der Ausgrabung beteiligt war, in einem Blogeintrag der Universität Arizona. "Vor Ort nennt man das Skelett des Kindes 'den Vampir von Lugnano'."

Das Skelett stammt offenbar von einem zehnjährigen Kind. Wahrscheinlich wurde es Opfer einer Malaria-Epidemie, die im 5. Jahrhundert in Umbrien wütete, erzählt der Leiter der Ausgrabung David Pickel der University of Arizona. Im Schädel des Kindes fanden die Forschenden einen vereiterten Zahn, der eine Folge der Infektion sein könnte. Auch eine Analyse der Knochen und DNA von anderen Säuglingen und Kindern, die auf dem Friedhof bestattet wurden, spricht den Forschenden zufolge für eine Malaria-Epidemie.

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Bild: David Pickel | Stanford University

Im 5. Jahrhundert befand sich das Weströmische Reich übrigens gerade im Verfall. Das antike Imperium kämpfte mit Germanen und Hunnen, das Christentum hatte sich bereits ausgebreitet. Im Verfall der römischen Herrschaft sehen viele Forschende des Ende der Antike und den Beginn des Mittelalters.

Die Angst vor wandelnden Toten

Gräber sind für Archäologinnen von besonderer Bedeutung, denn sie seien wie "ein Fenster in altertümliche Gedankengänge", sagte Jordan Wilson im Blogeintrag der Universität. Die Bioarchäologin von der Universität Arizona hat die Knochen des Kindes untersucht.

"In der Bioarchäologie haben wir ein Sprichwort: 'Die Toten bestatten sich nicht selbst.' Die Art und Weise, wie Menschen ihre Toten behandeln, verrät sehr viel darüber, woran sie glauben", sagte Wilson.

Der große Stein wurde dem Kind wahrscheinlich aus Aberglauben in den Mund geschoben. Diese Art der Bestattung wurde gewählt, weil Menschen fürchteten, die Toten könnten aus ihren Gräbern steigen und die Lebenden infizieren, so die Forschenden. "Wir wissen, dass die Römer sich große Sorgen machten, die Toten könnten aus ihren Gräbern steigen", erklärte Soren im Blogeintrag. "Sie setzten sogar Hexenkraft ein, um das Böse – was auch immer den Körper befallen hatte – im Grab zu halten." Der Vampir-Vergleich kommt daher, dass Vampire der Erzählung nach Untote sind und deshalb an der Wiederauferstehung gehindert werden müssen.


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In der Geschichte finden sich weitere Beispiele dieses Bestattungsrituals. Einer Frauenleiche aus dem 16. Jahrhundert, die auch als "Vampir von Venedig" bekannt ist, hatte man einen großen Stein zwischen die Zähne gesteckt. In England wurden die 1.700 Jahre alten Überreste eines Mannes gefunden, dessen Zunge durch einen Stein ersetzt worden war.

In den Gräbern fanden die Forschenden auch Krallen, Knochen, Hundeköpfe

Auch sein Alter macht das sogenannte Vampir-Kind für die Forschenden interessant. Bisher wurden an der Ausgrabungsstätte ungefähr 50 Skelette gefunden, die zum Zeitpunkt ihres Todes nicht älter als drei Jahre alt waren. Daher vermutete man, dass es sich um einen Friedhof für Kleinkinder, Säuglinge und Föten handelte.

Auch in den Gräbern anderer Kinder fanden die Forschenden kuriose Beigaben: Krallen von Krähen, Knochen von Fröschen oder Köpfe von Hundewelpen. Das deutet Soren zufolge darauf hin, dass sich die Bewohner von Lugnano durch Opferrituale vor den Toten schützen wollten. Die Hände und Füße des Skeletts einer Dreijährigen wurden beispielsweise mit Steinen beschwert. Möglicherweise dachten die Menschen, das würde sie daran hindern, ihr Grab zu verlassen.

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Dieser Artikel ist zuerst auf der englischsprachigen Seite von Motherboard erschienen.